Roland Nelles

Anstieg von Corona-Fällen Die amerikanische Katastrophe

Roland Nelles
Ein Kommentar von Roland Nelles, Washington
In den USA steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder dramatisch an. Dafür sind vor allem der Präsident und seine Groupies in den Bundesstaaten verantwortlich.
Donald Trump kann nichts für das Virus, aber sein Krisenmanagement war seit Beginn der Pandemie fatal.

Donald Trump kann nichts für das Virus, aber sein Krisenmanagement war seit Beginn der Pandemie fatal.

Foto: Evan Vucci/ AP

Klar, es kann alles immer noch anders kommen. Aber, Stand jetzt, wird Donald Trump die Präsidentenwahl in den USA am 3. November nicht nur verlieren, sondern er könnte von den Amerikanern regelrecht aus dem Amt gejagt werden.

Die Zahl, die ihm nach Lage der Dinge den politischen Garaus machen wird, ist die 47. Um erschreckende 47 Prozent sind die Corona-Infektionen in den USA in nur 14 Tagen in die Höhe geschnellt. Nach einer kurzen Entspannung der Lage im Mai sind die Vereinigten Staaten nun wieder der Hotspot Nummer eins in der Welt. Am Mittwoch wurden an einem einzigen Tag 36.880 neue Fälle gemeldet, der höchste Tageswert seit  Ausbruch der Krise. Es ist eine Katastrophe mit Ansage und ein politisches Totalversagen epischen Ausmaßes.

Jeder weiß, wer dafür eine beträchtliche Verantwortung trägt. Donald Trump kann nichts für das Virus. Aber er hat die Pandemie von Anfang an in jeder Hinsicht unterschätzt. Er hat erst zu spät reagiert, dann hat er sie nicht richtig gehandhabt, und nun bestätigt sich die Prognose vieler Experten, dass die von Trump befürwortete frühe Lockerung von Einschränkungen in etlichen Staaten zu einem gefährlichen Comeback der Krise führt.

Anstieg vor allem in Trump-Staaten

Vor allem in Florida, Texas, Arizona, Oklahoma, Kalifornien, South Carolina, Georgia schnellen die Zahlen in die Höhe. Mit Ausnahme von Kalifornien, wo ein Demokrat regiert, sind dort auf den wichtigen politischen Posten überall Trump-Groupies am Werk, die sich vom Präsidenten ermutigt fühlten, Bars, Restaurants und Fitnessstudios vorschnell wieder zu öffnen.

Statt als Vorbild für seine Landsleute zu agieren und eine konsequente Linie im Kampf gegen das Virus zu propagieren, tut Trump das Gegenteil. Er spielt die Gefahr herunter, er verzichtet bei öffentlichen Auftritten auf das Tragen einer Maske, er lädt in Oklahoma und Arizona sogar Tausende Fans zu seinen Kundgebungen in Hallen ein. Insgesamt vermittelt er den Eindruck, als sei die Pandemie quasi vorüber. Zugleich sucht er nach billigen Ausreden für die steigende Zahl der Neuinfektionen, etwa, indem er dafür die bessere Verfügbarkeit von Tests verantwortlich macht.

Versagen einer Weltmacht

Trump hat wieder einmal gewettet. Er hat darauf gehofft, dass seine Augen-zu-und-durch-Taktik die Wirtschaft rettet und seine Macht dazu. Aber es sieht so aus, als habe er sich verzockt. Amerika leidet. Viele weitere Menschen werden ihr Leben verlieren. Mehr als 120.000 Menschen sind bereits gestorben. Ein Millionenheer von Arbeitslosen lebt weiter in Unsicherheit, Angst und Not. Viele weitere Millionen Bürger, die noch Jobs haben, sind in Sorge um ihre persönliche Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder und Enkelkinder.

Und da ist noch mehr: Die stolze Weltmacht blamiert sich bis auf die Knochen. Während in der Europäischen Union und in Asien die Zahl der Infektionen einigermaßen stabil bleibt, bekommt Amerika das Problem nicht in den Griff. Die Pandemie zeigt: Ein weltweiter Führungsanspruch lässt sich nicht allein aus militärischer oder ökonomischer Stärke ableiten. Es kommt auch darauf an, wie eine Weltmacht dabei mithilft, globale Probleme wie das Coronavirus zu bekämpfen. Die USA haben hier unter Donald Trump auf der ganzen Linie versagt.

Viele amerikanische Wähler wissen das, das ist Donald Trumps Problem: Es werden von Tag zu Tag mehr und ihm läuft die Zeit davon, die Sache noch zu drehen.

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