Coronamaßnahmen weltweit So reagieren andere Länder auf steigende Fallzahlen und Omikron

Weltweit stellt die Omikron-Variante selbst Staaten mit hohen Impfquoten vor Probleme. Einige Länder verschärfen ihre Maßnahmen. Ein Überblick von Dänemark bis Südkorea.
Schlangestehen für Coronatests in Seoul: In Südkorea gelten wegen steigender Fallzahlen wieder schärfere Maßnahmen

Schlangestehen für Coronatests in Seoul: In Südkorea gelten wegen steigender Fallzahlen wieder schärfere Maßnahmen

Foto: KIM HONG-JI / REUTERS

Impfen, was das Zeug hält, die Delta-Variante in den Griff bekommen – und einen erträglichen Coronaherbst und -winter erleben: Das war die Hoffnung im Sommer. Davon ist kaum etwas übrig geblieben, auch wenn die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland offenbar tatsächlich zurückgeht und Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) twitterte, die Lage stabilisiere sich.

Denn die Impfquote ist nach Ansicht von Fachleuten zu gering, und die ansteckendere Omikron-Variante verändert das Pandemiegeschehen. Was das bedeuten kann, lässt sich im nördlichen Ausland ablesen: In Dänemark und Norwegen schlägt sich die Ausbreitung der Omikron-Variante bereits in steigenden Fallzahlen wieder. Und auch Südkorea, lange Vorbild bei der Pandemiebekämpfung, kämpft nun mit Problemen. Ein Überblick.

Omikron in Skandinavien bereits weitverbreitet

In Dänemark erreicht die Zahl der Neuinfektionen wegen der Omikron-Variante derzeit täglich neue Höchststände, obwohl knapp 81 Prozent der Bevölkerung doppelt gegen das Coronavirus geimpft sind. Am Dienstag meldete der dänische Gesundheitsdienst mehr als 8314 Neuinfektionen, in etlichen Kommunen und auch in der Hauptstadt Kopenhagen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz inzwischen über 1000.

Omikron könnte laut dem dänischen State Serum Institute (SSI) noch in dieser Woche zur dominanten Version des Virus werden. Weil das Land jeden positiven Coronatest auf Omikron überprüft, bietet es besonders präzise Daten, um die Ausbreitung der neuen Variante nachzuverfolgen. Was in Dänemark präzise erfasst wird, könnte also auch anderswo bald der Fall sein oder schon Realität – auch in Deutschland.

Die dänische Regierung um Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hatte bereits in der vergangenen Woche striktere Coronamaßnahmen verhängt. Seit Freitag müssen Bars und Restaurants um Mitternacht schließen, die Schulen gehen bereits eine Woche vor den Weihnachtsferien zum Onlineunterricht über.

In Norwegen sind die täglichen Infektionszahlen sogar noch höher, auch hier reagierte die Regierung zuletzt mit neuen Restriktionen. Die Gastronomie darf überhaupt keinen Alkohol mehr ausschenken, wo möglich muss im Homeoffice gearbeitet werden. »Für viele wird sich das wie ein Lockdown anfühlen«, sagte Ministerpräsident Jonas Gahr Støre. Durch die Ausbreitung der Omikron-Variante gebe es jedoch keinen Zweifel daran, »dass wir schnell und erneut handeln müssen«.

In Schweden, das in der Pandemie lange einen Sonderweg ging  und keine strikten Lockdowns einführte, gehen die Fallzahlen ebenfalls nach oben.

Steigende Fallzahlen fast überall in Südeuropa

Auch in Südeuropa ist die noch ansteckendere Variante längst im Umlauf, wenngleich die bislang in Spanien und Italien entdeckten Fälle noch im niedrigen zweistelligen Bereich liegen. Weil weniger Tests sequenziert werden, dürfte die Dunkelziffer hier deutlich höher sein als etwa in Dänemark. Die Fallzahlen und Krankenhauseinweisungen steigen in Spanien aber bereits jetzt.

Am Montag kamen die ersten Biontech-Vakzinen für Kinder ab fünf Jahren in Spanien an

Am Montag kamen die ersten Biontech-Vakzinen für Kinder ab fünf Jahren in Spanien an

Foto: HANDOUT / AFP

Griechenland erlebte seine vierte Welle dagegen bereits im November, seit etwa zwei Wochen sinken die Fallzahlen wieder. Doch auch hier sind bereits Omikron-Infektionen bestätigt – nach Angaben der Zeitung »Kathimerini« handelte es sich bei den ersten fünf Infizierten um Geimpfte, die zunächst keine schweren Symptome zeigten. Hoch ist dagegen die Zahl der Coronatoten: Zuletzt starben 130 Menschen innerhalb eines Tages an Covid-19, so viele wie noch nie.

