Coronapandemie WHO bittet um Impfdosen für ärmere Länder

Die Weltgesundheitsorganisation ruft zu Spenden von insgesamt zehn Millionen Impfdosen auf. Rund 20 Staaten können sonst nicht mit dem Impfen beginnen. Die Covax-Initiative hat Schwierigkeiten mit dem Nachschub.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus kritisiert »Impfnationalismus« (Archivbild)

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus kritisiert »Impfnationalismus« (Archivbild)

Foto: FABRICE COFFRINI / AFP

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat reiche Länder aufgerufen, so schnell wie möglich Impfstoffdosen für ärmere Staaten zu spenden. Innerhalb der nächsten Tage seien zehn Millionen Dosen erforderlich, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag in Genf. Dann könnten auch 20 Länder, die ansonsten bis Anfang April nicht beliefert würden, mit Impfungen starten. »Es gibt jede Menge Länder, die es sich ohne großen Einfluss auf ihre eigenen Impfkampagnen leisten könnten, Impfdosen zu spenden.«

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Das Projekt Covax, das vor allem ärmere Länder mit Impfstoffen versorgen soll, hat große Schwierigkeiten mit dem Nachschub. Ein Problem sind Exportkontrollen in Indien, wo ein erheblicher Anteil produziert wird. Wegen steigender Infektionszahlen will Indien mehr Impfstoff für die eigene Bevölkerung nutzen.

Covax wollte bis Mai eigentlich 237 Millionen Impfdosen an mehr als hundert Länder liefern. Fast die Hälfte davon sollte vom Serum-Institut in Indien kommen, das AstraZeneca-Impfstoff produziert. 90 Millionen Dosen, die zur Auslieferung im März und April vorgesehen waren, verzögern sich wegen der Kontrollen.

WHO-Chef kritisiert »Impfnationalismus«

Tedros zeigte aber Verständnis. Indien brauche den Impfstoff selbst, sagte der WHO-Chef. Man hoffe auf eine Lösung, damit sowohl die dortige Bevölkerung als auch Menschen in anderen Ländern versorgt werden könnten. Tedros kritisierte Länder und Staatengemeinschaften, die Impfstoff direkt bei Herstellern bestellt haben. »Impfnationalismus« habe den Markt verzerrt.

Die WHO zeigte sich zudem besorgt, dass kriminelle Banden die hohe Nachfrage ausnutzen könnten. Gesundheitsministerien mehrerer Länder hätten verdächtige Angebote erhalten, sagte Tedros. Andernorts würden gelieferte Impfdosen abgezweigt und separat verkauft. Dabei sei unklar, ob Kühlketten eingehalten werden. Außerdem würden leere Ampullen mit gefälschten Produkten wieder gefüllt. Tedros mahnte, nur Impfdosen von staatlichen Programmen zu beziehen.

ngo/dpa