Entdecker des Coronavirus gestorben Ein ganz normaler Held

Der Arzt Li Wenliang war der Erste, der in China vor dem Coronavirus warnte. Nun ist er selbst daran gestorben. Sein Tod konterkariert die Propaganda der chinesischen Regierung.
Li Wenliang im Krankenhaus: "Hilfe!"

Li Wenliang im Krankenhaus: "Hilfe!"

Foto: LI WENLIANG/ GAN EN FUND/ REUTERS

Auf der Zeichnung, die im Netz kursiert, trägt Li Wenliang noch seinen Arztkittel. Seine Brille sitzt ein wenig schief, über seinem Mund spannt sich Stacheldraht. Mit diesem Bild gedenken Tausende Menschen dem Arzt Li Wenliang, der in der Nacht zum Freitag an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben ist. "Ein wahrer Held - möge er in Frieden Ruhen", schreiben viele Menschen in sozialen Netzwerken. Und: "Wir werden dich nie vergessen".

Foto: Kuang Biao

Li war der Erste, der vor dem neuartigen Coronavirus gewarnt hat. Kurz darauf erkrankte er selbst. Nun ist der Arzt einer von 600 Menschen, die bislang am Coronavirus gestorben sind. Allein am Freitag berichteten die chinesischen Behörden von 69 weiteren Opfern.

Durch seinem Tod ist der 34-Jährige über Nacht zum tragischen Symbol geworden für die fehlende Transparenz und rigide Informationspolitik der chinesischen Behörden. In den sozialen Netzwerken herrscht Trauer - und Wut. Der Hashtag: "Wir wollen Redefreiheit" verbreitete sich zunächst, dann wurde er zensiert. Auf der Plattform Weibo forderten Nutzer, dass sich die Behörden von Wuhan für ihren Umgang mit Li entschuldigen sollten.

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Leichensäcke neben Patienten

Der Tod des jungen Arztes wirft zudem ein Schlaglicht auf die Arbeit der Mediziner in der Volksrepublik, die seit Wochen gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus kämpfen. Da die Ansteckung von Mensch zu Mensch zunächst nicht bekannt war, haben sich in den ersten Wochen auch viele chinesische Ärzte und Pfleger infiziert.

Auch wenn die Regierung in Peking inzwischen entschlossen versucht, das Virus in den Griff zu bekommen, wird deutlich: Die Krankenhäuser und das medizinische Personal sind vor allem in Wuhan völlig überlastet. Ein Video, das im Internet kursierte, zeigt Leichensäcke, die in einem Krankenhaus der Millionenstadt auf dem Boden direkt neben Kranken liegen, und selbst auf Sitzen im Wartesaal.

DER SPIEGEL

Auf der chinesischen Plattform Weibo kursieren Bilder von Ärzten und Krankenpflegern, die gerade ihre Masken abgenommen haben - ihre Gesichter sind von den Abdrücken tief zerfurcht. "Alltägliche Helden" ist der Hashtag dazu - auch Li wird in den Netzwerken als "ganz normaler Held" gefeiert.

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Den Aufnahmen stehen die Propagandabilder entgegen, die suggerieren sollen, dass das System funktioniert. So verbreiteten sich Videos von Baustellen in Wuhan, wo zwei neue Krankenhäuser in nur zwei Wochen hochgezogen worden sein sollen. Schon die Bilder von den bunten Baggern, die anfangs den Platz ebneten, gingen um die Welt. Über 4000 Arbeiter schufteten rund um die Uhr. Fehlen sonst Schutzanzüge, Mundschutz und Gummihandschuhe - hier scheint alles ausreichend vorhanden zu sein. Und das, obwohl am 23. Januar noch ein Kinderkrankenhaus in Wuhan auf Weibo Alarm schlug: "Es gibt zu wenige medizinische Bedarfsartikel, Hilfe!"

Der Ärger darüber verbreitet sich inzwischen rasend schnell über soziale Netzwerke. Wie etwa die Aufnahmen eines Fahrzeugs, das neben einem Lager des Roten Kreuzes in China geparkt war. In das Fahrzeug, auf dem "Wagen für Regierungsvertreter" stand, wurden Boxen mit Mundschutz-Masken geladen. "Wir haben nicht für die Regierungsvertreter gespendet, sondern für diejenigen, die ganz vorne gegen das Virus kämpfen", schrieb laut CNN  ein Weibo-Nutzer dazu.

Drei Vertreter des Roten Kreuzes in Hubei sind bestraft worden, die Spenden für die Betroffenen des Coronavirus zweckentfremdet zu haben. Die Organisation hat sich inzwischen entschuldigt . Medienberichten zufolge soll in den vergangenen Tagen als Reaktion auf die schlechte Versorgungslage massenhaft gespendet worden sein - doch das führt zu neuen Problemen: Krankenhäuser sollen beklagen, dass sie nicht genug Personal haben, um die neuen Lieferungen zu sortieren und einzuräumen.

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