Verheerende Coronawelle in Rumänien scheint vorüber

Entspannt hat sich die Lage derweil in Rumänien. Das Land hatte in den vergangenen Monaten zeitweise die weltweit höchste Corona-Todesrate zu beklagen. Ende Oktober starben täglich mehr als 400 Menschen an Covid-19 –  bei nicht einmal 20 Millionen Einwohnern. Die Lebenserwartung in dem Land sank laut einem Bericht der Europäischen Kommission durch die Pandemie um 1,4 Jahre und damit doppelt so stark wie in den anderen 26 EU-Staaten.

Inzwischen sind es noch etwa hundert Tote und weniger als tausend Neuinfektionen pro Tag. In Bukarests Krankenhäusern bereitet man sich aber offenbar bereits jetzt auf die fünfte Welle vor. »Das ist nur eine Pause«, zitiert etwa der Sender Al Jazeera  eine Notfallmedizinerin aus der Hauptstadt. Die Angestellten würden derzeit versuchen, genügend Ausrüstung herbeizuschaffen, um nicht von einer weiteren Welle überrascht zu werden. Die Sorge scheint berechtigt: Die extrem niedrige Impfquote von 40 Prozent wird innerhalb der EU nur noch von Bulgarien unterboten. Dort ist nur etwas mehr als ein Viertel der Bevölkerung vollständig geimpft.

Hunderte Coronapatienten in Südkorea in kritischem Zustand

In Asien droht derzeit Südkorea seinen Ruf als Vorbild bei der Pandemiebekämpfung  zu verlieren. Das Land hatte die Pandemie über Monate effektiv eingedämmt und mit rigoroser Kontaktnachverfolgung und strikten Maßnahmen selbst auf kleinere Ausbrüche reagiert. Das Ergebnis: Bislang sind in dem 52-Millionen-Einwohner-Staat weniger als 5000 Menschen an Covid-19 gestorben.

Nun droht die gute Bilanz zu kippen: Fast hundert Menschen sterben derzeit täglich an Corona – und die Zahl dürfte in den kommenden Tagen noch steigen. Wie der Sender NHK berichtet, befanden sich am Dienstag 964 Coronapatienten in kritischem Zustand. Bereits Ende dieser Woche dürften alle Krankenhausbetten für schwere Coronafälle belegt sein. Derweil stecken sich täglich Tausende Menschen neu an.

Laut »Guardian«  ist die Impfquote in Südkorea mit mehr als 80 Prozent zwar hoch, der Impfschutz aber je nach Altersgruppe sehr unterschiedlich. Die steigenden Fallzahlen gehen demnach etwa auf jüngere Menschen zurück, die noch keinen vollständigen Impfschutz haben, sowie Ältere, die noch nicht geboostert sind. Südkoreas Regierung hatte wegen der steigenden Zahlen zuletzt wieder Kontaktbeschränkungen bei privaten Treffen und Schnelltests etwa vor Bar- oder Saunabesuchen eingeführt.

USA setzen auf neue Anti-Corona-Pille

Mit anhaltend hohen Infektionszahlen sieht sich auch US-Präsident Joe Biden konfrontiert. Das Land hat die Marke von 800.000 Coronatoten überschritten, täglich kommen mehr als 100.000 Neuinfizierte hinzu. Dabei ist die Omikron-Variante bislang nur bei einem Bruchteil der Fälle nachgewiesen.

Die USA wollen bei der Pandemiebekämpfung auch auf eine neue Anti-Corona-Pille des Herstellers Pfizer setzen . Seine Regierung habe zehn Millionen Dosen des Mittels geordert, sagte Biden am Dienstag. Impfung und Booster blieben demnach die wichtigsten Mittel, um Leben zu retten, so der Präsident. »Aber wenn das Medikament wirklich zugelassen wird – und sobald die Tabletten flächendeckend erhältlich sind – werden sie in der Pandemie einen wichtigen Schritt nach vorn bedeuten.«

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Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters

fek/Reuters
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