Coronapandemie Trump wollte infizierte US-Bürger offenbar nach Guantánamo schicken

»Haben wir keine Insel, die wir besitzen?«: Donald Trump soll laut einem neuen Buch erwogen haben, Reiserückkehrer zur Quarantäne nach Guantánamo zu bringen. Seine Berater reagierten demnach entsetzt.
Donald Trump (l.) mit dem damaligen Gesundheitsminister Alex Azar (r.)

Donald Trump (l.) mit dem damaligen Gesundheitsminister Alex Azar (r.)

Foto: ERIC BARADAT/ AFP

Kaum eine Woche vergeht derzeit ohne neue Enthüllungen über Vorgänge aus den vier Jahren der Ära Donald Trump im Weißen Haus. Nun erscheint ein neues Buch, das sich mit der Reaktion des damaligen Präsidenten auf den Ausbruch der Pandemie beschäftigt. Für die Isolation nach der Ansteckung hatte Trump demnach eine, vorsichtig formuliert, ungewöhnliche Idee.

Er soll laut dem Buch erwogen haben, infizierte Landsleute nach der Rückkehr aus dem Urlaub zur Quarantäne nach Guantánamo zu schicken. Das berichtete die »Washington Post«  am Montag vorab unter Berufung auf das noch unveröffentlichte Buch »Albtraum-Szenario: Die Reaktion der Trump-Regierung auf die Pandemie, die die Geschichte verändert hat«, das zwei Mitarbeiter der Zeitung geschrieben haben. In Guantánamo Bay auf Kuba betreiben die USA einen Militärstützpunkt mit einem berüchtigten Gefangenenlager.

»Haben wir keine Insel, die wir besitzen?«, soll Trump im Februar 2020 im Weißen Haus gefragt haben, bevor sich das Virus dramatisch in den USA ausbreitete. Und dann: »Was ist mit Guantánamo?« Trump-Berater seien fassungslos gewesen, schrieb die »Washington Post«. Letztlich sei die Idee verworfen worden, weil sich die Berater über die öffentliche Reaktion gesorgt hätten, wären Urlaubsrückkehrer auf demselben US-Stützpunkt untergebracht worden wie Terrorverdächtige.

Wütender Trump beklagte sich über Coronatests

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf das Buch weiter, Trump habe sich im März 2020 bei seinem Gesundheitsminister Alex Azar darüber beklagt, dass die Regierung in Washington die Federführung bei den Coronatests übernommen hatte.

»Ich werde die Wahl wegen der Tests verlieren! Welcher Idiot lässt die Regierung Tests ausführen?«, habe Trump gefragt. Azar habe ihn dann darauf hingewiesen, dass sein Schwiegersohn Jared Kushner die Initiative übernommen habe. Trump selbst hatte im Frühjahr 2020 immer wieder versucht, die Verantwortung für die katastrophale Virusreaktion auf die einzelnen Bundesstaaten abzuladen.

Das Buch soll am 29. Juni erscheinen. Die Autoren Yasmeen Abutaleb und Damian Paletta sind Mitarbeiter der »Washington Post«. Laut der Zeitung zeichnet das Buch das Chaos in der Trump-Regierung infolge der Pandemie nach. Eines der größten Probleme dabei sei nach Überzeugung der Autoren gewesen, dass es keine klaren Zuständigkeiten für die Reaktion auf die Pandemie gegeben habe.

jok/dpa
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