Ende einer Ära auf Kuba Kuba ohne Castros

60 Jahre nachdem Fidel Castro den Sozialismus in Kuba ausgerufen hat, tritt nun sein Bruder Raúl ab. Mitten in der Coronapandemie sortiert sich die Staatspartei hinter Präsident Díaz-Canel neu.
Zum ersten Mal seit sechs Jahrzehnten steuert kein Castro die Geschicke Kubas – stattdessen wird Miguel Díaz-Canel (r.) das Zepter übernehmen

Zum ersten Mal seit sechs Jahrzehnten steuert kein Castro die Geschicke Kubas – stattdessen wird Miguel Díaz-Canel (r.) das Zepter übernehmen

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Ariel Ley Royero / dpa

In Kuba geht die Ära Castro zu Ende: Auf einem Parteitag der kommunistischen Einheitspartei, der am Freitag in Havanna begann, scheidet der bisherige Parteichef Raúl Castro aus dem Amt. Neben dem 89-jährigen Bruder des 2016 verstorbenen langjährigen Präsidenten und Revolutionsführers Fidel Castro verabschieden sich auch der 90-jährige José Ramón Machado Ventura und der 88-jährige Ramiro Valdés aus der Führungsriege der Partei.

Mehr als sechs Jahrzehnte standen die Brüder Castro an der Spitze des Karibikstaates, sodass die meisten Einwohner gar keine Erinnerung an die Zeit vor dieser Ära haben. Voraussichtlich am Montag soll Präsident Miguel Díaz-Canel, der mit seinen 60 Jahren schon fast für einen epochalen Umbruch steht, zum neuen Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) gewählt werden.

Das Präsidentenamt hatte Díaz-Canel schon 2018 von Raúl Castro übernommen. Es war der erste Generationswechsel an der kubanischen Staatsspitze seit der Revolution. Raúl Castros älterer Bruder Fidel, der in Kuba immer noch als Máximo Lider verehrt wird, hatte von 1959 bis 2006 Kubas Regierungsgeschäfte geführt. Als der Revolutionsführer erkrankte, übernahm Raúl Castro 2006 die Regierungsgeschäfte und wurde 2008 formell zum Staatschef gewählt. Nun legt der 89-Jährige neben dem Präsidentenamt auch das höchste Parteiamt nieder.

Fidel Castro und der sowjetische Regierungschef Chruschtschow bei der Uno-Vollversammlung im September 1960

Fidel Castro und der sowjetische Regierungschef Chruschtschow bei der Uno-Vollversammlung im September 1960

Foto: Marty Lederhandler/ AP

»Ein Land erträumen und fortführen: Heute beginnt der 8. Parteitag der PCC«, schrieb Díaz-Canel am Freitag im Onlinedienst Twitter . Er kündigte einen »Parteitag der Kontinuität« an. Auch an der Politik Kubas werde sich nichts ändern, versprach der Präsident.

Die kubanische Wirtschaft litt zuletzt stark unter immer schärferen US-Sanktionen während der Amtszeit des Präsidenten Donald Trump sowie unter dem Einbruch des Tourismus in der Coronapandemie. Trumps Sanktionen hatten zur Folge, dass die Kreuzfahrtschiffe mit den US-Touristen ausblieben und schließlich auch die Überweisungen, die die Kubaner von ihren Angehörigen im Ausland erhalten hatten.

mjm/AFP