Vorwurf aus Frankreich USA sollen Schutzmasken in China weggekauft haben

Wegen der Pandemie hat Frankreich eine Milliarde Schutzmasken in China bestellt. Regionalpolitiker werfen den USA vor, einen Teil der Lieferung gekauft zu haben – für einen höheren Preis.
Ein Patient in einem Pariser Testzentrum bekommt eine Maske gereicht: Frankreich hat eine Milliarde Masken in China bestellt

Ein Patient in einem Pariser Testzentrum bekommt eine Maske gereicht: Frankreich hat eine Milliarde Masken in China bestellt

Foto: BENOIT TESSIER/ REUTERS

Das neuartige Coronavirus treibt die Nachfrage nach Schutzmasken weltweit in die Höhe. In vielen Ländern sind die Masken knapp - Kaufinteressenten streiten sich um Kontingente. Nun erheben französische Regionalpolitiker Vorwürfe gegen die USA. Sie sollen für Frankreich bestimmte Masken in China weggekauft haben.

Renaud Muselier, Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, sagte dem Fernsehsender BFMTV, dass für Frankreich bestimmte Maskenlieferungen von einem anderen Land auf dem Rollfeld chinesischer Flughäfen aufgekauft worden seien. Auf Nachfrage bestätigte Muselier, dass es sich dabei um die USA gehandelt habe. Seinen Angaben zufolge wurde der dreifache Preis für die Sendung bezahlt, die Masken seien nun weg.

"Wir haben uns von Amerikanern, die uns überboten haben, eine Lieferung wegnehmen lassen", sagte die Präsidentin der französischen Hauptstadtregion Ile-de-France, Valérie Pécresse, am Donnerstag im Fernsehsender LCI.

Der Präsident der Region Grand Est, Jean Rottner, wurde am Mittwoch vom Sender RTL zitiert, die Amerikaner kauften von Frankreich bestellte Masken "auf dem Rollfeld" in China auf. "Sie zücken Bargeld und zahlen drei oder vier Mal so viel wie unseren Bestellpreis", sagte Rottner demnach. Einen Tag später dementierte er seine Aussagen jedoch und fügte auf Twitter Fotos von angekommener Ladung hinzu.

Frankreich hat wegen der Corona-Krise eine Milliarde Schutzmasken in China bestellt. Präsident Emmanuel Macron will das Land durch das Ankurbeln der heimischen Produktion bis Jahresende aber unabhängig von der Volksrepublik machen.

Die Region Grand Est umfasst neben dem Elsass auch Lothringen und Champagne-Ardenne. Das deutsche Robert-Koch-Institut hatte diese Region bereits vor mehreren Wochen als Corona-Risikogebiet eingestuft. Mittlerweile wird ganz Frankreich vom RKI als solches gelistet.

Die USA wiesen die Vorwürfe aus Frankreich zurück. "Die US-Regierung hat keine einzige Maske gekauft, die von China an Frankreich geliefert werden sollte", sagte ein US-Regierungsvertreter am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Anderslautende Angaben seien "komplett falsch".

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

In der Region Grand Est kamen bislang laut offiziellen Angaben 1585 Menschen durch die Lungenkrankheit Covid-19 ums Leben. Erstmals eingerechnet wurden nun auch 570 Tote in Altenheimen. In ganz Frankreich starben dem Gesundheitsministerium zufolge mehr als 4000 Menschen. Diese Zahl umfasst bisher aber nur Tote in Krankenhäusern.

Die Coronakrise hat sich in den vergangenen Wochen in Frankreich dramatisch verschärft. Bis mindestens 15. April gilt im ganzen Land eine Ausgangssperre. Wegen der Pandemie haben Unternehmen zudem für fast vier Millionen Beschäftigte Anträge auf staatlich unterstützten Sonderurlaub gestellt. Das gab das Arbeitsministerium bekannt. Die Regierung in Paris erstattet Firmen 80 Prozent der Nettogehälter, wenn Beschäftigte wegen der Coronakrise zu Hause bleiben sollen oder Kurzarbeit leisten.

asc/als/dpa/AFP