Pandemie in zwei Weltmetropolen Warum Covid-19 New York so viel härter getroffen hat als Hongkong

New York ist ein Zentrum der Corona-Pandemie, Hongkong hingegen bislang glimpflich davongekommen - obwohl es näher an China liegt. Die Hintergründe mit Grafiken.
Die neue Normalität: Maskierter Fußgänger in New York

Die neue Normalität: Maskierter Fußgänger in New York

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Lucas Jackson/ REUTERS

New York und Hongkong sind in vielerlei Hinsicht vergleichbar, angefangen bei ihrer Größe:

  • In New York leben etwa 8,4 Millionen Menschen,

  • in Hongkong sind es rund 7,5 Millionen.

Wegen der hohen Grundstückspreise wird in die Höhe gebaut, die Bürger leben dicht an dicht:

  • Hongkong verzeichnet durchschnittlich 7100 Menschen pro Quadratkilometer,

  • New York City sogar mehr als 10.000.

Man kommt sich nahe, es ist praktisch unmöglich, in vollen Aufzügen und U-Bahnen Distanz zu halten. Und trotzdem hat Covid-19 die beiden Weltmetropolen unterschiedlich getroffen:

  • 50 Tage, nachdem dort der 100. Fall registriert worden war, kam New York City auf 169.690 Infektionen, also mehr als heute ganz Deutschland.

  • Zum gleichen Zeitpunkt lag Hongkong mit 1025 Fällen knapp über dem kleinsten deutschen Bundesland Bremen.

Stand heute sind 19.174 New Yorker an Covid-19 gestorben, die Zahl der Toten in Hongkong liegt bei vier. Wie kam es zu diesen drastischen Unterschieden? 

Beide Städte sind hochentwickelte Wirtschaftszentren, was die Seuchenbekämpfung gemeinhin begünstigen sollte. In der Pandemie besonders verletzlich macht sie dagegen ihr Status als Knotenpunkte des internationalen Handels und Verkehrs: Beide Städte verfügen über einen bedeutenden Containerhafen und Flughäfen, die großen Airlines als Drehkreuze dienen.

2018 empfing New York City mehr als 65 Millionen Besucher, in Hongkong lag ihre Zahl zuletzt bei 56 Millionen. Potenziell kann jeder Neuankömmling das Virus einschleppen. Mit der Volksrepublik China, dem Ausbruchsort der Seuche, ist nicht nur Hongkong aufs Engste verbunden - sondern auch New York, Heimat der größten chinesischstämmigen Community außerhalb Asiens, die laut der US-Statistikbehörde bereits 2014 gut 570.000 Mitglieder zählte. Doch obwohl die Ausgangsbedingungen also ähnlich waren, nahm die Pandemie in den beiden Städten einen ganz unterschiedlichen Verlauf. 

Hongkong verzeichnete bereits am 23. Januar, dem Tag der Abriegelung Wuhans, seine ersten beiden Covid-19-Fälle. Die Verantwortlichen in Hongkong erinnerten sich an die Sars-Epidemie von 2003. Die Folge: Alarmstimmung. Die Behörden testeten ausgiebig, isolierten Infizierte, stellten Neuankömmlinge unter Quarantäne. Schulen wurden geschlossen, Großveranstaltungen abgesagt und Grenzübertritte schrittweise unterbunden, bis die Regierung Ende März schließlich nur noch Hongkonger Bürger einreisen ließ. 

Laut einer im Fachjournal "Lancet" publizierten Studie  tragen 99 Prozent der Hongkonger bis heute einen Mundschutz, wenn sie das Haus verlassen. Auch solche Änderungen im Alltagsverhalten haben es erlaubt, bisher einen umfassenden Lockdown zu vermeiden. 

New York registrierte seinen ersten Fall erst Anfang März. Da grassierte das Virus allerdings bereits seit mehreren Wochen unerkannt in der Stadt, wie Wissenschaftler im Nachhinein festgestellt haben . Wegen mangelnder Tests war das zunächst nicht aufgefallen. Zwar hatte US-Präsident Donald Trump Ende Januar einen Einreisestopp gegen Personen verhängt, die sich in den 14 Tagen zuvor in China aufgehalten hatten - es waren jedoch Reisende aus Europa, die den Erreger einschleppten. 

Im Vergleich zu anderen schwer betroffenen US-Städten hat New York seine Bürger zudem erst zu einem relativ späten Zeitpunkt angewiesen, zu Hause zu bleiben . Als die Fallzahlen sprunghaft stiegen, zeigte sich das Gesundheitssystem dem Ansturm der Kranken nicht gewachsen. Fatal wirkten sich auch die großen sozialen Unterschiede in der Stadt aus.

Zum Verhängnis wurde New York außerdem, dass sich einer der früh Infizierten als sogenannter Superspreader erwies. Der Mann aus dem Städtchen New Rochelle steckte mehr als 100 weitere Menschen an. Zu vielen Versäumnissen kam in New York also auch ganz einfach: Pech.

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