Armeniens Regierungssitz umstellt Demonstranten fordern »Verräter, weg«

Die Lage in Armeniens Hauptstadt Eriwan ist angespannt, Regierungschef Paschinjan steht wegen der Niederlage gegen Aserbaidschan in Bergkarabach unter Druck: Bei Protesten gab es zahlreiche Festnahmen.
Sicherheitskräfte gehen gegen Demonstranten vor.

Sicherheitskräfte gehen gegen Demonstranten vor.

Foto: Vahram Baghdasaryan/Photolure / REUTERS

In der Südkaukasus-Republik Armenien sind bei neuen Protesten gegen Regierungschef Nikol Paschinjan mehr als 70 Menschen festgenommen worden. Demonstranten hätten in der Hauptstadt Eriwan den Regierungssitz umstellt, berichtete ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur. Sicherheitskräfte riegelten das Gebäude ab. Mehrere Minister wurden nach einer Regierungssitzung beschimpft. Die Menschen bezeichneten Paschinjan als »Verräter« und riefen »Verräter, weg«.

Beobachter sprachen von einer angespannten Situation in der Hauptstadt. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Es gab mehrere Verletzte. Demonstranten blockierten erneut Dutzende Straßen. Seit Wochen fordern die Opposition und ihre Anhänger Paschinjan zum Rücktritt auf. Sie sind unzufrieden nach dem Ende der Kampfhandlungen in der Konfliktregion Bergkarabach und machen den Regierungschef für die Niederlage gegen Aserbaidschan verantwortlich.

Aserbaidschan hatte sich in dem jüngsten Krieg um Bergkarabach weite Teile des Anfang der Neunzigerjahre verlorenen Gebiets zurückgeholt. Die neuen Kämpfe hatten am 27. September begonnen und dauerten bis zum 9. November. Insgesamt starben auf beiden Seiten mehr als 4600 Menschen – die meisten davon Soldaten. Allein auf armenischer Seite kamen 60 Zivilisten ums Leben. Der Konflikt selbst ist schon jahrzehntealt.

Paschinjan, der einen Rücktritt bislang ausschloss, sprach von Problemen bei der Grenzziehung zwischen Armenien und Aserbaidschan in zwei Regionen. Es könne deshalb »schmerzhafte Situationen« geben, sagte er. Die armenische Regierung werde aber der Bevölkerung im Falle möglicher Vermögensverluste eine Entschädigung zahlen und die »Interessen der Bevölkerung schützen«.

gro/dpa
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