Coronakrise Macron verhängt Ausgangssperre für Frankreich

Obwohl die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Frankreich weiter steigt, blieben viele Menschen nicht zu Hause. Staatspräsident Emmanuel Macron verkündete nun eine Ausgangssperre.
Die Champs-Elysee ist menschenleer: Wegen der Coronakrise schränkt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nun die Bewegungsfreiheit ein

Die Champs-Elysee ist menschenleer: Wegen der Coronakrise schränkt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nun die Bewegungsfreiheit ein

Foto: Christophe Ena/ dpa

Wegen der Coronakrise hat Frankreichs Regierung eine Ausgangssperre für alle Bürgerinnen und Bürger verhängt, das verkündete Präsident Emmanuel Macron in einer Fernsehansprache. Die Menschen in Frankreich dürfen ab Dienstagmittag ihre Häuser oder Wohnungen für 15 Tage nur verlassen, um essentielle Dinge einzukaufen, Verstöße würden bestraft, sagte Macron. Alle Unternehmen müssten Vorkehrungen treffen, damit Angestellte von zu Hause aus arbeiten könnten.

Macron kündigte ebenfalls an, sämtliche von ihm geplanten Reformen auszusetzen, allen voran die umstrittene Rentenreform. Die Regierung und das Parlament müssten sich nun auf den Kampf das Coronavirus konzentrieren. Kein Unternehmen solle dem Risiko einer Pleite ausgesetzt werden, sagte er. Er kündigte Steuerstundungen sowie Garantien für Unternehmenskredite in Höhe von 300 Milliarden Euro an.

"Wir sind im Krieg", sagte er. "Wir kämpfen weder gegen Armeen noch gegen eine andere Nation. Aber der Feind ist da, unsichtbar - und er rückt vor." Die Franzosen sollten ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum beschränken, sagte Macron. "Sich mit seinen Freunden zu treffen oder in den Park zu gehen", sei nicht mehr möglich.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Zahl der Infektionen steigt auf 5400

Der französische Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon hatte sich zuvor beklagt, dass viele Menschen in dem Land nicht dem Aufruf folgen würden, zu Hause zu bleiben. So könne der Ausbruch nicht eingedämmt werden, sagte Salomon. Zudem warnte Salomon vor einer Zuspitzung der Lage in Krankenhäusern. "Die Zahl der Fälle verdoppelt sich alle drei Tage", sagte er. Zuletzt wurden mehr als 5400 Infektionen gezählt, 127 Menschen starben an Covid-19. Laut Macron werde in den kommenden Tagen ein Feldlazarett der Armee im Elsass errichtet, das zu den besonders von der Pandemie betroffenen Gebieten Frankreichs gehört.

Der französische Wissenschaftsrat hatte am Montag zu einer Gesamt-Quarantäne wie in Italien geraten. Dort und in Spanien dürfen die Menschen ihre Wohnungen nur noch für Einkäufe in Supermärkten und Apotheken oder bei Nachweis eines dringenden Grundes verlassen. Andere Geschäfte sowie Restaurants, Cafés, Kinos, Diskotheken, Theater und Museen sind in Frankreich bereits geschlossen. Auch Schulen, Hochschulen und Kindertagesstätten blieben zu Wochenbeginn landesweit zu.

Die Hauptstadt Paris hatte bereits die Schließung aller Parks und Gärten ab Dienstag angekündigt. Der Nahverkehr in dem Großraum mit rund zwölf Millionen Menschen soll ebenfalls deutlich eingeschränkt werden.

Noch am Sonntag waren Millionen Französinnen und Franzosen zu Kommunalwahlen aufgerufen. Die Wahl fand trotz des Infektionsrisikos statt, jedoch mit einem Rekordtief bei der Wahlbeteiligung. Die für Sonntag geplante zweite Runde der Wahlen wird nun verschoben.

hba/Reuters/AFP
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