Virus "menschengemacht" US-Außenminister erhebt Vorwürfe gegen China

Geheimdienste werfen China vor, Informationen zum Coronavirus zu verschleiern. US-Außenminister Pompeo sagt nun, es gebe eine "bedeutende Menge an Beweisen" für den Ursprung des Virus in einem Labor, verstrickt sich jedoch in Widersprüche.
US-Außenminister Pompeo: "Bedeutende Menge an Beweisen" für Ursprung in chinesischem Labor

US-Außenminister Pompeo: "Bedeutende Menge an Beweisen" für Ursprung in chinesischem Labor

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NICHOLAS KAMM/ AFP

US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Sonntag in einem TV-Interview, es gebe "eine bedeutende Menge an Beweisen" dafür, dass das neuartige Coronavirus von einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan aus in Umlauf geraten sei. Pompeo sprach mit dem US-Sender ABC in der Sendung "This Week".

Unbestätigten Theorien, wonach das Virus menschengemacht oder genetisch modifiziert sei, widersprach Pompeo nicht. "Die besten Experten denken offenbar, dass es menschengemacht ist. Ich habe keinen Grund, das zum jetzigen Zeitpunkt zu bezweifeln", sagte Pompeo.

Diese Aussage steht im Widerspruch zu einer Stellungnahme westlicher Geheimdienste, darunter auch der CIA, wonach es derzeit keine Hinweise darauf gebe, dass das Coronavirus menschengemacht sei. Darauf angesprochen, sagte Pompeo: "Ich habe gesehen, was die Geheimdienste gesagt haben. Ich habe keinen Grund anzunehmen, dass sie falsch liegen." Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters war das US-Außenministerium für eine Klärung der widersprüchlichen Aussagen zunächst nicht zu erreichen.

Geheimdienste sehen Vertuschung Chinas

Der 15-seitige Bericht der sogenannten Five Eyes, einer Geheimdienstallianz, zu der sich die USA, Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland zusammengeschlossen haben, hatte nach Angaben der australischen Zeitung "Daily Telegraph" die Vertuschung chinesischer Behörden dokumentiert. (Lesen Sie hier mehr.)

Demnach weist der Bericht auch auf riskante Forschungsarbeiten in einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan hin, wo das neue Coronavirus im Dezember erstmals aufgetaucht war. Das Dokument erwähnt nach Angaben der Zeitung aber auch die Differenzen der Geheimdienste in Bezug auf den Verdacht, das Virus könne wirklich aus dem Institut für Virologie in Wuhan stammen.

DER SPIEGEL

Besonders beklagt wird demnach, dass China noch bis zum 20. Januar bestritten hatte, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch übertrage. Dafür habe es schon seit Anfang Dezember Hinweise gegeben, heißt es in dem Papier.

Pompeo nutzte die ABC-Sendung noch für weitere Kritik an China. "China hat eine lange Geschichte, wenn es darum geht, die Welt zu infizieren und Labors mit niedrigen Standards zu betreiben", sagte Pompeo. Zuvor hatte er China bereits aufgefordert, seine Märkte für Wildtiere dauerhaft zu schließen. Ein solcher Markt in Wuhan gilt ebenfalls als möglicher Ort für die erstmalige Infektion eines Menschen mit Sars-CoV-2.

fek/Reuters
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