Coronavirus Britische Regierung rät zur Ausreise aus China

Britische Staatsbürger sollen China verlassen, "um ihr Infektionsrisiko zu minimieren". Derweil fordert Bundesgesundheitsminister Spahn eine EU-Debatte über Einreisebeschränkungen.
Flughafen Heathrow in London: Die britischen Gesundheitsbehörden warnen vor dem neuen Coronavirus

Flughafen Heathrow in London: Die britischen Gesundheitsbehörden warnen vor dem neuen Coronavirus

Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS/ AFP

Die britische Regierung empfiehlt ihren Bürgern, China "wenn möglich" zu verlassen, "um ihr Infektionsrisiko zu minimieren". Das sagte Außenminister Dominic Raab angesichts der internationalen Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Man bemühe sich darum, die noch in der zentralchinesischen Provinz Hubei verbliebenen Briten auszufliegen, sofern sie ausreisen wollen. In anderen Regionen bestünden normale Flugverbindungen.

Die Millionenstadt Wuhan in Hubei ist nach derzeitigem Kenntnisstand der Ursprung der Epidemie. China versucht mit drastischen Methoden, eine Ausbreitung zu verhindern. Inzwischen haben sich dennoch mehr als 20.000 Menschen infiziert, es gab 425 Todesopfer. Hinzu kommen zwei Todesfälle in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong und in den Philippinen.

Am Samstag hatte Großbritannien bereits Personal aus seinen diplomatischen Einrichtungen in China aus dem Land gebracht, ebenso wie Angestellte der Botschaft in Peking und der Konsulate in China. Der britische Botschafter und eine Notfallbesetzung sollten aber in Peking bleiben. Briten haben in China daher weiter Zugang zu konsularischer Hilfe.

Spahn und Buzyn für EU-Debatte über Einreisebeschränkungen

Das neue Coronavirus war im Dezember in Hubei erstmals beim Menschen aufgetreten und hatte sich von dort aus in ganz China und in mindestens 24 Länder weltweit verbreitet. Im Vereinigten Königreich gibt es bislang zwei bestätigte Erkrankungen. Gesundheitsminister Matt Hancock rechnet aber mit weiteren Fällen. Fast hundert Menschen leben derzeit für zwei Wochen in Quarantäne in einem Krankenhaus im englischen Wirral.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach sich am Dienstag für ein baldiges Treffen mit seinen EU-Kollegen aus, um das Vorgehen gegen das Coronavirus abzustimmen. Die EU müsse zu einer gemeinsamen Risikoabschätzung kommen, ob auch in der Phase der Symptomfreiheit von Erkrankten eine Ansteckungsgefahr bestehe.

"Davon hängt auch die Frage von möglichen Einreisebeschränkungen ab, oder zumindest intensiveren Befragungen bei der Einreise", sagte Spahn bei einem Besuch in Paris.

Die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn sagte, die EU-Minister müssten sich mit der Frage schärferer Einreisekontrollen befassen. "Wir brauchen eine abgestimmte Haltung im Schengenraum", betonte sie. "Es macht keinen Sinn, wenn ein Land allein solch eine Entscheidung fällt, denn die Bürger können sich ja frei bewegen."

Nach der Verschärfung der Einreisebestimmungen durch die USA sei dies "eine sehr berechtigte Frage, die in den nächsten Tagen auch eine Antwort braucht", sagte Spahn. Er und Buzyn riefen die kroatische EU-Ratspräsidentschaft auf, ein Sondertreffen der Gesundheitsminister zu organisieren. Nach den Worten der französischen Ministerin sollte es möglichst binnen einer Woche stattfinden.

mes/AFP/dpa
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