Abschied von Null-Covid-Politik China lockert Coronaregeln

Die Proteste im Land zeigen offenbar Wirkung: China wendet sich von seiner strikten Null-Covid-Politik ab. Menschen mit leichten Symptomen etwa können bald in Heimquarantäne bleiben.
Gesundheitsmitarbeiter an einem Bahnhof in Shanghai: Regeln werden gelockert

Gesundheitsmitarbeiter an einem Bahnhof in Shanghai: Regeln werden gelockert

Foto: HECTOR RETAMAL / AFP

Angesichts der Proteste im Land begann Chinas Null-Covid-Politik in den vergangenen Tagen zu bröckeln . Nun lockert die Volksrepublik die Coronaregeln deutlich: Der Staatsrat verkündete in Peking in einem neuen Zehn-Punkte-Plan  Erleichterungen für Quarantäne, PCR-Tests und Lockdowns.

Die nationale Gesundheitsbehörde teilt mit, dass etwa infizierte Menschen ohne oder nur mit leichten Symptomen in Heimquarantäne bleiben können. Zudem will das Land den Umfang und die Häufigkeit von Coronatests reduzieren. Ein deutliches Zeichen, dass China seine Bevölkerung auf ein Leben mit dem Virus vorbereitet.

»Asymptomatische Personen und milde Fälle können zu Hause isoliert werden, während die Gesundheitsüberwachung verstärkt wird, und sie können rechtzeitig zur Behandlung in ausgewiesene Krankenhäuser verlegt werden, wenn sich ihr Zustand verschlechtert«, so die Gesundheitsbehörde NHC.

Abriegelungen eingeschränkt

Die neuen Regeln sehen außerdem vor, dass Gebiete wie Stadtteile, Gemeinden und Straßen nicht willkürlich abgeriegelt werden dürfen. Abriegelungen sollen sich auf Hausetagen oder Gebäude beschränken. Der Status von Hochrisikogebieten soll schneller wieder aufgehoben werden können als bisher. Außerdem sollen vor allem ältere Menschen schneller gegen Covid-19 geimpft werden.

Aus Protest gegen die rigorosen Maßnahmen der Null-Covid-Politik wie wiederholte Lockdowns, Zwangsquarantäne, Massentests und ständige Kontrolle über Corona-Apps waren Ende November in mehreren Städten der Volksrepublik Tausende von Menschen auf die Straßen gegangen.

In Peking wurde dabei »Hebt den Lockdown auf« und »Wir wollen keine PCR-Tests, wir wollen Freiheit« gerufen. Es waren die größten Proteste in China seit der Demokratiebewegung, die das Militär 1989 blutig niedergeschlagen hatte.

Viele Fälle asymptomatisch

China hatte sich zuletzt bemüht, die Null-Covid-Politik beizubehalten und gleichzeitig die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt am Laufen zu halten. Eine Abkehr von der strikten Politik hatte sich vor wenigen Tagen angedeutet, als staatliche Medien von einer möglichen Abstufung der Corona-Gefahr berichteten.

Mehr als 95 Prozent der Fälle in China seien nun asymptomatisch und verliefen mild, auch die Sterblichkeitsrate sei sehr gering. Unter diesen Umständen entspreche das Festhalten an der Einordnung des Virus nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen, zitierte etwa die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Yicai einen Experten für Infektionskrankheiten unter Wahrung der Anonymität.

ptz/Reuters/AFP
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