Kommender US-Präsident Joe Biden warnt vor weiteren 250.000 Corona-Toten bis Januar

»Weil die Menschen nicht aufpassen«: Mit einem deutlichen Appell hat sich Joe Biden an die Amerikaner gewandt. Ohne Schutzmaßnahmen drohten dem Land Hunderttausende weitere Virusopfer.
Joe Biden (Aufnahme von Anfang November): »Ich will niemandem Angst einjagen, aber verstehen Sie die Fakten«

Joe Biden (Aufnahme von Anfang November): »Ich will niemandem Angst einjagen, aber verstehen Sie die Fakten«

Foto: Carolyn Kaster / dpa

Noch ist Joe Biden nicht im Amt, erst am 20. Januar soll er als 46. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt werden. Er übernimmt die Amtsgeschäfte also mitten im Winter – und vermutlich auf dem Höhepunkt der aktuellen Corona-Welle. Mit Blick auf die Viruslage hat der gewählte US-Präsident die Amerikaner vor dramatisch steigenden Todeszahlen gewarnt und eindringlich zu Schutzmaßnahmen aufgerufen.

»Ich will niemandem Angst einjagen, aber verstehen Sie die Fakten: Wir werden zwischen jetzt und Januar wahrscheinlich weitere 250.000 Menschen verlieren«, sagte Biden am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Onlineveranstaltung mit Mitarbeitern und Besitzern kleiner Unternehmen. »Verstehen Sie mich? Weil die Menschen nicht aufpassen.« Die Ausbreitung des Virus müsse eingedämmt werden.

Biden machte keine Angaben dazu, worauf er seine Schätzung von 250.000 weiteren Toten begründet. Nach Statistiken der Johns-Hopkins-Universität  in Baltimore hat das Coronavirus seit Beginn der Pandemie mehr als 270.000 Menschen in den USA das Leben gekostet.

Ein Modell von Forschern des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle rechnet im Fall gelockerter Schutzmaßnahmen mit mehr als 502.000 Toten bis Ende Januar, im Fall schärferer Schutzmaßnahmen mit mehr als 367.000. Dieses Modell wurde in der Vergangenheit auch mehrfach vom Weißen Haus angeführt.

»Dezember, Januar und Februar werden hart«

Der Chef der Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield, sagte bei einer Veranstaltung der US-Handelskammer am Mittwoch: »Unglücklicherweise glaube ich, dass wir vor Februar in der Nähe von 450.000 Virus-Toten sein könnten.« Das sei aber nicht ausgemacht, sondern hänge davon ab, inwiefern sich die Amerikaner an Schutzmaßnahmen hielten. »Die Realität ist: Dezember, Januar und Februar werden hart sein. Ich glaube sogar, dass es die schwierigsten Zeiten in der öffentlichen Gesundheitsgeschichte dieser Nation sein werden.«

DER SPIEGEL

Im Amtssitz des scheidenden Präsidenten Donald Trump hält man trotz der CDC-Warnungen an Feiern über die Weihnachtstage fest, wie die Sprecherin des Weißen Hauses am Mittwoch deutlich machte. Die Feiern würden verantwortungsvoll und mit Schutzmaßnahmen abgehalten, betonte sie. Trump hat die Bedrohung durch das Virus immer wieder heruntergespielt.

Mehr als 100.000 Corona-Patienten in US-Krankenhäusern

Die Zahl der Neuinfektionen in den USA war zuletzt weiter gestiegen, die Zahl der binnen 24 Stunden erfassten Corona-Toten erreichte am Dienstag mit 2597 einen neuen Höchststand seit Mitte April. Insgesamt haben sich in dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern mehr als 13,7 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Seit Beginn der Pandemie starben mehr als 270.000 Menschen, die sich mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt hatten. In absoluten Zahlen gemessen sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Auch die Zahl der stationär behandelten Covid-19-Patienten ist in den USA auf einem Höchststand. Nach Angaben des Covid-Tracking-Project vom Mittwochabend mussten landesweit erstmals mehr als 100.000 Patienten im Krankenhaus behandelt werden. CDC-Chef Redford begründete seine eindringliche Warnung auch mit der Belastung des Gesundheitssystems in den US-Bundesstaaten.

jok/dpa
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