"Proud Boys" Trump kennt rechtsextreme Gruppe angeblich gar nicht

"Haltet euch zurück, und haltet euch bereit" - so hatte sich Donald Trump im ersten TV-Duell mit Joe Biden an die "Proud Boys" gewandt. Er kenne die rechtsextreme Gruppe gar nicht, sagte er jetzt.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS

US-Präsident Donald Trump ist nach seinem scharf kritisierten Aufruf an eine rechtsradikale Gruppe, sich "bereitzuhalten", zurückgerudert. "Sie müssen sich zurückziehen und die Polizei ihre Arbeit machen lassen", sagte Trump am Mittwoch in Washington. Zugleich beteuerte der Präsident, er kenne die gewaltbereite Gruppierung "Proud Boys" nicht, die er noch am Vorabend namentlich erwähnt hatte: "Ich weiß nicht, wer die Proud Boys sind."

Auf die Frage einer Reporterin, ob er "White Supremacists" - also Rechtsextremisten, die von einer Vorherrschaft von Weißen überzeugt sind - verurteilt, sagte Trump: "Ich habe immer jede Form ..., jede Form von so etwas verurteilt." Den Begriff "White Supremacists" nahm er nicht in den Mund.

Trump hatte sich am Dienstagabend beim TV-Duell mit seinem Wahl-Herausforderer Joe Biden direkt an die rechtsradikale Gruppe gewandt: "Proud Boys - haltet euch zurück und haltet euch bereit." Der Präsident reagierte damit auf die Frage des Moderators, ob er bereit sei, sich von rassistischen Gruppen zu distanzieren - und löste empörte Reaktionen unter anderem von Bürgerrechtsaktivisten aus. Wofür sich die "Proud Boys" (Deutsch etwa stolze Jungs oder stolze Kerle) genau "bereit" halten sollten, ließ Trump offen.

DER SPIEGEL

Die am Dienstagabend geäußerten Worte ("stand back and stand by") sind auf Englisch sehr ähnlich zu dem Ausdruck, den Trump am Mittwoch verwendete ("stand down"), um rechte Gruppierungen aufzufordern, sich zurückzuziehen und die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen.

Am Rande von Anti-Rassismus-Protesten in den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen - und zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen rechten Gruppierungen und linken Aktivisten unter anderem der Antifa-Bewegung.

Trump hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder abgelehnt, sich klar von rassistischen Gruppierungen zu distanzieren. Am Mittwoch kritisierte Trump erneut die Antifa, die er in den vergangenen Monaten regelmäßig für Gewalt am Rande der Black-Lives-Matter-Proteste verantwortlich gemacht hatte.

Kritiker werfen Trump vor, vor der Präsidentschaftswahl am 3. November gezielt die Spannungen in dem Land zu schüren. Beobachter warnen vor möglicher Gewalt durch rechtsradikale bewaffnete Milizen, sollte der Amtsinhaber die Wahl verlieren und eine Niederlage nicht anerkennen. In Umfragen liegt Trump seit Monaten hinter seinem Herausforderer Biden von den oppositionellen Demokraten.

"Ich denke, dass er sehr schwach war"

Trump hat sich am Mittwoch zudem zum Sieger der ersten Debatte vor der Präsidentschaftswahl erklärt. "Wir haben die Debatte gestern Abend nach jedem Maßstab mühelos gewonnen", sagte der Republikaner im Garten des Weißen Hauses. Mit Blick auf Biden - der am 3. November für die Demokraten in die Wahl zieht - sagte Trump: "Ich denke, dass er sehr schwach war. Er sah schwach aus, er jammerte." Trump sagte, er wolle auch die nächsten zwei TV-Debatten gegen Biden bestreiten. Sollte sein Herausforderer nicht teilnehmen wollen, sei das dessen Entscheidung.

Trump sagte, er habe "ungefähr sechs" Umfragen gesehen, die ihn als Sieger bei der Debatte gesehen hätten. Es war unklar, auf welche Erhebungen er sich bezog. In manchen Twitter-Umfragen - die ohne wissenschaftliche Grundlage als unzuverlässig gelten - lag Trump zwar vorne. In Blitzumfragen der Sender CBS und CNN hielt dagegen eine Mehrheit Biden für erfolgreicher bei der Debatte als Trump.

Biden bezeichnetet den Auftritt von Trump beim TV-Duell als "Peinlichkeit für das Land". Trump habe 90 Minuten lang alles versucht, um abzulenken, sagte Biden am Mittwoch in Alliance im US-Bundesstaat Ohio vor Journalisten. Der Republikaner war Biden bei der Debatte am Dienstagabend (Ortszeit) ständig ins Wort gefallen und hatte ihn auch persönlich angegriffen. "Trump hat keinen Plan, keine Ideen", sagte Biden. Auf die Frage, was er unentschiedenen Wählern sage, die die Debatte gesehen hätten und genug von der Politik hätten, sagte der Demokrat: "Ich kann es verstehen."

hen/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.