Triumph bei Vorwahlen in den USA Das Biden-Beben

Siege in Florida, Illinois und Arizona - Joe Biden ist die Präsidentschaftskandidatur nicht mehr zu nehmen. Donald Trump bekommt nun seinen Angstgegner. Und Bernie Sanders? Muss seine Fans in den Griff kriegen.
Aus Florida und Washington berichten Ralf Neukirch und René Pfister
Joe Biden (am 10. März in Philadelphia): Dreifachsieg am Dienstag - mit Florida als wichtigstem Staat

Joe Biden (am 10. März in Philadelphia): Dreifachsieg am Dienstag - mit Florida als wichtigstem Staat

Foto: Matt Rourke/ dpa

Wer Joe Bidens Fernsehauftritt am Abend erlebt hat, der konnte glauben, die Wahl im November sei bereits gelaufen. Biden beschrieb die Herausforderung durch das Coronavirus, er mahnte die Leute, sich verantwortlich zu verhalten, er lobte Ärzte und Krankenschwestern für ihre Arbeit. Er sprach, als sei er bereits Präsident der Vereinigten Staaten.

Dabei ist er offiziell noch nicht einmal Kandidat der Demokraten für die Präsidentschaftswahl. Allerdings ist das seit gestern nur noch Formsache. Dem ehemaligen Vizepräsidenten ist die Nominierung nicht mehr zu nehmen. Er hat in Florida und Illinois, zwei der bevölkerungsreichsten Staaten, entscheidende Siege errungen. Er hat auch in Arizona gewonnen. Er hat weit über 200 Delegierte Vorsprung auf Bernie Sanders, das hat noch kein Kandidat aufgeholt.

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Wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert, wird Biden im November gegen Donald Trump antreten. Die eigentliche Aufgabe liegt aber noch vor ihm.

Vier Erkenntnisse aus dem Wahlabend:

Biden muss sich bewegen

Für Biden wird es darauf ankommen, die demokratische Partei hinter sich zu versammeln. Sanders hat den Abend verloren und wohl auch das Rennen um die Nominierung. Aber der Senator aus Vermont schart nach wie vor eine junge und leidenschaftliche Anhängerschaft um sich, die sich einen radikalen Umbruch wünscht. Will Biden die Bernie-Gemeinde für sich gewinnen, muss er Zugeständnisse machen - etwa, indem er sich für eine weitgehende Abschaffung von Studiengebühren ausspricht.

Seine Ansprache zeigt, dass er sich dessen bewusst ist. "Ich weiß, was Euch umtreibt", beteuerte Biden in seiner Videobotschaft. Er behauptete, Sanders und er lägen nur in "taktischen" Fragen auseinander. Sie eine aber eine "gemeinsame Vision" für die Reform Amerikas. Das ist für alle, die die heftigen Debatten zwischen den beiden verfolgt haben, eine überraschende Aussage.

Nur mit Worten wird Biden die Sanders-Anhänger nicht überzeugen können. Er muss ihnen auch inhaltlich etwas anbieten, zum Beispiel in der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Bislang hat er noch nicht erkennen lassen, wie weit er dabei gehen will. Das sollte er sich rasch überlegen.

Auf Sanders kommt es an

Niemand kann Bernie Sanders zwingen, aus dem Kandidatenrennen auszusteigen. Er kann theoretisch bis zum 23. Juni um die Nominierung kämpfen, wenn Kentucky als letzter Staat wählt. Er kann aber auch das Richtige tun und seiner Partei eine Situation wie 2016 ersparen.

Damals lieferten sich Sanders und Hillary Clinton einen erbitterten Kampf. Als Clinton schließlich nominiert wurde, unterstützte Sanders sie nur halbherzig. Viele seiner Anhänger wählten sie nicht und halfen so, Donald Trump ins Amt zu befördern. Das sollte sich nicht wiederholen.

Sanders hat viel erreicht. Er hat die Demokraten nach links gerückt. Seine Forderung, alle Amerikaner müssten krankenversichert sein, ist mittlerweile die Position der gesamten Partei - auch wenn eine Mehrheit den kompletten Umbau des Gesundheitswesens, den Sanders will, ablehnt. Er hat dabei geholfen, den Klimawandel ins Zentrum der politischen Debatte zu stellen. Er sollte darum kämpfen, dass Teile seiner Politik auch umgesetzt werden.

Nun muss Sanders seine Anhänger davon überzeugen, Biden zu unterstützen. Wenn er weiter Wahlkampf gegen Biden macht, wird das nicht gelingen. Auch so ist die Aufgabe schwer genug.

Bernie Sanders: Er muss seine treuen Anhänger nun bald auf Biden einschwören

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Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS
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Es wird ein Wahlkampf wie kein anderer

Bidens Auftritt am Dienstagabend gab einen Vorgeschmack darauf, wie Corona den Wahlkampf verändern wird. Es war wohl das erste Mal, dass sich ein aussichtsreicher Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur von zu Hause an die Wähler wandte. Immerhin hatte sein Team es geschafft, amerikanische Flaggen im Hintergrund zu platzieren.

Es wird auf absehbare Zeit keinen konventionellen Wahlkampf mehr geben, keine Kundgebungen, keine Townhall-Meetings, kein Babyküssen und kein Händeschütteln. Die neue Situation muss für die Demokraten kein Nachteil sein. Trump ist in seinem Element, wenn er vor großen Mengen sprechen kann. Er zieht daraus seine Energie. Der kleine Auftritt ist nicht seine Sache.

Biden dagegen war lange nicht mehr so gut wie am Dienstagabend. Von seiner Neigung zum Abschweifen, der er bei Auftritten vor Publikum oft erliegt, war nichts zu sehen. Er redete klar, ernsthaft und glaubwürdig. Ihm kommen die Beschränkungen des Wahlkampfs zugute.

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