Corona-Epidemie Wie Reiche mit der Krise umgehen

Privatjets, Jachten, eigene Notaufnahmen: Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus' greifen manche Wohlhabende auf Mittel zurück, die für die meisten Bürger undenkbar sind.

Reiche weichen auf Privatjets aus

Reiche weichen auf Privatjets aus

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DuKai photographer/ Getty Images

Knapp 120.000 Menschen weltweit haben sich inzwischen mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt; mehr als 4200 sind an den Folgen einer Infektion gestorben. So die aktuellen Zahlen des "Coronavirus Resource Center" der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, das eine Live-Karte zu den bestätigten Fällen  veröffentlicht. Laut Weltgesundheitsorganisation sind inzwischen mehr als hundert Länder betroffen.

Bei seiner Ausbreitung um den Globus unterscheidet das Virus nicht zwischen sozialen Schichten. Dennoch sind beim Umgang mit der Epidemie nicht alle gleich. Manche Wohlhabende greifen in der Krise auf Mittel zurück, die für die meisten Menschen unvorstellbar sind.

Privatjets und "Evakuierungsflüge"

An wenigen Orten drängen sich Menschen aus aller Welt auf derart engem Raum zusammen wie an Flughäfen. In den Maschinen sitzen sie in der Regel dicht an dicht. Auf eine Möglichkeit, dem auszuweichen, wird in den letzten Wochen offenbar immer stärker zurückgegriffen: Privatjets.

Die Zahl der Anfragen nach Privatmaschinen sei gestiegen, sagte Richard Lewis von der "Insignia Group" der Nachrichtenagentur Bloomberg . Dies gelte vor allem für Langstreckenflüge. Das Unternehmen organisiert Reisen für wohlhabende Kunden. Deren Beweggründe sind laut Lewis: "Sie wollen ihre Kabine nicht mit anderen Leuten teilen."

Das nicht zu müssen, hat seinen Preis. Hin- und Rückflug auf der Strecke New York-London in einem "Gulfstream IV"-Privatjet für zwölf Personen kosten dem Bericht zufolge rund 140.000 Dollar. Bei vollem Flugzeug sind das knapp 11.700 Dollar pro Person.

Reise im Privatjet (Symbolbild): "Sie wollen ihre Kabine nicht mit anderen Leuten teilen"

Reise im Privatjet (Symbolbild): "Sie wollen ihre Kabine nicht mit anderen Leuten teilen"

Foto: Aitor Diago/ Getty Images

Auch andere Privatjet-Verleiher melden eine gestiegene Nachfrage. Bloomberg berichtete ebenso wie der "Guardian"  über "Evakuierungsflüge" aus Gebieten, die besonders vom Coronavirus betroffen sind. Große Unternehmen und reiche Familien buchten zu diesem Zweck Privatmaschinen:

  • Eine Familie aus Hongkong ließ sich demnach aus Furcht vor dem Virus nach Bali ausfliegen.

  • Ein Hollywood-Studio fragte wegen eines Flugs für 50 Personen von Tokio nach Los Angeles an.

Die Anfragen nach Evakuierungen hätten sich anfänglich vor allem auf Südostasien konzentriert, zitiert der "Guardian" Adam Tidwell, Chef des Privatjet-Dienstleisters "Private Fly". "Wir sehen aber zunehmend Kunden, die Privatflüge zwischen einer Vielzahl globaler Ziele buchen wollen, um Menschenmengen in Kabinen und Flughafen-Terminals auszuweichen."

Nicht nur auf dem Weg sollen Ansammlungen gemieden werden, sondern auch am Ziel. Zunehmend gefragt ist die Abgeschiedenheit von Jachten und einsamen Hütten.

Trotz der gestiegenen Nachfrage sehen Privatjet-Anbieter die Ausbreitung des Virus mit Sorge. Allen kurzfristigen Gewinne stünden längerfristige Herausforderungen gegenüber, sagte "Private Fly"-Chef Tidwell gegenüber Bloomberg. Dazu zähle nicht zuletzt die Auswirkung des Virus auf die Weltwirtschaft.

Eine eigene Notaufnahme

Auch bei der ärztlichen Versorgung gibt es einen VIP-Bereich. Der New Yorker Dienstleister "Sollis Health" bietet seinen Kunden einen medizinischen "Concierge-Service". Eine Familienmitgliedschaft kostet laut "New York Times"  rund 8000 Dollar im Jahr. Im Gegenzug biete das Unternehmen Zugang zu "VIP-Notaufnahmen" in drei der teuersten Gegenden der Metropolregion. Zu den Vorzügen gehören demnach unter anderem:

  • ein Rund-um-die-Uhr-Zugang zu Ärzten und

  • beschleunigte Termine mit Spezialisten.

Seit die Corona-Angst die USA erreicht hat, sei die Anfrage nach Mitgliedschaften in die Höhe geschossen, zitiert die Zeitung Ben Stein, den medizinischen Leiter von "Sollis Health". Mitglieder horteten aus Angst Medikamente gegen Grippe- und Atemwegserkrankungen. Eine andere Sorge laut Stein betrifft eine mögliche Knappheit an Gesichtsmasken.

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Diese Sorge treibt auch die Nachfrage nach Designer-Gesichtsmasken an. Die Schauspielerin und Influencerin Gwyneth Paltrow postete Ende Februar ein Foto von sich auf Instagram. Auf dem Weg zur "Paris Fashion Week" trug sie eine schwarze Gesichtsmaske der Firma Airinium.

Diese ist bis mindestens April ausverkauft - trotz einer Preisspanne von 69 bis 99 Dollar und eindeutiger Aufforderungen von Experten, die Maskenkäufe einzustellen. "Im Ernst, Leute - hört auf, Masken zu kaufen", twitterte jüngst US-Sanitätsinspekteur Jerome Adams. Diese schützen die Allgemeinheit nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Ärzte und Krankenschwestern seien aber dringend auf sie angewiesen.

Entsprechend kritisch war ein Großteil der Reaktionen auf Paltrows Post. "Unnötig, verantwortungslos und uninformiert", kommentierte eine Nutzerin.