Lockerungen trotz Viruswelle Österreich schafft Isolationspflicht für Coronainfizierte ab

»Wir können die Pandemie nicht wegtesten, nicht wegimpfen und nicht wegabsondern«: Österreich lockert seine Coronaregeln – und begründet das auch mit der Gaskrise und dem Ukrainekrieg.
Coronateststation in Wien (Archivbild): Verkehrsbeschränkungen statt verpflichtender Isolation

Coronateststation in Wien (Archivbild): Verkehrsbeschränkungen statt verpflichtender Isolation

Foto: Leopold Nekula / Viennareport / IMAGO

Mitten in der sommerlichen Coronawelle schafft Österreich die Isolationspflicht für Infizierte ab.

»Wir machen jetzt Verkehrsbeschränkungen statt verpflichtender Quarantäne«, sagte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) in Wien. Die grundsätzliche Lockerung werde ab 1. August gelten. Auch Infizierte dürften nun weiter unterwegs sein, allerdings mit FFP2-Maske. »Wer krank ist, bleibt zu Hause«, appellierte Rauch an die Bürger.

Die Entscheidung sei gerade auch mit Blick auf die psychischen und sozialen Folgen der Coronakrise gefallen, sagte Rauch. Weltweit hätten Ängste und Depressionen zugenommen. »Wir gehen einfach gut vorbereitet in eine neue Phase der Pandemiebekämpfung«, sagte Rauch. »Wir können die Pandemie nicht wegtesten, nicht wegimpfen und nicht wegabsondern«.

Weiterhin gelte eine Meldepflicht, um einen Überblick über das Krankheitsgeschehen zu behalten. Im Herbst drohe mit der Gaskrise, der Teuerung und dem Krieg in der Ukraine ohnehin eine schwierige Situation für die Bevölkerung, sagte Rauch der »Tiroler Tageszeitung«. »Ich bin Sozial- und Gesundheitsminister, deshalb beschäftigt mich mittlerweile die soziale Frage und die Frage der sozialen Verwerfungen mindestens ebenso intensiv wie die Coronakrise«, sagte Rauch der Zeitung.

Frankreich schafft Coronamaßnahmen ab

Rauch verwies auf internationale Vorbilder wie Dänemark, Norwegen, Großbritannien, Spanien und die Schweiz. Dort sei die Isolation ohne größere Folgen teils seit Monaten abgeschafft. In Frankreich stimmte der Senat am Dienstag für eine Aufhebung sämtlicher Coronamaßnahmen ab 1. August. Die Möglichkeit obligatorischer Coronatests an den Landesgrenzen bleibt jedoch bestehen.

Deutlich wie nie stellte Österreichs Regierung auch die Aussagekraft der Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern infrage. Eine genaue Analyse ergebe, dass nur etwa die Hälfte der entsprechenden Patienten als Hauptdiagnose Covid habe, sagte Katharina Reich, Expertin des Gesundheitsministeriums.

Infizierte dürfen nicht in Pflegeeinrichtungen

Zu den Verkehrsbeschränkungen zählt ein Betretungsverbot für infizierte Besucher in Krankenanstalten ebenso in Pflege-, Behinderten- und Kureinrichtungen. Die Nachrichtenagentur APA berichtet über einen vorliegenden Entwurf, aus dem hervorgehe, dass infizierte Mitarbeiter an diesen Orten aber mit Maske weiter ihrem Job nachgehen dürften. Im Freien und bei einem Mindestabstand von zwei Metern entfalle die Maskenpflicht.

Zum Schutz besonders gefährdeter Menschen wird die Risikogruppen-Verordnung bis Oktober befristet wieder in Kraft gesetzt, wie Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sagte. Damit können Mitarbeiter freigestellt werden, die trotz Impfung schwere Verläufe zu befürchten haben oder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Österreich liegt mit rund 900 Fällen pro 100.000 Einwohner und Woche über dem deutschen Wert. Im Vergleich zum Sommer des Vorjahres müssen aktuell wesentlich mehr Patienten in den Krankenhäusern betreut werden.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version hieß es, die Quarantänepflicht für Infizierte würde abgeschafft. Richtig ist, dass die Isolationspflicht für Infizierte abgeschafft wird. Wir haben die entsprechenden Stellen korrigiert.

ptz/dpa/AFP
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