Im Alter von 90 Jahren gestorben Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu ist tot

Für seinen Kampf gegen die Apartheid wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet: Nun ist Desmond Tutu gestorben. Der emeritierte Erzbischof wurde 90 Jahre alt.
Desmond Tutu (Foto von 2001)

Desmond Tutu (Foto von 2001)

Foto: MIKE HUTCHINGS

Er war einer der bekanntesten Gegner der Apartheid in Südafrika, predigte gegen die Tyrannei der weißen Minderheit in dem Land – und wurde für seine Bemühungen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet: Nun ist Desmond Tutu gestorben. Der emeritierte Erzbischof wurde 90 Jahre alt.

Präsident Cyril Ramaphosa gab die Todesnachricht am Sonntag in einer Erklärung bekannt und sprach der Familie des Verstorbenen sein Beileid aus. Er drücke »im Namen aller Südafrikaner seine tiefe Trauer über den Tod« Tutus aus, erklärte der Staatschef. Tutu gehöre zu einer »Generation herausragender Südafrikaner, die uns ein befreites Südafrika hinterlassen haben«, sagte Ramaphosa.

Als prominentester Geistlicher war Tutu jahrzehntelang das moralische Gewissen des Landes, für das er nach der Überwindung der Apartheid einst den Begriff der »Regenbogennation« prägte. Er nutzte seine Rolle in der anglikanischen Kirche, um auf die Lage schwarzer Südafrikaner hinzuweisen. In den Achtzigerjahren wurde Tutu zum Gesicht der Anti-Apartheid-Bewegung, während viele andere führende Köpfe – darunter Nelson Mandela – inhaftiert waren. Mandela selbst beschrieb Tutu einmal als »Stimme unseres Gewissens«.

Verfechter der Aussöhnung zwischen Schwarz und Weiß

Für seinen gewaltlosen Einsatz gegen die Apartheid wurde Tutu 1984 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Damals war noch nicht abzusehen, ob der Kampf erfolgreich sein würde. »Unser Land brennt und blutet und deshalb rufe ich die internationale Gemeinschaft auf, Strafmaßnahmen gegen diese Regierung zu verhängen«, sagte Tutu 1986. Obwohl dieser Appell kaum bei Regierungen Gehör fand, halfen Tutus Worte dabei, die Apartheid durch wirtschaftliche und kulturelle Boykotte zu beenden.

Nach dem Ende der Apartheid war er einer der Verfechter der Aussöhnung zwischen Schwarz und Weiß. Er übernahm 1996 den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Verbrechen der Apartheid aufarbeitete. Obwohl er sich dem heute regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) seines Freundes Nelson Mandela im Anti-Apartheid-Kampf verbunden fühlte, kritisierte er den ANC in seiner Funktion als Chef der Kommission ebenso wie die Apartheidsregierungen.

Auch später kritisierte Tutu den ANC für Missstände oder Fehlentwicklungen, etwa Korruption führender ANC-Vertreter. Tutu setzte sich bis zum Schluss für ein gerechteres Südafrika ein. Er äußerte sich zu vielen Themen, vom Nahostkonflikt über Rechte Homosexueller bis hin zu Klimawandel und Sterbehilfe.

Vom Lehrer zum Geistlichen

Aus der Öffentlichkeit zog sich Tutu nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika immer mehr zurück. Obwohl er zunehmend zur Behandlung einer Krebserkrankung ins Krankenhaus musste, meldete er sich aber bei ihm ungerecht erscheinenden Ereignissen noch immer stets lautstark zu Wort.

Tutu bei seinem 86. Geburtstag im Jahr 2017

Tutu bei seinem 86. Geburtstag im Jahr 2017

Foto: Mark Wessels/ AP

Tutu hinterlässt seine Frau Leah, die er 1955 heiratete, und vier Kinder. Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte er Mitte September 2019, als ihm der britische Prinz Harry bei einer Afrikareise seine kleine Familie vorstellte. Damals küsste Tutu den kleinen Archie auf die Stirn.

Tutu kam am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klerksdorp bei Johannesburg zur Welt. Er arbeitete zunächst als Lehrer, sah das Bildungssystem für Schwarze aber als Mittel der Unterdrückung. 1957 entschied er sich, Geistlicher zu werden. 1961 erhielt er die Ordination zum Priester und ging an das King's College in London. Nach vier Jahren kehrte er nach Südafrika zurück. 1975 wurde er Dekan der anglikanischen Kirche in Johannesburg. In dieser Zeit begann er, sich auch zu weltlichen Fragen zu äußern und die Verhältnisse im Land anzuprangern.

ulz/AFP/Reuters/dpa
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