Corona-Epidemie Italien riegelt Region mit 16 Millionen Menschen ab

Es sind Städte betroffen wie Mailand, Venedig, Parma: Gegen die Ausbreitung des Coronavirus weitet die italienische Regierung die Sperrgebiete im Norden massiv aus. Im ganzen Land wird das öffentliche Leben eingeschränkt.
Gesperrter Bahnhof in Mailand: Ein Viertel der italienischen Bevölkerung steht unter Quarantäne

Gesperrter Bahnhof in Mailand: Ein Viertel der italienischen Bevölkerung steht unter Quarantäne

Foto: ALEX FRASER/ REUTERS

Im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie schränkt die italienische Regierung die Bewegungsfreiheit von rund 16 Millionen Bürgern ein. Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte, die Lombardei und 14 andere Gebiete würden weitgehend abgeriegelt. Damit gilt etwa für die Wirtschaftsmetropole Mailand und das Touristenziel Venedig ein grundsätzliches Ein- und Ausreiseverbot. Ausnahmen sind nur aus nachgewiesenen dringenden beruflichen Gründen und in Notfällen aus gesundheitlichen Gründen möglich.

Das Dekret, das Conte in der Nacht zum Sonntag unterzeichnete, sieht außerdem ein Verbot aller kulturellen, sportlichen und religiösen Veranstaltungen vor. Museen, Kinos, Theater, Diskotheken, Tanzschulen und ähnliche Einrichtungen müssen vorerst ebenso schließen wie Wintersport-Destinationen. Bars und Restaurants dürfen nur dann weiter betrieben werden, wenn ein Mindestabstand zwischen den einzelnen Gästen und Mitarbeitern von einem Meter eingehalten wird. Diese Regelung betrifft auch Kirchen und andere religiöse Orte: Taufen oder Hochzeiten müssen verschoben werden.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Nach landesweiten Schulschließungen und anderen bereits beschlossenen Maßnahmen dürften die Ankündigungen der Regierung den Alltag der rund 60 Millionen Italiener weiter verändern. "Wir stehen vor einer nationalen Notlage", sagte Conte. "Wir haben zwei Ziele: Die Ausweitung der Ansteckung einzudämmen und eine Überlastung der Krankenhauseinrichtungen zu vermeiden."

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Die neuen Sperrgebiete sollen zunächst bis zum 3. April gelten. Man dürfe diese Zonen nur aus "ernsten und unvermeidlichen" Anlässen betreten oder verlassen, etwa zum Zwecke der Arbeit oder aus familiären Gründen, hieß es. Von den Sperrmaßnahmen betroffen sind die Region Lombardei und 14 weitere Provinzen, unter anderem in der Emilia-Romagna und Venetien im Norden, aber auch in den Marken in Mittelitalien.

Conte zählte folgende Gebiete auf: Modena, Parma, Piacenza, Reggio Emilia, Rimini, Pesaro und Urbino, Alessandria, Asti, Novara, Verbano Cusio Ossola, Vercelli, Padua, Treviso und Venedig. Damit treffen die Ein- und Ausreiseverbote bis zu 16 Millionen Menschen. Allein in der Lombardei leben zehn Millionen Bürger, davon knapp 1,4 Millionen in Mailand. Die Region ist das wirtschaftliche und industrielle Herz Italiens.

Auch innerhalb der neuen Sperrzonen dürfen sich Bewohner nicht mehr völlig frei bewegen, wie der Premierminister ankündigte. "Es herrscht eine eingeschränkte Mobilität."

Mit rund 5900 nachgewiesenen Infektionen und mehr als 230 Todesopfern ist Italien das am schwersten von der Epidemie betroffene Land Europas.

nck/rai/AFP/dpa