Pandemie in der Diktatur Nordkorea meldet erstmals keine neuen »Fieber-Patienten«

Die nordkoreanische Bevölkerung leidet seit Jahrzehnten unter dem Regime der Kim-Dynastie und den Sanktionen des Westens. Corona hat die Lage vermutlich noch massiv verschlechtert. Die Staatspropaganda hält weiter dagegen.
Kim Jong Un mit Maske

Kim Jong Un mit Maske

Foto: KCNA / AP

Nordkorea hat erstmals seit zweieinhalb Monaten keine neuen Verdachts- oder Krankheitsfälle gemeldet, die im Zusammenhang mit einem Coronaausbruch stehen. Von Donnerstag- bis Freitagabend seien keine neuen Fieberfälle hinzugekommen, berichteten die Staatsmedien am Samstag unter Berufung auf das Hauptquartier für Epidemie-Prävention. Von den bisher insgesamt mehr als 4,77 Millionen registrierten Fällen seit Ende April waren demnach nur noch 204 Menschen in Behandlung.

Das streng abgeschottete Land hatte Mitte Mai zum ersten Mal offiziell Infektionen mit dem Krankheitserreger bestätigt und von einem epidemischen Ernstfall für den Staat gesprochen. Allerdings sprach es seitdem von »Fieberfällen«. Wie viele von ihnen tatsächlich auf eine Coronainfektion zurückgehen, ist unklar. Laut Experten verfügt Nordkorea über keine ausreichenden Testkapazitäten.

Eigenen Angaben zufolge schicken die Behörden jedoch »mobile anti-epidemische« und Diagnoseteams sofort in diejenigen Regionen, in denen Fieberfälle vorkommen, um dort PCR-Tests und Antikörpertests zur Ursache des Symptoms durchzuführen. Alle »Patienten« würden unter Quarantäne gestellt und behandelt.

In Nordkorea leben knapp 26 Millionen Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass es dort bisher keine flächendeckenden Impfungen gegeben hat.

Das weitgehend isolierte Nordkorea unterliegt wegen seines Atomwaffen- und Raketenprogramms einer Vielzahl internationaler Sanktionen. Die Bevölkerung leidet unter einer Nahrungsmittelknappheit, die durch die Coronapandemie nochmals verschärft wurde.

Kim Jong Un droht Südkorea mit Vernichtung

Trotzdem hält Machthaber Kim Jong Un an seinem konfrontativen Kurs fest. Erst am Donnerstag erklärte er, für den Fall militärischer Konflikte mit den USA und Südkorea den Einsatz von Atomwaffen nicht auszuschließen. Die nordkoreanische Armee sei auf jede Krise »gründlich vorbereitet«, sagte Kim nach Angaben von Staatsmedien bei einer Feier anlässlich des vor 69 Jahren geschlossenen Waffenstillstands zur Beendigung des Korea-Kriegs.

»Die nukleare Kriegsabschreckung unseres Landes ist ebenfalls bereit, ihre absolute Macht treu, präzise und unverzüglich im Einklang mit ihrer Mission zu mobilisieren«, sagte Kim laut der Nachrichtenagentur KCNA in seiner Rede vor Veteranen. Er betonte die »uneingeschränkte Bereitschaft« seines Landes, »jede militärische Auseinandersetzung mit den Vereinigten Staaten zu bewältigen«.

Kim attackierte in seiner Rede auch den südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol, der einen harten Kurs gegenüber Pjöngjang verfolgt. Es sei »sehr gefährlich und selbstzerstörerisch«, über militärische Maßnahmen gegen Nordkorea zu sprechen, sagte Kim. Er drohte im Falle eines Angriffs mit der »Vernichtung« der Regierung und des Militärs in Südkorea.

dop/dpa
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