Epidemie Coronavirus fordert bislang mehr als 1600 Todesopfer in China

Mehr als doppelt so viele Tote wie die Infektionskrankheit Sars hat das Coronavirus mittlerweile gefordert. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt zwar. Doch WHO-Chef Tedros sagt, es brauche deutlich mehr Geld für die Bekämpfung.
Ein Arzt bei einem Corona-Patienten in Wuhan

Ein Arzt bei einem Corona-Patienten in Wuhan

Foto: Uncredited/ dpa

Die Zahl der Todesopfer durch das neuartige Coronavirus in China ist seit dem Ausbruch im Dezember auf mindestens 1665 gestiegen. Damit sind schon jetzt mehr als doppelt so viele Menschen an dem Virus gestorben wie 2002 und 2003 an Sars. Dieser Erreger hatte von China ausgehend eine weltweite Epidemie mit rund 8000 Infizierten und knapp 800 Toten ausgelöst.

Wie die nationale Gesundheitskommission Chinas am Sonntag mitteilte, sind landesweit 142 Menschen neu an den Folgen von Covid-19 gestorben. China meldete zudem 2009 neue Fälle der Virusinfektion, gegenüber 2641 am Vortag. Nach Behördenangaben gingen die Neuinfektionen damit den dritten Tag in Folge zurück.

Bis auf vier Ausnahmen waren alle neuen Todesfälle in der besonders betroffenen Provinz Hubei zu verzeichnen, wo das Virus im Dezember erstmals aufgetreten war. Insgesamt haben sich bislang in China rund 68.500 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

"Gefährlich kurzsichtig"

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Kritik am Umgang der internationalen Gemeinschaft mit dem neuen Coronavirus geäußert. Die Welt sei immer noch schlecht vorbereitet auf solche Epidemien, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Es würden "Milliarden" zur Terrorbekämpfung ausgegeben, aber es werde zu wenig investiert, um auf die Gefahr durch einen Virus-Ausbruch vorbereitet zu sein. "Das ist gefährlich kurzsichtig", sagte Tedros.

Er kritisierte, dass die Finanzierung von Gegenmaßnahmen durch die internationale Gemeinschaft nur "schleppend" anlaufe. Er rief dazu auf, die Vorbereitungen auf die Epidemie international zu verstärken. "China hat der Welt Zeit gekauft. Wir wissen nicht, wie viel Zeit", sagte Tedros. Er lobte Chinas entschlossenen Kampf gegen die Epidemie.

Am Samstag war der erste Todesfall in Europa durch das Virus gemeldet worden. Nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums erlag ein 80-jähriger Tourist aus China in einem Pariser Krankenhaus der durch den Erreger ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Über zwei Dutzend Länder meldeten inzwischen weitere Fälle, darunter zuletzt Ägypten. Damit erreichte das Virus inzwischen auch Afrika.

Weltweit sind bisher außerhalb des chinesischen Festlands knapp 700 Infektionen und vier Todesfälle bekannt. In Deutschland wurden bisher 16 Infektionen registriert. Drei Patienten verließen mittlerweile die Kliniken als geheilt. In Bayern werden noch 13 Infizierte behandelt, die in Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto stehen. Dort hatte eine chinesische Mitarbeiterin das Virus eingeschleppt.

Chinas Präsident demonstriert Tatkraft

Bei Sars vor fast zwanzig Jahren hatte China den Ausbruch mehrere Monate lang vertuscht. Offenbar um sich gegen ähnliche Kritik zu wehren , machte die chinesische Regierung nun eine bislang unveröffentlichte Rede von Chinas Präsident Xi Jinping bekannt. Sie soll belegen, dass er offensichtlich schon früher als bislang bekannt an der Bekämpfung des Ausbruchs beteiligt war. Zudem betonte ein Sprecher der nationalen Gesundheitsbehörde, die Maßnahmen, die China ergriffen habe, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, fingen an zu wirken.

