Bearbeitung von Akten verschleppt Britischer Minister soll Tod von Schutzsuchenden in Kauf genommen haben

Dominic Raab soll als Außenminister im Sommer 2021 die Evakuierung aus Kabul verzögert haben, berichtet der »Guardian«. Angeblicher Grund: Ihm habe das Dateiformat einer Personenliste nicht gefallen.
Damals Außenminister, jetzt Justizminister und Vizepremier: Dominic Raab

Damals Außenminister, jetzt Justizminister und Vizepremier: Dominic Raab

Foto: ANDY RAIN / EPA

Im Sommer 2021 eroberten die radikalislamischen Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul nach einem jahrelangen Nato-Kampfeinsatz zurück. Der Westen zog seine Truppen ab, Tausende afghanische Schutzsuche wurden unter chaotischen Zuständen evakuiert. Nun sieht sich der aktuelle britische Vizepremierminister Dominic Raab – damals Außenminister – mit dem Vorwurf konfrontiert, durch einen fahrlässigen Umgang mit Akten den Tod von Flüchtenden verursacht zu haben. Das berichtet der britische »Guardian«  unter Berufung auf Quellen im britischen Justizministerium.

Raab steht seit Tagen unter Druck. Er soll die Mitarbeitenden in seinen Häusern gemobbt haben und eine »Kultur der Angst« verbreiten. Raab war einst Brexit-Minister. Unter Boris Johnson arbeitete er zunächst als Außenminister, später wurde er Justizminister und Vizepremier. Der neue Premier Rishi Sunak berief den 48-Jährigen wieder auf diese Posten.

Nun lässt Sunak das Verhalten Raabs prüfen – dabei wurden die Anschuldigungen im Umgang mit der Kabul-Evakuierungen laut. Demnach seien »Menschen gestorben«, weil Raab sich geweigert habe, wichtige Dokumente in Dateiformaten zu lesen, die ihm nicht gefielen. Konkret ging es um Listen mit afghanischen Mitarbeitenden, die ein Anrecht auf einen Ausflug hatten. Raab habe erst Stunden später reagiert und ein Spreadsheet-Format abgelehnt, in dem die Namen gelistet waren. Der »Guardian« zitiert einen Mitarbeiter, der mutmaßt, durch diese Verzögerung hätten es einige Afghanen nicht mehr rechtzeitig zum Evakuierungsflug geschafft.

Sunak-Vertrauter unter Druck

Die Rolle des ehemaligen Außenministers bei der Evakuierung war bereits früher kritisiert worden. So weilte Raab während der kritischen Tage im Kreta-Urlaub und soll nur verzögert auf die Krisensituation reagiert haben.

Raab gilt als enger Verbündeter von Premier Sunak. Nun liegt es an Downing Street, wie mit den Skandalen umgegangen werden soll. Regierungschef Sunak beauftragte den Anwalt Adam Tolley mit der Prüfung der Mobbing-Vorwürfe – der Auftrag könnte auch auf die Evakuierungsvorwürfe ausgeweitet werden.

mrc
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