Proteste gegen Mobilmachung Aktivisten berichten über mehr als hundert Festnahmen in Dagestan

Kritiker werfen dem Kreml vor, vorrangig Männer aus armen und abgelegenen Regionen Russlands in den Krieg schicken zu wollen. In Dagestan regt sich Widerstand, Sicherheitskräfte gehen laut Aktivisten brutal vor.
Menschen in Machatschkala: Dagestan ist eines der ärmsten Gebiete Russlands – Kritiker werfen dem Kreml vor, an Orten wie diesem besonders viele Männer einzuziehen

Menschen in Machatschkala: Dagestan ist eines der ärmsten Gebiete Russlands – Kritiker werfen dem Kreml vor, an Orten wie diesem besonders viele Männer einzuziehen

Foto: ITAR-TASS / IMAGO

Die russische Führung will Hunderttausende Reservisten für den Krieg in der Ukraine einziehen. Gegen die Mobilmachung gibt es Proteste, bei denen die Staatsmacht teilweise brutal gegen Demonstranten vorgeht.

In der Kaukasusregion Dagestan sind nach Angaben von Aktivisten nun am Sonntag in der Stadt Machatschkala mehr als hundert Menschen festgenommen worden. Das berichtete die Organisation OWD-Info, die sich auf die Beobachtung von Oppositionsaktionen spezialisiert hat.

Russische Medien veröffentlichten Videos, die zeigen, wie sich Frauen während der Demonstration mit Polizisten streiten. »Warum nehmt ihr unsere Kinder?«, fragt eine von ihnen. Andere Videos zeigen, wie Polizisten Protestierende brutal in Gewahrsam nehmen.

Dagestan ist eines der ärmsten Gebiete Russlands

Dagestan, eines der ärmsten Gebiete Russlands, ist eine multiethnische Region mit einer muslimischen Mehrheit. Kritiker werfen Moskau vor, vorrangig Männer aus armen und abgelegenen Regionen für den Krieg in der Ukraine einziehen zu wollen.

Tatsächlich gehört Dagestan zu den Gebieten mit dem höchsten Anteil von im Kampf in der Ukraine Getöteten, wie aus Todesanzeigen im Internet und Zählungen durch unabhängige russische Medien hervorgeht. Um die Bevölkerung zu beruhigen, erklärte der Militärkommissar der Region am Wochenende, zunächst würden nur Männer mit »speziellen Militärfähigkeiten« eingezogen, keine Wehrpflichtigen.

Seit Bekanntgabe der vom Kreml sogenannten »Teilmobilmachung« kam es an mehreren Orten Russlands zu Protesten. Nach Angaben von OWD-Info sind seit dem 21. September mehr als 2300 Protestierende festgenommen worden.

Die Antikriegsproteste sind behördlich verboten – entsprechend drakonisch ist das Vorgehen der Polizei. Aus Sankt Petersburg wurden in sozialen Netzwerken Videos veröffentlicht, die zeigten, wie Männer in Kampfuniform und mit Helm auf Demonstranten einknüppelten. Laut OWD-Info berichteten Augenzeugen, dass die Sicherheitskräfte auch Elektroschocker einsetzten.

muk/AFP
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