Soziologe über geizige EU-Staaten in der Coronakrise "Die 'Sparsamen Vier' sind der Inbegriff von Asozialität"

Der Gesellschaftswissenschaftler Stephan Lessenich bezeichnet die europäische Solidarität im Kampf gegen die Pandemie und ihre Folgen als Witz. Es sei nötig, viel mehr zu tun.
Ein Interview von Jörg Schindler
Stefan Löfven (Schweden), Mark Rutte (Niederlande), Mette Frederiksen (Dänemark) und Sebastian Kurz (Österreich)

Stefan Löfven (Schweden), Mark Rutte (Niederlande), Mette Frederiksen (Dänemark) und Sebastian Kurz (Österreich)

Foto: Mario Salerno/ European Union

SPIEGEL: Herr Lessenich, in der Coronakrise loben sich die Menschen in den Industrieländern gerade für ihre neu entdeckte Solidarität. Zu Recht?

Lessenich: Wenn man es isoliert betrachtet, ist es natürlich gut und macht Hoffnung, wenn Nachbarn sich untereinander helfen oder Pflegepersonal beklatscht wird. Aber wir betreiben hier, wenn überhaupt, allenfalls so etwas wie Inzestsolidarität. Ansonsten schauen wir, dass möglichst wenig reinkommt von dem, was außerhalb Deutschlands oder gar Europas passiert. Mit wirklicher Solidarität hat das nichts zu tun.

Zur Person
Foto: Zentralbild/ picture alliance / dpa

Stephan Lessenich, 54, lehrt am Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist soziale Ungleichheit. Lessenich war von 2013 bis 2017 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Von ihm stammt unter anderem das Buch "Neben uns die Sintflut. Wie wir auf Kosten anderer leben"

SPIEGEL: Mit der Solidarität scheint es ohnehin nicht mehr so weit her zu sein, wie eine aktuelle Umfrage der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zeigt. Junge und Alte, Reiche und Arme, jeder sucht seinen Vorteil in der Krise. Was läuft da schief?

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