Corona-Verstoß in Brüssel Ungarischer EU-Abgeordneter wollte von illegaler Sexparty fliehen

Die Brüsseler Polizei hat mehrere Personen verwarnt, die trotz geltender Corona-Sperre eine Sexparty feierten. Unter ihnen war ein ungarischer Politiker. Dessen Karriere als EU-Parlamentarier ist nun bald vorbei.
Polizisten patrouillieren in Brüssel zur Einhaltung der geltenden Ausgangssperre

Polizisten patrouillieren in Brüssel zur Einhaltung der geltenden Ausgangssperre

Foto: JOHANNA GERON / REUTERS

Belgische Polizisten haben am Freitagabend etwa 20 Personen verwarnt, die in Brüssel trotz geltender Corona-Beschränkungen eine Sexparty feierten. Unter den Gästen befand sich ein ungarischer Abgeordneter der regierenden Fidesz-Partei.

Die Feier fand den Berichten zufolge in einer Wohnung über einer Bar in der Brüsseler Innenstadt statt, unweit einer Polizeistation. Viele der vornehmlich männlichen Gäste waren demnach bei ihrer Festnahme nackt. Zudem soll die Polizei Drogen gefunden haben. Polizeiangaben zufolge wurden »rund 20 Personen wegen der Nichteinhaltung der Gesundheitsmaßnahmen verwarnt«.

»Ich bereue den Verstoß gegen die Covid-19-Einschränkungen zutiefst, das war verantwortungslos«

Unter den Gästen befanden sich den Berichten zufolge ein EU-Abgeordneter und mehrere Diplomaten. Der Abgeordnete soll beim Eintreffen der Beamten versucht haben, durch ein Fenster zu fliehen. Dabei soll er sich verletzt und anschließend auf seine diplomatische Immunität als Abgeordneter verwiesen haben. Es handelte sich dabei um den Ungar József Szájer, wie der 59-Jährige inzwischen selbst bestätigt hat.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Fluchtversuch lediglich mit den Initialen »S. J.« und dem Geburtsdatum 1961. Im Rucksack des Betroffenen seien zudem Drogen gefunden worden. »Ich war dort«, gab Szájer zu. »Laut Polizei haben sie eine Ecstasy-Pille gefunden, aber es war nicht meine.« Er habe keine Drogen genommen. »Ich bereue den Verstoß gegen die Covid-19-Einschränkungen zutiefst, das war verantwortungslos.«

Szájer hatte zwei Tage nach dem Vorfall – und noch vor dessen Bekanntwerden – am Sonntag überraschend seinen Rücktritt als Mitglied des Europäischen Parlaments mit Wirkung zum 31. Dezember bekannt gegeben. Medienberichten zufolge liegt sein Rücktritt dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, David Sassoli, vor. Szájer teilte mit, er entschuldige sich bei seiner Familie, seinen Kollegen und Wählern.

Szájer sitzt seit 2004 im EU-Parlament und ist Gründungsmitglied der nationalkonservativen Fidesz-Partei, der auch Ungarns Premierminister Viktor Orbán angehört. Szájer gilt als dessen Vertrauter und europapolitisches Sprachrohr. Die Partei steht für einen zunehmend nationalistischen und autoritären Kurs.

Sie gerät unter anderem wegen der Untergrabung der Rechte sexueller Minderheiten immer wieder in die Kritik. Szájer selbst hatte sich in der Vergangenheit mehrfach negativ über Homosexuelle geäußert. Er ist mit einer Juristin verheiratet, die das ungarische Justizamt leitete.

Die Teilnehmer der Sexparty verstießen gegen mehrere Regeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. In Brüssel herrscht zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens eine Ausgangssperre. Außerdem müssen Bars und Restaurants bis Mitte Januar geschlossen blieben, Treffen von mehr als vier Menschen sind untersagt.

Das anfallende Bußgeld werde er bezahlen, gab Szájer laut der Nachrichtenagentur AFP bekannt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft drohen den Teilnehmern der Party 250 Euro Strafe und den Veranstaltern bis zu 750 Euro. Gegen Szájer ermitteln die Behörden allerdings zusätzlich wegen Drogenbesitzes – »nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität«.

ire/AFP
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