»Dynamische Null-Covid-Strategie« China verhängt Lockdown für Millionenstadt Xi'an

In der zentralchinesischen Metropole Xi'an hat es Dutzende Coronafälle gegeben. Die Folge ist ein maximal strenger Regelkatalog: Nur ein Familienmitglied darf jeden zweiten Tag einkaufen gehen.
Corona-Teststation in Xi'an

Corona-Teststation in Xi'an

Foto: Li Yibo / AP

China ergreift wenige Wochen vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele drastische Schritte zur Eindämmung des Coronavirus. Die 13-Millionen-Einwohner-Stadt Xi'an in Zentralchina befindet sich im Lockdown, nachdem dort mehrere Dutzend Infektionen registriert worden waren.

Seit Mitternacht dürfen die Bewohner ihre Wohnungen nicht mehr verlassen – bis auf wenige Ausnahmen. Ein Familienmitglied darf jeden zweiten Tag einkaufen gehen. Schulen sowie alle Geschäfte und Dienstleistungen, die für das tägliche Leben nicht zwingend benötigt werden, wurden geschlossen.

Neue Fälle wohl durch Delta verursacht

Am Donnerstag waren in Xi'an 63 Infektionen mit dem Virus gemeldet worden. Der Ausbruch gehe auf »importierte Fälle« zurück, hieß es. Die Infektionen erfolgten offenbar hauptsächlich mit der Delta-Variante des Virus.

Zudem wurden die bereits vorher strengen Reisebeschränkungen drastisch verschärft, um die Verbreitung des Coronavirus im Land zu verhindern. Am 4. Februar beginnen die Winterspiele in der mehr als tausend Kilometer entfernten Hauptstadt Peking.

USA und weitere Staaten boykottieren Spiele diplomatisch

Die USA, Großbritannien und Australien hatten zuletzt angekündigt, die Winterspiele in China diplomatisch zu boykottieren. Washington begründete dies mit einem »andauernden Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit«  in der Provinz Xinjiang. Dort hält Peking Hunderttausende Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren in Straf- und Arbeitslagern fest. China bezeichnete die Ankündigung als Verstoß gegen die »politische Neutralität im Sport«.

Sportler müssen strikte Regeln befolgen

Wegen des Großereignisses wächst bei den Verantwortlichen die Sorge vor weiteren Coronafällen. Es sei höchst wahrscheinlich, dass »eine bestimmte Zahl von Fällen« während der Spiele auftrete, da so viele Teilnehmer aus allen Regionen der Welt und aus China zusammenkämen, sagte die Vizepräsidentin des Organisationskomitees der Spiele, Han Zirong. Die Anforderungen der chinesischen Behörden zur Vorbeugung gegen Covid-19 müssten »energisch umgesetzt« werden, um die Sicherheit der Olympiateilnehmer und der chinesischen Öffentlichkeit zu wahren.

China verfolge eine »dynamische Null-Covid-Strategie«, sagte Han Zirong. Ob neue Maßnahmen vor oder während der Spiele vom 4. bis 20. Februar ergriffen werden müssten, hänge von der Veränderung der Lage weltweit und in China ab – besonders von der Ansteckung durch die Omikron-Variante und deren Schädlichkeit. »Wir schenken den Veränderungen in der Pandemie große Aufmerksamkeit«, sagte die Vizepräsidentin. »Nur indem wir flexibel bleiben, können wir die Risiken und Herausforderungen bewältigen, die uns die Coronapandemie bringt.«

Die Spiele sollen ohnehin unter strikten Auflagen stattfinden. Alle Olympiateilnehmer können sich nur in »geschlossenen Kreisläufen« bewegen, müssen sich täglich testen lassen und werden bei einer Infektion sofort isoliert. Ausländische Zuschauer sind nicht zugelassen. Ob und unter welchen Umständen inländisches Publikum teilnehmen kann, wird nach Darstellung von Han Zirong noch weiter erkundet. Die Pläne würden »zur rechten Zeit« verkündet.

fek/dpa/sid
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