»Novaja Gaseta«-Chef Muratow Russischer Friedensnobelpreisträger will seine Medaille zugunsten ukrainischer Geflüchteter versteigern
Friedensnobelpreisträger Dmitrij Muratow gemeinsam mit der philippinischen Journalistin Maria Ressamit in Oslo
Foto: Alexander Zemlianichenko / APIm Oktober war der russische Journalist Dmitrij Muratow gemeinsam mit der philippinischen Journalistin Maria Ressamit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Jetzt will Muratow seine Medaille versteigern – um das Auktionsgeld ukrainischen Geflüchteten zu spenden. Das gab Muratows Zeitung, die »Novaja Gaseta«, bekannt .
Der 60-jährige Muratow ist Mitgründer und Chefredakteur der unabhängigen »Novaja Gaseta«. Die Zeitung ist seit Jahren Drohungen durch den russischen Staatsapparat ausgesetzt und setzt sich konsequent für die Pressefreiheit ein.
Es gebe bereits jetzt mehr als zehn Millionen Menschen auf der Flucht, schreibt Muratow. Er habe daher Auktionshäuser gebeten, eine Versteigerung für seine »weltberühmte Auszeichnung« auszurichten. Gleichzeitig veröffentlichte er einen Appell: »Stoppt das Schießen, tauscht Gefangene aus, unterstützt Geflüchtete.«
Russischen Medien ist es derzeit nahezu unmöglich, über den von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg auf die Ukraine zu berichten. Die Worte »Krieg« und »Invasion« sind in der Berichterstattung verboten, nur offizielle Verlautbarungen des Verteidigungsministeriums dürfen vermeldet werden. Mehrere Redaktionen wurden bereits geschlossen, andere beugen sich.
Auch die »Novaja Gaseta« arbeitet derzeit weiter. Das neue Gesetz werde die Vollständigkeit der redaktionellen Arbeit beeinträchtigen, hieß es in einer Mitteilung an die Leserinnen und Leser. »Vieles müssen wir entfernen, aber wir haben die Entscheidung getroffen, mit unserer Arbeit weiterzumachen«, schrieben die Journalistinnen und Journalisten.
Muratow erklärte die Entscheidung mit der Aufforderung seiner Leser. Die Redaktion habe eine Umfrage gemacht, mehr als 90 Prozent der knapp 7000 Befragten hätten gesagt: weitermachen. »Lieber irgendwie arbeiten als gar nicht«, sei das Credo.
Für die »Novaja Gaseta« hatte auch die vor 15 Jahren ermordete und mehrfach ausgezeichnete Journalistin Anna Politkowskaja geschrieben. Der Mord ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die Zeitung wirft den russischen Behörden vor, aus politischen Gründen kein Interesse an einer Aufklärung des Falls zu haben.