Kampf gegen Corona EU bestellt bis zu 300 Millionen weitere Impfdosen von Moderna

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat einen Aktionsplan gegen die Corona-Mutanten angekündigt. Außerdem wurde ein Vertrag über bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen des US-Herstellers Moderna ausgehandelt.
Ursula von der Leyen: »Neue Varianten des Virus entwickeln sich schnell, aber wir müssen in unserer Reaktion noch schneller sein«

Ursula von der Leyen: »Neue Varianten des Virus entwickeln sich schnell, aber wir müssen in unserer Reaktion noch schneller sein«

Foto: STEPHANIE LECOCQ / AFP

Die EU hat sich 300 Millionen weitere Dosen Corona-Impfstoff des Herstellers Moderna gesichert. Man habe einen entsprechenden zweiten Liefervertrag mit dem US-Konzern genehmigt, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Nach Angaben des Unternehmens sollen zunächst 150 Millionen dieser Dosen im dritten und vierten Quartal 2021 geliefert werden. Zudem besteht eine Option auf weitere 150 Millionen Dosen für 2022.

Im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission zunächst 160 Millionen Impfdosen bei Moderna geordert. Die jetzt nachbestellte Menge kommt hinzu. Der Vertrag wurde am Mittwoch vom Kollegium der Kommissare gebilligt. Nun haben die EU-Staaten einige Tage Zeit, mögliche Einwände zu erheben.

Der Moderna-Impfstoff ist einer von dreien, die bereits in der EU zugelassen sind. Die europäische Arzneimittelbehörde Ema gab ihn am 6. Januar frei, seither wird er auch in Deutschland verwendet. Es handelt sich wie bei der Vakzine von Biontech/Pfizer um einen mRNA-Impfstoff. Beide haben eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent gegen Covid-19 und sollen ersten Erkenntnissen zufolge relativ schnell an Virusmutationen anpassbar sein.

In mRNA-Impfstoffen sind genetische Informationen des Erregers enthalten, aus denen der menschliche Körper ein Viruseiweiß herstellt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.

Im Vergleich zum Impfstoff von Biontech/Pfizer gilt das Moderna-Mittel als etwas leichter handhabbar, da es nicht so stark gekühlt werden muss. Der Hersteller sitzt in Cambridge im Bundesstaat Massachusetts, produziert aber auch in der EU.

Seit dem Start der Impfkampagne in der EU am 27. Dezember gibt es unter anderem in Deutschland Kritik, dass zu wenig Impfstoff vorhanden sei. Mit der Nachbestellung wächst die Chance, dass sich die Lage schrittweise entspannt.

Auch Moderna hatte allerdings zeitweilig Lieferengpässe angezeigt. Die für das erste Quartal avisierten zehn Millionen Dosen sollen dennoch bis Ende März ausgeliefert werden. Das Moderna-Mittel muss in zwei Dosen mit Abstand von vier Wochen verabreicht werden, um wirksam zu sein.

Bislang sind in der EU laut von der Leyen bislang 22 Millionen Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden. Davon hätten sieben Millionen Menschen bereits ihre zweite Impfstoffdosis bekommen, sagte die Kommissionschefin. Insgesamt seien rund 33 Millionen Dosen an die EU-Staaten ausgeliefert worden.

Jedoch müsse und werde das Impfen in den kommenden Wochen und Monaten noch beschleunigt werden, sagte von der Leyen. Die Lieferungen der drei bislang in der EU zugelassenen Impfstoffe würden zunehmen und weitere Impfstoffe zur Verfügung stehen. Zugleich gebe es immer mehr Corona-Infektionen mit neuen Virusvarianten – in Deutschland liegt ihr Anteil schon bei über 20 Prozent. Die bislang in der EU zugelassenen Impfstoffe schienen dagegen jedoch wirksam zu sein.

Aktionsplan »Hera Incubator« soll Mutanten entgegenwirken

Die Mutanten haben die EU-Kommission veranlasst, einen neuen Aktionsplan zu entwerfen. Ziel ist, rasch angepasste Impfstoffe gegen die mutierten Viren in großen Mengen zur Verfügung zu haben. »Neue Varianten des Virus entwickeln sich schnell, aber wir müssen in unserer Reaktion noch schneller sein«, sagte von der Leyen. Der Plan namens »Hera Incubator« setzt an drei Stellen an:

  • Entdeckung der mutierten Viren

  • schnelle Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen

  • Ausbau der Impfstoffproduktion in der EU

Um die mutierten Coronaviren gezielter aufzuspüren, schlägt die Kommission die Entwicklung spezialisierter Tests und die verstärkte Nutzung der sogenannten Genomsequenzierung vor. Dafür will die 75 Millionen Euro bereitstellen, zur Erforschung der Virusvarianten noch einmal 150 Millionen Euro. Ein Netzwerk namens »Vaccelerate« aus 16 EU-Staaten und fünf weiteren Ländern soll klinische Tests beschleunigen, auch bei Kindern und Jugendlichen.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Die Kommission bringt darüber hinaus eine gemeinsame Notfallzulassung auf EU-Ebene ins Gespräch, bei der die EU-Staaten das Haftungsrisiko gemeinsam tragen würden. Bisher gibt es Notfallzulassungen in der EU nur auf Ebene der Mitgliedstaaten und auf eigenes Risiko. Die USA und Großbritannien hatten nach Notfallzulassungen ihre Impfkampagnen mehrere Wochen früher gestartet als die EU.

Dritter Schwerpunkt des Aktionsplans ist der rasche Ausbau der Impfstoffproduktion in der EU. Künftige Lieferverträge sollen einen detaillierten Lieferfahrplan enthalten sowie den Nachweis an verlässlichen Produktionskapazitäten. Die Kommission will helfen, mögliche Lieferengpässe unter anderem bei Rohstoffen zu entdecken und zu beheben. Zur Debatte stellt die Kommission einen »freiwilligen Lizensierungsmechanismus« zum Technologietransfer.

Kommissionschefin stellt Russlands Impfpolitik infrage

Von der Leyen zeigte sich außerdem verwundert über die russische Impfpolitik mit Lieferangeboten an andere Länder. Man frage sich, warum Moskau anderen Staaten theoretisch Millionen Dosen seines Impfstoffs Sputnik V anbiete, aber beim Impfen der eigenen Bevölkerung noch nicht ausreichend vorankomme, sagte von der Leyen die Kommissionspräsidentin. Dies sei eine Frage, die beantwortet werden solle.

Zugleich stellte die deutsche Politikerin klar, dass bei der Europäischen Arzneimittelbehörde bislang kein Antrag des Sputnik-V-Herstellers auf bedingte Marktzulassung in der EU eingegangen sei. Der Hersteller, das staatliche Gamaleja-Forschungszentrum, hatte sich in der Vergangenheit gegenteilig geäußert.

Falls das Gamaleja-Forschungszentrum doch noch die Zulassung in der EU beantrage, müsse er wie jeder andere Hersteller das »ganze Datenset« vorlegen und den gesamten Prozess durchlaufen, sagte von der Leyen. Zudem müsse es eine Inspektion der Produktionsstätten geben. Man habe gelernt, dass es einen stabilen und qualitativ hochwertigen Produktionsprozess brauche.

als/mes/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.