Corona-Hilfen Vorstände sollen auf Gehalt verzichten

Wenn Unternehmen in der Coronakrise Staatshilfen erhalten, sollen betroffene Vorstände auf Teile ihres Gehalts verzichten: Das fordert Wirtschaftsminister Altmaier - und hat dabei vor allem Bonuszahlungen im Blick.
Peter Altmaier: "Mir ist wichtig, dass auch Vorstände einen Beitrag leisten"

Peter Altmaier: "Mir ist wichtig, dass auch Vorstände einen Beitrag leisten"

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Vorstände von Unternehmen, die Staatshilfen wegen der Coronakrise erhalten, auf Teile ihres Gehalts verzichten. "Mir ist wichtig, dass in Notsituationen auch Vorstände und leitende Angestellte einen Beitrag leisten, insbesondere bei den Bonuszahlungen", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ". Die konkrete Ausgestaltung werde im Einzelfall besprochen.

Der CDU-Politiker verwies auf einen ersten Präzedenzfall. "Wir haben gerade einen Kredit für ein großes Unternehmen der Reisebranche beschlossen und sind entsprechend verfahren." Dabei handelt es sich um den Reisekonzern TUI, wie das Unternehmen am Freitag selbst mitgeteilt hatte. Demnach müssen TUI-Chef Friedrich Joussen und seine Vorstandskollegen finanzielle Einbußen hinnehmen. Der Veranstalter erhält 1,8 Milliarden Euro von der staatlichen Förderbank KfW.

Ähnlich war die Bundesregierung schon in der Finanzkrise 2008 verfahren. Damals hatte der Rettungsschirm Soffin die Managergehälter bei Banken, die staatliche Hilfen in Anspruch nahmen, auf 500.000 Euro im Jahr gedeckelt.

Die deutsche Regierung hat verschiedene Hilfsprogramme aufgelegt: Ein unbegrenztes Kreditprogramm der staatlichen Förderbank KfW soll Liquidität sichern. Daneben geht es um Steuerstundungen, ein erweitertes Kurzarbeitergeld, einen Stabilisierungsfonds für große Unternehmen sowie ein milliardenschweres Paket mit direkten Zuschüssen für kleine Firmen, die häufig keine Kredite bekommen oder über keine Sicherheiten verfügen.

Altmaier verteidigt Hilfsprogramme der Regierung

Einige Wirtschaftsverbände halten das nicht für ausreichend. Weite Teile des Mittelstands fielen durch das Raster von direkten Zuschüssen, beklagen sie. Außerdem kämen Kredithilfen nicht schnell genug an, die Anträge seien zu aufwendig.

"Die Hilfen können unseren Unternehmen nicht ersetzen, was die Pandemie für Umsätze und Gewinne bedeutet"

Peter Altmaier

Altmaier versuchte am Samstag, die Kritik zu entschärfen. "Wir helfen mit umfassenden Maßnahmen der gesamten Wirtschaft von klein bis groß und den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, mit dieser Extremsituation umzugehen", heißt es in einem Brief an Wirtschaftsverbände; er liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

"Ich weiß, die Hilfen der Bundesregierung können unseren Unternehmen dabei nicht ersetzen, was die Pandemie für Umsätze und Gewinne bedeutet", schrieb Altmaier weiter. "Aber wir tun alles, damit wir Sie als Partner durch die Krise hindurchbegleiten." Beim Sonderkreditprogramm der KfW bestünden "passgenaue Programme" für alle Unternehmen, sowohl für große, mittlere und kleine. Die KfW arbeite mit Hochdruck daran, die Verfahren zu beschleunigen.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, sind bei den zuständigen Stellen binnen wenigen Tagen mindestens 360.000 Anträge auf Soforthilfe von Selbstständigen und Kleinunternehmern eingegangen. Die Bundesländer hätten bislang 138,5 Millionen Euro zur Zahlung angewiesen.

slü/dpa/AFP

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