Coronavirus Trump stellt wirtschaftliche Maßnahmen wegen Covid-19 in Aussicht

Die Aktienkurse in den USA sind abgestürzt. Nun erklärt der Präsident, die Wirtschaft des Landes vor den Folgen der Coronakrise schützen zu wollen. Zudem sind zwei weitere Politiker in Quarantäne - sie hatten kürzlich Kontakt zu Trump.
Donald Trump und Mike Pence bei dem Pressetermin im Weißen Haus

Donald Trump und Mike Pence bei dem Pressetermin im Weißen Haus

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JONATHAN ERNST/ REUTERS

US-Präsident Donald Trump hat ein Maßnahmenpaket in Aussicht gestellt, um den wirtschaftlichen Auswirkungen durch das Coronavirus entgegenzusteuern. Bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt in Washington kündigte Trump an, die Regierung wolle mit dem Kongress unter anderem über Lohnsteuererleichterungen sowie über Kredite für Kleinunternehmen reden. Angedacht seien auch Hilfen für Menschen, die nach Stundenlohn bezahlt würden - für die also bei einem Arbeitsausfall wegen einer Erkrankung besondere Härten entstehen.

Am Dienstag solle es dazu Gespräche mit Kongressvertretern geben, sagte Trump. Auch Gespräche mit Fluggesellschaften, Kreuzfahrtveranstaltern und der Hotelindustrie seien geplant. Sie sind von der aktuellen Krise durch das Virus Sars-CoV-2 besonders betroffen.

Konkreter wurde Trump zunächst nicht. Er kündigte für Dienstagnachmittag eine Pressekonferenz an, um nach diesen Gesprächen ausführlich über die weiteren geplanten wirtschaftlichen Schritte zu reden.

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Das sich weiter ausbreitende Coronavirus und ein Crash an den internationalen Ölmärkten hatten den US-Aktienmarkt am Montag einbrechen lassen. Der Dow Jones Industrial büßte 7,8 Prozent ein, das ist der größte Verlust seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Mit 23.851 Punkten fiel er auf den tiefsten Stand seit Anfang des vergangenen Jahres. Angesichts starker Kursverluste wurde der Handel vorübergehend sogar ausgesetzt

US-Finanzminister Steven Mnuchin versicherte, man werde alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um die amerikanische Wirtschaft vor den Folgen des Coronavirus zu bewahren.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Weltweit haben sich inzwischen mehr als 110.000 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer liegt Experten zufolge noch wesentlich höher. In den USA war die Zahl der Infektionen in den vergangenen Tagen sprunghaft gestiegen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte am Montag zunächst von 423 Infektionen und 19 Todesfällen durch das Virus gesprochen. CDC-Chef Robert Redfield sagte am Montagabend bei dem Auftritt mit Trump, die Zahl liege inzwischen bei mehr als 500 Infektionsfällen.

Nach Zählungen der "New York Times" gab es am Montagabend sogar bereits mehr als 660 Infektionen in den Vereinigten Staaten. Zudem seien mehr als 25 Menschen an den Folgen der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Die Entwicklung setzt Trumps Regierung zunehmend unter Handlungsdruck. Der Präsident hatte sich in den vergangenen Tagen darum bemüht, die Bevölkerung zu beruhigen, und argumentiert, die Lage werde teils überzogen dargestellt.

Auch US-Vizepräsident Mike Pence, der die Bemühungen der Regierung rund um das Virus koordiniert, versicherte am Montag, das Risiko für die generelle Bevölkerung, sich anzustecken, bleibe gering. Vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen seien gefährdet. Er räumte zugleich ein, das Land müsse sich auf weitere Infektionen einstellen.

Abgeordnete aus Trumps Umfeld unter Quarantäne

Zuletzt hatten mehrere hochrangige republikanische Politiker angekündigt, sich als Vorsichtsmaßnahme freiwillig in Quarantäne zu begeben, nachdem sie Ende Februar bei einer Konferenz in Washington mit einem späteren Covid-19-Patienten in Kontakt gekommen waren. Zwei dieser Republikaner wiederum waren in den vergangenen Tagen auch mit Trump selbst in Kontakt: Doug Collins und Matt Gaetz.

Collins hatte Trump am vergangenen Freitag am Sitz der Gesundheitsbehörde CDC in Atlanta im Bundesstaat Georgia getroffen und die Hand des Präsidenten geschüttelt. Gaetz reiste am Montag mit Trump in der Präsidentenmaschine Air Force One.

Der Präsident hatte die Konferenz in Washington auch selbst besucht. In den vergangenen Tagen betonte Trump jedoch mehrfach ausdrücklich, er sei wegen der Entwicklung nicht persönlich beunruhigt. Auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Stephanie Grisham, versicherte am Montag, in der Regierungszentrale laufe alles wie üblich.

Trump ignorierte bei seinem Auftritt Nachfragen dazu, ob er sich bereits auf das Virus habe testen lassen, und verließ die Pressekonferenz vorzeitig. Pence sagte, das Weiße Haus werde die Antwort dazu nachreichen. Er selbst habe noch keinen Test gemacht. Wenige Stunden später erklärte das Weiße Haus, Trump sei noch nicht getestet worden.

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Wie in vielen anderen Ländern auch wurden in den USA bereits diverse Großveranstaltungen wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt. Unklar ist, wie sich die Krise auf den laufenden Vorwahlkampf in Amerika auswirken wird - und ob in den kommenden Wochen womöglich Wahlkampfveranstaltungen abgesagt werden könnten. Am Dienstag steht die nächste Vorwahlrunde mit Abstimmungen in sechs US-Staaten an.


aar/dpa/AFP
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