Nach Ankündigung der USA China empört sich über Ermittlungen zu Coronavirus-Ursprung

US-Präsident Joe Biden hat Geheimdienste mit der Suche nach dem Ursprung des Coronavirus beauftragt, den Bericht erwartet er binnen 90 Tagen. Die chinesische Botschaft in den USA reagiert pikiert.
Sicherheitskräfte vor dem Institut für Virologie in Wuhan

Sicherheitskräfte vor dem Institut für Virologie in Wuhan

Foto: Thomas Peter / REUTERS

Es war eine Ankündigung, die es in sich hatte, und die Reaktion folgte prompt. US-Präsident Joe Biden hat amerikanische Geheimdienste beauftragt, dem Ursprung der Coronapandemie auf den Grund zu gehen und ihm binnen 90 Tagen einen Bericht dazu vorzulegen. Innerhalb des Geheimdienstapparats gebe es unterschiedliche Einschätzungen zu der Frage, ob das Virus durch einen menschlichen Kontakt mit einem infizierten Tier aufgekommen sein könnte – oder durch einen Laborunfall.

Die chinesische Botschaft in den Vereinigten Staaten reagierte nun auf diese Aussagen und wies sie als politisch motiviert zurück. Einige politische Kräfte seien »auf politische Manipulation und Anschuldigungen fixiert«, heißt es in einer Erklärung auf der Homepage der Botschaft. Es behindere die Untersuchungen, die Ursprungsfrage zu politisieren.

China unterstütze eine »umfassende Untersuchung aller frühen Fälle von Covid-19 weltweit und eine gründliche Untersuchung zu einigen geheimen Basen und biologischen Laboratorien auf der ganzen Welt«, heißt es weiter in der Erklärung.

Das Coronavirus wurde erstmals Ende 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan nachgewiesen. Seit Langem kursieren unbelegte Mutmaßungen, das Coronavirus könne aus einem Labor in Wuhan stammen und womöglich durch einen Unfall freigesetzt worden seien. Mutmaßungen, das Virus könne aus einem Labor in einem anderen Land stammen – wie es die chinesische Botschaft nahelegt – gibt es hingegen nicht.

DER SPIEGEL

In einer schriftlichen Stellungnahme Bidens hieß es am Mittwoch, die bisherigen Untersuchungen zur Ursprungsfrage hätten unterschiedliche Einschätzungen ohne abschließende Folgerungen geliefert. Er offenbarte auch, dass das Szenario eines möglichen Laborunfalls in China zumindest in Teilen des US-Geheimdienstapparats für möglich gehalten wird.

Die Regierung von Biden hat bislang stets weitere Untersuchungen zum Ursprung des Virus gefordert und tut das auch weiter. Allerdings gab Biden der Laborunfall-These nun Raum und forciert die Suche nach Antworten.

China hat die Vorwürfe stets vehement zurückgewiesen und in den vergangenen Tagen auch einen Bericht des »Wall Street Journal« dementiert, wonach drei Wissenschaftler des Instituts für Virologie in Wuhan laut US-Geheimdienstinformationen schon im November 2019 so schwer erkrankten, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Auch international gibt es große Bemühungen herauszufinden, wie die verheerende Pandemie ihren Anfang genommen hat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kam in einer im März vorgelegten Studie zu dem Schluss, dass das Virus außer in Fledermäusen auch in Schuppentieren seinen Ursprung haben könnte. Die Theorie, dass es aus einem Labor entwichen sein könnte, bezeichneten die beteiligten Wissenschaftler dagegen als »extrem unwahrscheinlich«.

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Die USA zogen die Qualität der Untersuchung jedoch in Zweifel und forderten eine Fortsetzung der Nachforschungen. Sie warfen China ungebührliche Einflussnahme auf die daran beteiligten internationalen Experten vor. Peking habe die Untersuchungen kontrolliert und eingeschränkt, so der Vorwurf. So hätten die Wissenschaftler keinen Zugang zu kompletten Originaldatensätzen und Proben gehabt.

Die internationalen Experten waren erst nach monatelanger Verzögerung durch chinesische Stellen Anfang des Jahres nach Wuhan gereist.

aar/Reuters/dpa
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