Spanische Ärztin über Notstand in Kliniken "Jeden Tag, wenn ich nach Hause komme, weine ich"

In Spanien steigt die Zahl der Corona-Toten schneller als in Italien. Die Ärztin Inés Lipperheide kämpft auf einer überfüllten Intensivstation um ihre Patienten. Sie berichtet von Zuständen "wie in einem Horrorfilm".
Aufgezeichnet von Steffen Lüdke, Saragossa
"Wir experimentieren sogar mit Taucherbrillen": Medizinisches Personal in Madrid

"Wir experimentieren sogar mit Taucherbrillen": Medizinisches Personal in Madrid

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privat

Madrid ist in diesen Tagen das Epizentrum der Corona-Pandemie in Europa. Mehr als 14.000 Infizierte und 1800 Tote haben die Behörden allein in der Hauptstadt registriert. Keine andere spanische Region wurde von dem Ausbruch so heftig getroffen.

Szenen wie in einem Katastrophenfilm: Betten in der Messehalle in Madrid

Szenen wie in einem Katastrophenfilm: Betten in der Messehalle in Madrid

Foto: Eduardo Parra/ dpa

Mitte März hat die spanische Regierung eine strikte Ausgangssperre erlassen, noch immer aber nimmt die Zahl der Toten und Infizierten dramatisch zu. Zuletzt sind landesweit innerhalb eines Tages mehr als 700 Menschen gestorben. Nicht mal in der Lombardei oder in China stieg die Zahl der Toten so schnell an. Insgesamt gibt es in Spanien nun mehr Corona-Tote als in China.

Leichen werden in einer Eislaufarena gelagert

Die Szenen in der Hauptstadt sind dystopisch: Das Militär birgt laut der Verteidigungsministerin Tote aus Altenheimen. Eine Messehalle wurde zum Krankenhaus mit Tausenden Betten umfunktioniert. Leichen werden nun in einer Eislaufarena gelagert. Die Krematorien sind überlastet, weil nicht genügend Schutzmaterial für Bestatter zur Verfügung steht.

Die Krankenhäuser in Madrid sind längst überfüllt. Die rechtskonservative Vorgängerregierung hat das Gesundheitssystem über Jahre hinweg zusammengespart. Die Verzweiflung unter den Krankenschwestern und Ärzten wächst, Tausende haben sich bereits infiziert.

Hier erzählt die Ärztin Inés Lipperheide von den Bedingungen in ihrem Krankenhaus im Westen Madrids, von ihrem Kampf gegen das Virus - und wie sie mit der Situation fertigwird.

"Ich arbeite als Ärztin auf einer Intensivstation, die normalerweise 22 Betten hat. Jetzt tun wir alles, um sie zu vergrößern. Wir schaffen nach Kräften Betten und Beatmungsgeräte aus anderen Stationen heran, richten neue Räume mitsamt Sauerstoffaufnahme ein. 45 Betten sind nun von Covid-Patienten belegt, 15 weitere Betten halten wir für andere Patienten bereit. Anästhesisten und Kardiologen müssen uns unterstützen.

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