Medienbericht Früheres Model wirft Trump sexuellen Übergriff vor

Dutzende Frauen werfen Donald Trump sexuelle Übergriffe vor, nun gibt es einen weiteren Fall: 1997 soll der heutige US-Präsident das Model Amy Dorris festgehalten und begrapscht haben - Trump bestreitet dies.
Donald Trump Mitte der Neunzigerjahre in seinem Büro

Donald Trump Mitte der Neunzigerjahre in seinem Büro

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ANDERS KRUSBERG / AP

Der New Yorker Stadtteil Queens, 5. September 1997: Beim Tennisturnier US Open sitzt der Immobilienunternehmer Donald Trump mit einigen Gästen in seiner VIP-Loge. An jenem Freitag soll sich etwas ereignet haben, das den heutigen US-Präsidenten Trump nun einholt.

Denn ein Gast in der Loge war Amy Dorris, damals 24 Jahre alt. Sie erhebt in der britischen Zeitung "Guardian"  schwere Vorwürfe gegen Trump: Er sei vor der Toilette der Loge - durch eine Trennwand geschützt vor anderen Blicken - sexuell übergriffig geworden.

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"Er hat mir einfach seine Zunge in den Mund gesteckt und ich habe ihn weggedrückt. Dann wurde sein Griff fester", zitiert die Zeitung Dorris. Trumps Hände seien "auf meinem Hintern, meinen Brüsten, meinem Rücken" gewesen. Sie habe ihm "nein" gesagt und ihn gebeten aufzuhören. Aber "es war ihm egal". Trump war damals 51 Jahre alt und mit seiner zweiten Frau Marla Maples verheiratet.

Trumps Anwälte sprechen von politisch motivierten Vorwürfen

Der Zeitung zufolge untermauern die Aussagen mehrerer Personen Dorris' Angaben. Trumps Anwälte teilten dem "Guardian" indes mit, ihr Mandant bestreite auf das Schärfste, Dorris belästigt, missbraucht oder sich ungebührlich gegenüber ihr verhalten zu haben. Sie argumentieren, wenn es zu Übergriffen gekommen wäre, hätte es in der Loge zahlreiche Zeugen geben müssen. Dorris habe die Sache nie gegenüber Trump oder den Behörden zur Sprache gebracht.

Zudem fragten die Anwälte laut "Guardian", weshalb Dorris in den folgenden Tagen erneut in Trumps Loge gegangen und gemeinsam mit ihm und ihrem damaligen Partner, einem Freund Trumps, eine Gedenkfeier für den Designer Gianni Versace besucht habe. Auf die Frage, warum sie weiter Zeit mit Trump verbracht habe, sagte Dorris, sie sei mit ihrem damaligen Partner aus Florida nach New York gereist. "Ich hatte kein Geld", zudem habe sie keine andere Anlaufstelle gehabt. Und sie habe erst später begriffen, was geschehen sei.

Von Trumps Anwälten hieß es, der Umstand, dass Dorris sich so kurz vor der US-Präsidentschaftswahl äußere, deute darauf hin, dass die Vorwürfe politisch motiviert seien.

Die Rechtsberaterin von Trumps Wahlkampfteam, Jenna Ellis, erklärte auf Anfrage: "Die Anschuldigungen sind völlig falsch." Es handele sich um einen weiteren "erbärmlichen Versuch", Trump kurz vor der Wahl am 3. November anzugreifen.  

Tatsächlich werden Dorris' Anschuldigungen zu einem sensiblen Zeitpunkt öffentlich: Bis zur Präsidentschaftswahl in den USA sind es nur noch gut sechs Wochen. Anhänger des demokratischen Kandidaten Joe Biden dürften darauf setzen, dass der "Guardian"-Bericht Trump schadet. Das Wahlkampfteam des Präsidenten will rechtlich gegen die Veröffentlichung vorgehen.

Dutzende Frauen haben Trump über die Jahre sexuelle Übergriffe vorgeworfen

Doch allzu große Hoffnungen sollten sie sich wohl nicht machen, schließlich ist Trumps Frauenbild ausgiebig dokumentiert . Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 tauchte eine Aufnahme aus dem Jahr 2005 auf. Darin unterhielt sich Trump mit dem Moderator Billy Bush und prahlte mit sexuellen Übergriffen auf Frauen.

Zudem haben mehr als zwei Dutzend Frauen Trump über die Jahre sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Bereits im Wahlkampf 2016 wandten sich einige von ihnen an die Öffentlichkeit. Damals schien es, als könnten die Aufnahme und die Vorwürfe der Frauen Trumps politische Ambitionen beenden. Weniger als einen Monat später wurde er zum Präsidenten gewählt, auch im Weißen Haus wurde er die Vorwürfe nicht los.

Die Unterstützung seiner Anhänger ist dadurch nicht geringer geworden. Trump hat die Anschuldigungen wie bei Dorris stets dementiert, in manchen Fällen mit dem Hinweis, die Frauen seien nicht attraktiv genug für ihn.

"Ich habe es satt, dass er damit durchkommt"

Laut "Guardian" erwog Dorris bereits 2016, ihre Vorwürfe öffentlich zu machen. Sie habe sich unter anderem dagegen entschieden, weil sie Angst hatte, die Sache könne ihrer Familie schaden.

Diese Sorge ist heute auch noch berechtigt. Mit der Veröffentlichung dürfte Dorris den Zorn vieler Trump-Anhänger auf sich gezogen haben. Inzwischen, sagt Dorris, seien ihre Zwillingstöchter 13 Jahre alt. "Ich möchte, dass sie sehen, dass ich nicht geschwiegen habe, dass ich mich jemandem entgegengestellt habe, der etwas Inakzeptables getan hat."

Zudem sei es frustrierend, dass die Frauen selbst als Lügnerinnen dargestellt würden. "Ich habe es satt, dass er damit durchkommt", sagte sie über Trump.

ulz
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