In der auf Anfang Februar datierten Rede, die Staatsmedien am Samstag verbreiteten, sprach der Präsident demnach davon, dass er bereits am 7. Januar erste Anweisungen gegeben hatte, das Virus zu bekämpfen. An diesem Tag war es chinesischen Forschern gelungen, den zuvor unbekannten Erreger zu isolieren.

"Ich habe während einer Sitzung des Ständigen Ausschusses des Politbüros am 7. Januar gefordert, den Ausbruch einzudämmen", wurde der Präsident zitiert. Auch verdeutlichte die Rede, dass Xi Jinping persönlich die strengen Reisekontrollen in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei angestoßen hatte, wo zahlreiche Städte seit Wochen abgeriegelt sind.

Mit der Veröffentlichung will die Staatspropaganda offenbar demonstrieren, dass die Zentralregierung und der Parteichef bereits von Anfang an im Kampf gegen das Coronavirus engagiert waren. Allerdings ist damit auch klar, dass die stark unter Kritik geratene Lokalregierung nicht allein die Entscheidungen traf. In den vergangenen Tagen mussten in Hubei und der Provinzhauptstadt Wuhan, wo das Virus ursprünglich ausgebrochen war, eine ganze Reihe hochrangiger Politiker abtreten.

Zuletzt gab es immer mehr Kritik an der Untätigkeit oder langsamen Reaktion der Behörden. Für landesweite Bestürzung und Anteilnahme sorgte vergangene Woche der Tod des Arztes Li Wenliang, der frühzeitig vor dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus gewarnt hatte, aber laut Berichten gezwungen wurde, diese "Gerüchte" nicht weiterzuverbreiten. Der 34-Jährige starb, weil er sich mit dem Virus angesteckt hatte.

Die chinesische Provinz und ihre Hauptstadt Wuhan sind seit dem 23. Januar praktisch abgeriegelt, Schulen, Büros und Fabriken wurden geschlossen und die meisten Reisen ausgesetzt. Am Donnerstag hatte Hubei mit einem drastischen Anstieg der neuen Todesfälle und neu nachgewiesenen Infektionen überrascht, da die Zählweise der Diagnosen geändert wurde. Dort ist der private Autoverkehr nun verboten worden.

70 Neuinfizierte auf Kreuzfahrtschiff

Auf dem in Japan unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff haben sich mittlerweile 355 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 70 mehr als am Tag zuvor. Die deutsche Botschaft in Tokio teilte am Samstagabend mit, unter den infizierten Passagieren des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" seien zwei Bundesbürger. Die Botschaft steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit ihnen, äußerte sich aber zu ihrem Zustand nicht. Insgesamt hatte das Schiff nach Erkenntnissen der Botschaft zehn Deutsche an Bord.

Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" in Quarantäne

Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" in Quarantäne

Foto: FRANCK ROBICHON/EPA-EFE/REX

Die Infizierten werden in örtlichen Krankenhäusern behandelt. Nach Angaben des japanischen Außenministeriums sollen bis Montag alle Passagiere getestet sein, sodass die Resultate bis Mittwoch vorliegen. Bis dahin steht das Schiff unter Quarantäne.

Unter den in Kambodscha an Land gegangenen Passagieren des Kreuzfahrtschiffs "Westerdam" wurde unterdessen nun doch ein Coronavirus-Fall festgestellt. Eine 83-jährige Amerikanerin sei bei ihrer Weiterreise über Malaysia positiv getestet und ins Krankenhaus in Kuala Lumpur gebracht worden, teilte die malaysische Gesundheitsbehörde am Sonntag mit.

Die Amerikanerin sei eine von 145 Passagieren gewesen, die über Malaysia nach Hause fliegen wollten, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Bei der Ankunft seien bei der Frau und bei ihrem Ehemann Symptome des neuen Virus festgestellt worden, weshalb sie ins Krankenhaus eingewiesen wurden. Die 83-Jährige werde jetzt auf der Isolierstation behandelt. Der 85-jährige Ehemann, bei dem die Tests negativ ausgefallen waren, werde im Krankenhaus überwacht.

kig/dpa/Reuters/AFP
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