»Letztes gelesenes Buch« eines FPÖ-Kandidaten »Das muss wohl ›Mein Kampf‹ gewesen sein«

Der Kandidat der FPÖ bei der Gemeindewahl in Waidhofen an der Ybbs gab bei einem Interview an, als letztes Buch Adolf Hitlers Manifest gelesen zu haben. ÖVP und SPÖ fordern seinen Rücktritt.
Ausgaben von »Mein Kampf« am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München

Ausgaben von »Mein Kampf« am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München

Foto: Matthias Balk/ dpa

Ein Kommunalpolitiker der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) gab an, Adolf Hitlers Manifest »Mein Kampf« als letztes Buch gelesen zu haben. Im Vorfeld der bevorstehenden Gemeinderatswahlen in Waidhofen an der Ybbs in Niederösterreich haben die »Bezirksblätter« und die Website MeinBezirk.at die Spitzenkandidaten nach ihren Hobbys, Lieblingslied und dem zuletzt gelesenen Buch gefragt. Der FPÖ-Kandidat Josef Gschwandegger beantwortete Letzteres offenbar mit »Das muss wohl ›Mein Kampf‹ gewesen sein«. Dies berichten unter anderem MeinBezirk.at  und »Der Standard«.

Nachdem die Aussage für großes mediales Aufsehen in Österreich gesorgt hatte, relativierte Gschwandegger seine Angaben – oder versuchte es zumindest: Er sei ungenau zitiert worden und habe die rassistische Propagandaschrift schon vor längerer Zeit gelesen, berichtet die »Kronen Zeitung«. Der Website MeinBezirk.at sagte Gschwandegger zudem: »Ich lese generell wenig, vielleicht ein Buch im Jahr.«

Rücktrittsforderungen von SPÖ und ÖVP

Österreichischen Medienberichten zufolge forderten die Landespartei-Geschäftsführer von ÖVP und SPÖ den sofortigen Rücktritt von Gschwandegger. »Wenn es um die Ablehnung des Nationalsozialismus geht, gibt es bei allen politischen Parteien in unserem Land Konsens. Es kann deshalb nur eine Konsequenz geben: den sofortigen Rücktritt von Josef Gschwandegger als Spitzenkandidaten der FPÖ Waidhofen a. d. Ybbs«, wird der Landesgeschäftsführer der ÖVP Niederösterreich Bernhard Ebner von den »Niederösterreichischen Nachrichten« in ihrer Onlineausgabe noen.at zitiert.

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Auch andere Waidhofener Spitzenkandidaten äußerten sich zu dem Vorfall, vor allem auf Social Media. »Tut mir leid, Josef Gschwandegger: ›Mein Kampf‹ als zuletzt gelesenes Buch geht gar nicht«, schrieb Bürgermeister und Volkspartei-Kandidat Werner Krammer auf Facebook. Der SPÖ-Vizebürgermeister Armin Bahr postete ein Foto von sich selbst mit einem Buch über die Zeitgeschichte Österreichs und der Forderung an Gschwandegger: »Lernen's Geschichte!«.

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Besitz und Lesen in Österreich legal

Wie »Der Standard« berichtet, sind der Besitz und das Lesen von »Mein Kampf« in Österreich nicht verboten. Nur die unkommentierte Originalausgabe darf nicht verbreitet werden. Es gebe daher keinen Grund für Ermittlungen vonseiten der Staatsanwaltschaft. In Deutschland lagen die Urheberrechte bis 2015 beim Freistaat Bayern, der Nachdrucke im In- und Ausland verhinderte. Unkommentierte Fassungen, die vor allem bei Neonazis beliebt sind, werden in Deutschland vor allem über den grauen Markt im Netz verbreitet.

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