Ex-US-Vizepräsident Pence fordert von Trump Entschuldigung für Dinner mit Rechtsextremem

In ungewohnter Schärfe äußert sich Mike Pence über das Abendessen von Donald Trump mit dem bekannten Rassisten Nick Fuentes. Der Ex-Vize verlangt eine Richtigstellung durch seinen früheren Boss.
Mike Pence (M.) mit Donald Trump und Nancy Pelosi im Weißen Haus (2018)

Mike Pence (M.) mit Donald Trump und Nancy Pelosi im Weißen Haus (2018)

Foto: Evan Vucci / dpa

Während der gemeinsamen Amtszeit galt Mike Pence als Vize seinem damaligen Chef Donald Trump als treu ergeben – trotz einer ganzen Reihe von Entgleisungen und Skandalen. Inzwischen bewirbt sich Trump erneut um das Weiße Haus, und auch Pence werden Ambitionen nachgesagt. Allerdings dieses Mal auf den Chefsessel. Wohl auch deshalb kommen nun eher deutliche Worte aus dem Pence-Lager.

Trumps Dinner mit Rapper Kanye West, bei dem auch der rechtsextreme Nationalist Nick Fuentes dabei war, verlange nach einer öffentlichen Entschuldigung, sagte Pence am Montag (Ortszeit) dem Sender NewsNation. »Ich denke, der Präsident hat ein äußerst schlechtes Urteilsvermögen bewiesen, als er diesen Personen einen Platz am Tisch einräumte.«

Sowohl Fuentes als auch West, der sich mittlerweile Ye nennt, sind bekannt dafür, Verschwörungstheorien und antisemitische Parolen zu verbreiten.

»Es war falsch von Präsident Trump, einem weißen Nationalisten, einem Antisemiten und einem Holocaustleugner einen Platz am Tisch zu geben, und ich denke, er sollte sich dafür entschuldigen«, sagte Pence. Er glaube zwar nicht, dass Trump ein Antisemit oder Rassist sei – sonst hätte er nicht für ihn gearbeitet. Allerdings sollte Trump die »hasserfüllte Rhetorik« seiner Gäste öffentlich verurteilen.

Dinner mit Randfiguren wie Fuentes und Ye

Trump hatte West und Fuentes vergangene Woche in seinem Anwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida empfangen. Als es daraufhin Kritik setzte, behauptete er, Fuentes nicht gekannt zu haben. Diese Version wird aber auf breiter Front angezweifelt. Über West schrieb Trump in dem von ihm mitgegründeten Netzwerk Truth Social: »Wie auch immer, wir kamen gut miteinander aus, er äußerte keinen Antisemitismus.«

Der 63-jährige Pence war einst ein loyaler Verbündeter Trumps, distanzierte sich aber zuletzt von seinem ehemaligen Vorgesetzten. Jüngst erklärte er, über eine Präsidentschaftskandidatur nachzudenken und dann auch bereit zu sein, gegen Trump anzutreten.

Der 13 Jahre ältere Ex-Präsident hatte vor knapp zwei Wochen erklärt, für die Republikaner 2024 noch einmal ins Rennen um das Weiße Haus gehen zu wollen. Allerdings ist die Begeisterung in der eigenen Partei noch überschaubar. Das gilt erst recht nach den Midterm-Wahlen Anfang November.

Das schwache Abschneiden der Republikaner führen nicht wenige Kritiker auch auf Trump zurück. Zahlreiche von diesem handverlesene Kandidaten waren krachend gescheitert, während gemäßigtere Anwärter insgesamt erfolgreicher abschnitten.

jok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.