In der Corona-Zone Italien zwischen Hysterie und Krisen-Routine

Abgeriegelte Gebiete, Behörden im Ausnahmezustand und Menschen, die langsam ihre Panik überwinden und sich an ein Leben mit dem Virus gewöhnen. Unterwegs in einem Land, das von der Seuche überrumpelt wurde.
Aus Rom und Mailand berichten Frank Hornig und Juan Moreno
Polizeiabsperrung in der Lombardei nahe Casalpusterlengo

Polizeiabsperrung in der Lombardei nahe Casalpusterlengo

Foto: Sergio Ramazzotti/Parallelozero

Es ist eine seltsame Szene, die sich an dem etwas verlorenen Kreisverkehr abspielt. Natürlich wissen die meisten Autofahrer, dass ihre Fahrt hier enden wird. Die italienische Polizei hat schon seit Tagen die Zufahrtsstraße zu der kleinen Gemeinde Casalpusterlengo abgeriegelt, etwa eine Autostunde südöstlich von Mailand. Carabinieri erklären den Autofahrern, dass aufgrund des Coronavirus niemand in die "zona rossa" fahren darf. Die rote Zone ist abgesperrtes Quarantänegebiet, das zehn Gemeinden umfasst. 50.000 Menschen leben dort. Rund die Hälfte der mehr als 350 in Italien mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten wurde von hier gemeldet.

"Ich muss trotzdem rein", sagt eine junge Frau. Sie steht vor dem Polizisten und wirkt entschlossen.

"Sie verstehen nicht", antwortet der Carabiniere, der einen weißen Mundschutz trägt. "Wenn Sie hier reinkommen, könnten Sie sich infizieren."

"Ich muss da rein", wiederholt die junge Frau ruhig. Sie hat einen Koffer dabei und ein paar Tüten. "Ich muss mich drin um jemanden kümmern."

Es stellt sich heraus, dass die Frau einen älteren Angehörigen in einer der Gemeinden hat und ihre Familie gestern beim Abendessen beschloss, dass sie, die junge, gesunde Frau, hineingeschickt wird, um den Angehörigen zu versorgen. Die Frau weiß, dass man sie eventuell reinlässt, aber nicht wieder heraus. Sie weiß auch, dass die Sterblichkeitsrate auf rund drei Prozent geschätzt wird.

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