Coronavirus in den USA Fauci stärkt nach Trump-Attacke Medizinerin Birx den Rücken

US-Präsident Trump attackiert regelmäßig Medizinexperten, die vor Covid-19 warnen, zuletzt sogar die eigene Corona-Koordinatorin Deborah Birx. Nun hat der Leiter der US-Gesundheitsbehörde Fauci sie unterstützt.
Friend or Foe? Ein Graffiti in New York feiert den Mediziner Anthony Fauci als intergalaktischen Helden, US-Präsident Trump hat den Leiter der Gesundheitsbehörde NIAID wiederholt verächtlich gemacht

Friend or Foe? Ein Graffiti in New York feiert den Mediziner Anthony Fauci als intergalaktischen Helden, US-Präsident Trump hat den Leiter der Gesundheitsbehörde NIAID wiederholt verächtlich gemacht

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JASON SZENES/EPA-EFE/Shutterstock

Anthony Fauci, Leiter der Gesundheitsbehörde NIAID, hat die Einschätzung der US-Gesundheitsexpertin Deborah Birx geteilt, wonach die USA in eine "neue Phase" der Coronavirus-Epidemie eingetreten seien.

Damit stellt sich Fauci gegen US-Präsident Donald Trump, der Birx' Äußerung in einem Tweet am Montag als "armselig" bezeichnet hatte.

Fauci erklärte wie zuvor Birx, das Virus breite sich den USA derzeit in ganzen Kommunen aus und sei nicht auf einzelne Hotspots oder Einrichtungen wie Pflegeheime oder Haftanstalten beschränkt.

Die Verbreitung sei "inhärent". Wenn es wie derzeit zu einem "community spread" komme, bedeute das, das Virus sei nun "sehr viel schwieriger einzugrenzen und einzudämmen".

Coronavirus in den USA "außerordentlich weitverbreitet"

Die Medizinerin Birx ist die offizielle Koordinatorin des Weißen Hauses für eine Antwort auf das Coronavirus. Sie hatte am Sonntagabend erklärt, das Virus sei nun in den Vereinigten Staaten "außerordentlich weitverbreitet". Bislang hatte sich Birx, ehemalige Expertin der Bundesseuchenschutzbehörde CDC für Impfungen und HIV, vorsichtiger verhalten und eher im Sinne Trumps gesprochen.

Erfährt als Medizinerin nun auch Druck vom US-Präsidenten: Deborah "Debbie" Birx

Erfährt als Medizinerin nun auch Druck vom US-Präsidenten: Deborah "Debbie" Birx

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

Dass Birx nun auch entschiedener warnte, hatte Trump erzürnt. Er warf der Ärztin in seinem Tweet vor, sie wolle sich mit ihrer Einschätzung bei der oppositionellen Mehrheitsführerin der Demokraten im Kongress, Nancy Pelosi, "anbiedern".

Am Montagabend relativierte Trump seine morgendliche Attacke gegen Birx etwas. "Sie ist ein Mensch, vor dem ich viel Respekt habe", so Trump.

NIAID-Chef Fauci war selbst wiederholt zum Ziel verbaler Attacken des US-Präsidenten geworden, weil er früh und energisch vor der Verbreitung des Coronavirus und seiner Gefährlichkeit gewarnt hatte.

In den USA sind bislang fast 4,8 Millionen Menschen nachweislich an Covid-19 erkrankt, mehr als 157.000 Menschen sind an der Krankheit gestorben. Die US-Regierung hatte die Verantwortung in einer frühen Phase der Epidemie an die US-Bundesstaaten delegiert, die teils streng, teils überhaupt nicht reagierten.

Donald Trump lieferte sich jüngst in einem Fernsehinterview mit dem Reporter Jonathan Swan ein Wortgefecht über Begrifflichkeiten und verzettelte sich dabei gehörig.

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WHO: Es gibt keine "silver bullet"

Trump selbst sprach sich im Widerspruch zur Seuchenbehörde seiner Regierung lange gegen das Tragen von Mund-Nasen-Masken aus. Er spielte die Gefahr durch das Virus herunter und verbreitete gegen den Rat von Experten die Empfehlung, ein Malariaprophylaxemittel trotz starker Nebenwirkungen einzunehmen. Nun verspricht er, dass es noch vor Jahresende einen Impfstoff geben würde, auch wenn dieser erst in Monaten zugelassen werden kann.

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Am Montag erklärte der Leiter der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, es sei weiter unklar, ob es jemals einen wirksamen Impfstoff geben werde. Es gebe bislang keine "silver bullet" gegen das Coronavirus. Bis dahin sei es wichtig, Masken zu tragen, auf Hygiene zu achten und Abstand zu halten, um die Verbreitung von Covid-19 zu verlangsamen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, Fauci sei Leiter der US-Bundesseuchenschutzbehörde CDC. Das war nicht korrekt, wir haben die Stelle angepasst.

cht
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