Prognose der Weltgesundheitsorganisation Halb Europa könnte sich bis März mit Coronavirus infizieren

Die Infektionszahlen haben sich innerhalb von 14 Tagen mehr als verdoppelt: Der Europadirektor der WHO nennt die Ausbreitung der Omikron-Variante »beispiellos« – und warnt: Das Virus ist noch nicht endemisch.
Corona-Testzentrum in Estoril, Portugal: Omikron breitet sich in Europa rasant aus

Corona-Testzentrum in Estoril, Portugal: Omikron breitet sich in Europa rasant aus

Foto: Horacio Villalobos / Getty Images

Die Weltgesundheitsorganisation WHO erwartet eine explosionsartige Ausbreitung der Coronavariante Omikron in Europa. In der ersten Woche des neuen Jahres habe es in Europa mehr als sieben Millionen neu gemeldete Covid-19-Fälle gegeben. Die Infektionszahlen hätten sich innerhalb von zwei Wochen mehr als verdoppelt, sagte der Europadirektor der WHO, Hans Kluge, am Dienstag.

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»Bei diesem Rhythmus sagt das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) voraus, dass sich mehr als 50 Prozent der Bevölkerung der Region in den kommenden sechs bis acht Wochen mit Omikron angesteckt haben werden«, sagte Kluge unter Verweis auf das Forschungsinstitut der University of Washington in Seattle. Omikron befalle wegen seiner Mutationen menschliche Zellen schneller, dies betreffe auch Geimpfte und Genesene.

Die »beispiellose« Ausbreitung des Coronavirus macht sich laut Kluge bereits durch eine Zunahme der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern bemerkbar, die Sterberate sei jedoch stabil. Die neue Infektionswelle setze »die Gesundheitssysteme und den Dienstleistungsbereich in vielen Ländern, in denen sich Omikron sehr schnell ausgebreitet hat, unter Druck«, sagte der WHO-Vertreter.

WHO: Coronavirus noch nicht endemisch

Die WHO warnte davor, Covid-19 als eine endemische Erkrankung wie die Grippe zu behandeln. »Wir haben immer noch eine große Ungewissheit und ein Virus, das sich recht schnell weiterentwickelt und uns vor neue Herausforderungen stellt. Wir sind sicherlich noch nicht an dem Punkt, an dem wir es als endemisch bezeichnen können«, sagte die WHO-Notfallexpertin Catherine Smallwood.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte am Montag erklärt, dass es an der Zeit für eine weniger strikte Nachverfolgung von Coronainfektionen sein könnte. Die Regierung denke über Wege wie bei einer klassischen Grippeerkrankung nach, da die Todesfallraten bei Coronaerkrankungen gesunken seien. Darüber solle auch auf europäischer Ebene gesprochen werden (mehr dazu lesen Sie hier).

Impfungen helfen auch gegen Omikron

Kluge betonte, dass Coronaimpfungen weiter von großer Bedeutung seien. Zugelassene Coronaimpfstoffe böten »weiterhin guten Schutz vor ernsthaften Erkrankungen und Tod, auch bei Omikron«.

Die Omikron-Variante breitet sich derzeit rasant in Europa aus. In einigen Ländern ist sie bereits die dominierende Coronavirus-Variante bei den Neuinfektionen. Die WHO Europa ist zuständig für 53 Länder und Gebiete nicht nur in Europa, sondern auch in Zentralasien. Nach ihren Angaben berichteten zuletzt 26 dieser Länder, dass sich wöchentlich mehr als ein Prozent ihrer Einwohner mit dem Coronavirus ansteckten. Allein in der ersten Woche des neuen Jahres seien in der Region mehr als sieben Millionen neue Ansteckungen gemeldet worden.

slü/AFP/Reuters
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