Roland Nelles

Coronakrise in den USA Trumps Egotrip

Roland Nelles
Ein Kommentar von Roland Nelles
Der US-Präsident will das Land schnellstmöglich wieder öffnen, um seinen Wahlsieg zu sichern. Dabei wischt er die Meinung der Experten beiseite. Das kann sich bitter rächen.
US-Präsident Donald Trump will die Wirtschaft des Landes wieder ins Rollen bringen, auch die Schulen sollten wieder öffnen, findet er

US-Präsident Donald Trump will die Wirtschaft des Landes wieder ins Rollen bringen, auch die Schulen sollten wieder öffnen, findet er

Foto: Doug Mills/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Donald Trump ist ein Zocker, ein Spieler, ein Mann, der gern volles Risiko geht. Bei einem Erfolg bringt das maximalen Gewinn, bei einer Niederlage folgt die totale Katastrophe.

In der Coronakrise hat Trump sich nun offenkundig wieder einmal entschieden, mit vollem Einsatz zu spielen. Er will Amerikas Wirtschaft ganz schnell wieder ins Rollen bringen, er ermuntert die Bundesstaaten, ihre Lockdown-Politik zurückzufahren, und er wünscht sich, dass Amerikas Schüler nach den Ferien wieder in die Schule gehen. Trump bricht so sogar mit seinem wichtigsten wissenschaftlichen Berater, Anthony Fauci, der eindringlich vor einer zu schnellen Öffnung des Landes und insbesondere der Schulen warnt.

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Obwohl in einigen Landesteilen längst noch keine Entspannung der Lage zu sehen ist, tut Trump so, als sei der Kampf gegen das Virus schon so gut wie gewonnen. Es ist eine Bauch-Entscheidung, das Vabanque-Spiel des Verzweifelten. Trump will im November um jeden Preis wiedergewählt werden. Dafür braucht er ein Ende der Krise. Er hofft darauf, dass er seine Wette gewinnt und die schnelle Öffnung des Landes nicht die gravierenden Auswirkungen auf die Todeszahlen hat, vor denen die Experten ihn warnen.

So wirkt er wie der einsame Spieler, der fast alles verloren hat und später in der Nacht seine letzten Chips beim Roulette auf die Null setzt. Er weiß, dass er die Wahl eigentlich nur sicher gewinnen kann, wenn beides zur gleichen Zeit gelingt, ein Wiederanfahren der Wirtschaft und die Eindämmung des Virus. Geht nur eine Sache schief, muss er zittern. Misslingt beides, ist er so gut wie weg vom Fenster. Er folgt dem Motto: Augen zu und durch.

Da ist auch viel Hybris im Spiel. Wenn Trump nun die Bedenken der Experten wie Anthony Fauci vom Tisch wischt, folgt er auch einer Erfahrung, die er in den vergangenen Jahren einige Male gemacht hat: Experten können irren. Die Polit-Experten haben 2016 seine Niederlage gegen Hillary Clinton vorausgesagt, sie lagen falsch. Oder: Die Außenpolitik-Experten haben nach seiner Attacke auf den iranischen General Qasem Soleimani vor einem Großkonflikt mit Iran gewarnt, aber dazu ist es bislang nicht gekommen.

Dies bestärkt Trump in den Glauben, er könne quasi über Wasser gehen. Er denkt wirklich, dass er am Ende siegen wird. Er will es wieder allen zeigen.

Das kann funktionieren, aber wehe, wenn nicht. Trump spielt mit der Gesundheit von Millionen von Menschen. Alles soll so aussehen, als ginge es ihm allein um das Wohl des Landes. In Wahrheit wird alles nur einem Ziel untergeordnet, seinem persönlichen Triumph. Das ist keine seriöse Politik, sondern die pure Verantwortungslosigkeit.

 

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