Polizei mit Großaufgebot Trump-Fans versammeln sich vor Kapitol in Washington

Es kamen weit weniger Teilnehmer als erwartet: Mit einer Demo wollen Fans von Ex-Präsident Donald Trump die Angeklagten der Kapitol-Erstürmung unterstützen. Vereinzelt gab es Tumulte mit Gegendemonstranten.
Demonstrant in Washington im Gespräch mit Journalisten

Demonstrant in Washington im Gespräch mit Journalisten

Foto: Jose Luis Magana / AP

Ein zweieinhalb Meter hoher Zaun wurde rund um das Kongressgebäude errichtet, Hunderte Polizisten sind vor Ort: In Washington sind am Samstagmittag (Ortszeit) Anhänger des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump vor das Kapitol gezogen.

Ersten Eindrücken zufolge kamen weniger Menschen als erwartet. Gleichzeitig gingen auch zahlreiche Gegendemonstranten auf die Straße. »Es ist so ziemlich das, was wir erwartet haben«, sagte der Polizeichef von Washington, Robert Contee, dem Sender CNN. Bisher verlaufe alles friedlich.

Mit der Demonstration sollen Angeklagte unterstützt werden, die sich wegen der Erstürmung des Kapitols am 6. Januar vor Gericht verantworten müssen.

Die Polizei war aus Sorge vor Ausschreitungen mit einem Großaufgebot vor Ort. Das Gelände rund um den Kongresssitz wurde vorsorglich abgeriegelt. Die Polizei des Kapitols hat sich nach eigenen Angaben auf verschiedene Szenarien vorbereitet und auch für mögliche Gewalt gewappnet.

Müllautos wurden als Barriere platziert

Müllautos wurden als Barriere platziert

Foto: J. Scott Applewhite / AP

Auch einhundert Soldaten der Nationalgarde stehen auf Abruf bereit. Die Sicherheitsbehörden führten zusätzliche Kontrollen bei ankommenden Reisenden am Flughafen in Washington durch.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete zunächst von einigen Dutzend Demonstranten, später von bis zu 200 Teilnehmern – teils mit Fahnen rechter Gruppen oder Trump-Unterstützerplakaten. Einer der Organisatoren der Demo ist Matt Braynard, ein früherer Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteam. Er sagte, es gebe keine Möglichkeit nachzuverfolgen, wie viele Teilnehmer anwesend seien. Im Vorfeld hatten die Organisatoren von bis zu 700 erwarteten Demonstranten gesprochen.

Die Nachrichtenagentur AP berichtete von einigen Hundert Demonstranten, die aber den Sicherheitskräften zahlenmäßig weit unterlegen seien. Die Polizei sorge sich aber auch wegen möglicherweise gewaltbereiten Gegendemonstranten.

Laut Reuters kam es zeitweise zu heftigen verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern der Kundgebung und Gegendemonstranten. Polizisten seien in einigen Fällen eingeschritten.

Das Kapitol selbst war am Samstag weitgehend leer, da die meisten Kongressabgeordneten nicht in Washington sind.

Applaus von den Trump-Anhängern für die Polizei

Demo-Organisator Braynard forderte die Teilnehmer während einer Rede mehrfach auf, friedlich zu bleiben. Ihm zufolge sind viele Menschen aus Angst nicht in die US-Hauptstadt zum Protest gekommen. Er und die Trump-Anhänger klatschten demonstrativ für die Kapitol-Polizei. Braynard rief die Demonstranten außerdem dazu auf, beim Verlassen des Geländes Sicherheitskräften sowie Journalistinnen und Journalisten freundlich zuzulächeln. »Wir werden weiter kämpfen«, kündigte er an. Die Demonstrierenden skandierten unter anderem »USA, USA, USA«.

Es gehe bei der Kundgebung nicht um die Leute, die am 6. Januar gewalttätig gewesen seien, sagte Braynard. Sie gehörten ins Gefängnis. Braynards Gruppe ist allerdings der Ansicht, dass zahlreiche Demonstranten mit unverhältnismäßiger Härte behandelt und als »politische Gefangene« festgehalten werden. Braynard argumentierte in der Vergangenheit, dass etliche Leute geglaubt hätten, die Erlaubnis zu haben, in das Kapitol einzudringen.

Am 6. Januar hatten Trump-Anhänger den Kongresssitz in der US-Hauptstadt gewaltsam erstürmt. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Die beispiellose Attacke auf das Herzstück der US-Demokratie löste damals national wie international einen Schock aus.

Trump musste sich wegen des Angriffs einem Amtsenthebungsverfahren stellen, weil er seine Anhänger zuvor bei einer Kundgebung aufgestachelt hatte. Am Ende des Verfahrens wurde er freigesprochen. Die Hintergründe des Angriffs werden im Kongress weiter untersucht.

mmq/Reuters/AP
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