Äußerung von Donald Trump Grenell bleibt doch Botschafter in Berlin

Donald Trump will einen Nachfolger für seinen Botschafter in Deutschland ernennen - so jedenfalls hörte sich eine Aussage des US-Präsidenten an. Offenbar aber handelte es sich um einen Versprecher.
Richard Grenell: Derzeit in einer Doppelrolle

Richard Grenell: Derzeit in einer Doppelrolle

Foto: Darko Vojinovic/ AP

Der Trump-Vertraute Richard Grenell soll doch US-Botschafter in Berlin bleiben. Von US-Regierungsbeamten hieß es am Montag, Meldungen von Nachrichtenagenturen über einen Chefwechsel in der Berliner Botschaft seien nicht zutreffend. Demnach habe sich US-Präsident Donald Trump am Sonntag bei Fragen zu dem Thema nur versprochen.

Trump hatte vor seinem Abflug nach Indien Fragen vor dem Weißen Haus beantwortet. Dabei wurde er auch nach Grenell gefragt, den er kürzlich zum Interims-Geheimdienstkoordinator ernannt hatte. "Ich werde einen Botschafter für Deutschland ernennen", sagte Trump daraufhin. Demnach habe er bereits mehrere Kandidaten im Auge, alle seien Experten, er werde bald auch Namen nennen.

Entsprechende Meldungen über die vermeintliche Ablösung Grenells als Botschafter waren kurz darauf auch bei SPIEGEL.de erschienen. Von Regierungsbeamten hieß es nun allerdings, der Präsident habe sagen wollen, dass er bald einen permanenten Geheimdienstkoordinator nominieren wolle. Dann werde Grenell wieder als sein Gesandter nach Berlin zurückkehren.

Scharfe Angriffe via Twitter

Das Wortprotokoll der Aussagen Trumps deutet in der Tat auf einen Versprecher des Präsidenten hin. So sagte er nach seinem ersten Satz über die vermeintliche Neubesetzung des Botschafterpostens, Grenell habe bereits einen "fantastischen Job" gemacht, dieser sei aber "nur temporär" - ein ziemlich eindeutiger Bezug auf den Posten als Geheimdienst-Zar.

Grenell hat seit seinem Amtsantritt als Botschafter in Berlin viel Aufsehen erzeugt und harsche Reaktionen provoziert. So griff er die Bundesregierung regelmäßig und öffentlich scharf an. Meist über Twitter brach er dabei mit der Regel, dass man im diplomatischen Verkehr eigentlich nur hinter verschlossenen Türen richtig streitet.

Themen für regelrechte Wutausbrüche gab es reichlich. Mal waren es die aus US-Sicht zu geringen deutschen Verteidigungsausgaben, dann die Iran-Politik, die "Nordstream 2"-Ölpipeline oder der Frage, ob Huawei am Aufbau des deutschen 5G-Netzwerks beteiligt werden sollte.

Einen seiner heftigsten Tweets versendete Grenell erst vergangene Woche. "Sie wünschen sich die USA", twitterte der 53-Jährige, "die Sie nicht zur Zahlung Ihrer Nato-Pflichten drängen, wegschauen, wenn Sie zu viel russisches Gas kaufen, nicht zwingen, Ihren in New York lebenden Nazi-Gefängniswärter zurückzunehmen, Ihre höheren Autozölle akzeptieren und trotzdem noch 50000 Soldaten in Ihr Land schicken."

Vorerst aber wird sich Grenell statt um Tweets hauptsächlich um die Koordination der US-Geheimdienste kümmern und dafür in Washington arbeiten. Seine Aufgaben in der Botschaft übernimmt zunächst sein Vize.

mgb/ulz
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