Corona-Krisenmanagement Geschasster Behördenleiter legt Beschwerde gegen Trump-Regierung ein

Als Direktor der US-Behörde BARDA war Rick Bright an der Suche nach einem Corona-Impfstoff beteiligt. Doch nach einem Streit mit der Regierung um ein angebliches "Heilmittel" wurde er versetzt. Nun will Bright sich wehren.
US-Präsident Donald Trump mit Vertretern seiner Corona-Taskforce

US-Präsident Donald Trump mit Vertretern seiner Corona-Taskforce

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JONATHAN ERNST/ REUTERS

Die US-Regierung steht seit Wochen wegen ihres Corona-Krisenmanagements in der Kritik, vor allem Präsident Donald Trump hat die Bedrohung durch das Virus lange heruntergespielt. Nun erhebt ein ehemaliger hochrangiger Beamter schwere Vorwürfe: Die Regierung habe frühe Warnungen vor einer Pandemie ignoriert und ein angebliches "Wundermittel" gegen das Virus beworben, ohne darüber gesicherte Erkenntnisse zu haben. Absender der Vorwürfe ist Rick Bright, bis vor Kurzem noch Direktor der US-Behörde BARDA, die dem Gesundheitsministerium untersteht und an der Suche nach einem Corona-Impfstoff beteiligt ist.

Bright behauptet, er sei gegen seinen Willen auf einen weniger einflussreichen Posten in einer anderen Behörde versetzt worden. Der Grund dafür sei seine Weigerung, die Malaria-Medikamente Hydroxychloroquin und Chloroquin als Heilmittel für die Lungenkrankheit Covid-19 zu unterstützen. Präsident Trump hatte die Medikamente wiederholt als Behandlung beworben, obwohl nur wenige Studien einen möglichen Nutzen nahelegten.

Nun will Bright seinen Posten zurückhaben und hat eine Beschwerde als Whistleblower eingelegt. Seine Abberufung als Direktor der BARDA verstoße gegen ein Bundesgesetz zum Schutz von Informanten, argumentieren Brights Anwälte. Die Klage richtet sich vor allem gegen Gesundheitsminister Alex Azar und andere hochrangige Regierungsmitarbeiter: "Dr. Bright handelte mit Dringlichkeit, um mit dieser Pandemie umzugehen, stieß aber auf Widerstand" bei der Führung der Gesundheitsbehörde, einschließlich von Azar, "der darauf bedacht zu sein schien, diese katastrophale Bedrohung herunterzuspielen", heißt es darin. Bereits im Januar habe er vor einer Epidemie auch in den USA gewarnt - ähnlich wie Trumps Handelsberater Peter Navarro.

In einer Telefonkonferenz mit Journalisten sagte Bright, er habe mitangesehen, wie sich die Regierung "blindlings in eine potenziell gefährliche Situation" gestürzt habe. Unter anderem sei Chloroquin aus Pakistan und Indien importiert worden, für das es keine Freigabe der US-Arzneimittelbehörde FDA gegeben habe, sagte Bright. Das Vorgehen habe ihn und seine Mitarbeiter alarmiert.

Gesundheitsministerium "zutiefst enttäuscht"

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums sagte, dass Bright in seiner neuen Position bei der Behörde National Institutes of Health mit rund einer Milliarde US-Dollar für die Entwicklung diagnostischer Tests betraut worden sei. "Wir sind zutiefst enttäuscht, dass er seinen neuen Job nicht angetreten hat, um für das amerikanische Volk zu arbeiten und bei diesem kritischen Unterfangen eine führende Rolle zu übernehmen", sagte die Sprecherin. Zu den Vorwürfen äußerte sie sich nicht direkt.

Eine Sprecherin Brights widersprach der Darstellung des Ministeriums auf Twitter: Man habe ihm noch keine Details zu seiner neuen Aufgabe mitgeteilt. Bright sei derzeit krankgeschrieben, weil er aufgrund der "aktuellen Situtation" unter Bluthochdruck leide.

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US-Präsident Trump hatte in der vergangenen Woche auf Nachfrage gesagt, er habe noch nie von Bright gehört: "Ich weiß nicht, wer das ist."

Bright, ein Experte für Impfstoffe und Therapeutika, war 2016 vor Trumps Amtsantritt auf seinen Posten als Präsident der Behörde BARDA berufen worden. In seiner Beschwerde behauptet er, dass es bereits vor der Coronakrise Spannungen mit der Führung des Gesundheitsministeriums gegeben habe. Seit 2017 habe er gegen "Vetternwirtschaft und Vergabe von Aufträgen an Unternehmen mit politischen Verbindungen zur Regierung" protestiert. Nach Angaben seiner Anwälte und der Demokraten soll Bright in der kommenden Woche vor einem Gremium des US-Repräsentantenhauses aussagen.

mes/Reuters/AP
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