Auftritt in Tulsa Trump-Mitarbeiter ließen offenbar Corona-Abstandssticker entfernen

Kommt Trump, müssen Hallen voll aussehen. Offenbar koste es, was es wolle: Vor dem umstrittenen Auftritt des US-Präsidenten in Tulsa sollen Wahlkampfhelfer die Entfernung von Corona-Sicherheitsaufklebern erwirkt haben.
Vorn Donald Trump, dahinter dicht an dicht die Fans: Viele trugen Maga-Kappen, wenige hingegen die von Trump verachteten Mund-Nasen-Bedeckungen

Vorn Donald Trump, dahinter dicht an dicht die Fans: Viele trugen Maga-Kappen, wenige hingegen die von Trump verachteten Mund-Nasen-Bedeckungen

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Sue Ogrocki/ AP

Es sollte ein Neustart für Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2020 werden, doch dann blieb mehr als die Hälfte der Sitze leer: Mitten in der Corona-Epidemie - die bereits mehr als 127.000 Leben in den USA gefordert hat - lud der Präsident zu einer Massenveranstaltung in eine Halle in Tulsa, Oklahoma.

Gut 19.000 Anhänger sollten die Reihen füllen, Abertausende vor der Halle auf Extratribünen stehen. Trumps Team plante einen Triumphzug, um das Blatt für den Staatschef im Umfragetief  zu wenden.

Nun berichten US-Medien, dass dem für Trump ungemein wichtigen Eindruck einer vollbesetzten Halle offenbar nachgeholfen und dafür auch Corona-Abstandsregeln bewusst verletzt worden seien.

Zuerst hatte darüber die Website "Billboard"  bereits am Freitag berichtet. Demnach galten für das BOK Center, in dem die Trump-Wahlkampfshow am 20. Juni stattfand, vom Hallenbetreiber aufgestellte Abstandsregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Dem Bericht zufolge sollte immer ein Sitz zwischen zwei Besuchern frei bleiben, jeder zweite Sitz war mit einem "Do Not Sit Here Please!" ("Hier bitte nicht hinsetzen!")-Aufkleber gekennzeichnet.

"Billboard" zitierte den Vizechef des Hallenbetreibers ASM Global, Dough Thornton, so: "Die Kampagnen-Mitarbeiter liefen herum und entfernten die Aufkleber."

Screenshot aus dem Video, das der "Washington Post" zugespielt wurde und das auf deren Website zu sehen ist

Screenshot aus dem Video, das der "Washington Post" zugespielt wurde und das auf deren Website zu sehen ist

Foto: Washington Post

Thornton sagte zudem, Mitglieder des Trump-Teams hätten schon während der Verteilung der Aufkleber interveniert und das Personal des Hallenbetreibers angewiesen, die Sticker nicht weiter aufzukleben. Dann hätten mutmaßliche Trump-Mitarbeiter mit dem Einsammeln begonnen. Außerdem habe das Trump-Team noch erklärt, Hinweisschilder, die zum Social Distancing auffordern, sollten nicht aufgestellt werden.

Trump-Sprecher: Es gab "Hinweisschilder", er wisse aber nichts von einer Anweisung, sie zu entfernen

Am Sonntag schrieb die US-Zeitung "Washington Post", eine nicht namentlich genannten Quelle habe den Vorfall wie von "Billboard" berichtet bestätigt . Außerdem gebe es Fotos und Videoaufnahmen vom Entfernen der Aufkleber. Ein solches Video zeigt das US-Medium auf seiner Website.

Auf Nachfrage der "Washington Post" bestätigte Trumps Wahlkampfsprecher Tim Murtaugh, es habe "Hinweisschilder" gegeben. Man sei sich "nicht bewusst, dass Kampagnen-Mitarbeiter deren Entfernung verlangt" hätten. Zudem sei bei jedem Veranstaltungsteilnehmer die Temperatur gemessen, Masken an sie verteilt und Desinfektionsmittel bereitgestellt worden, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des Trump-Teams an die "Washington Post".

Allein auf den oberen Rängen: Von den 19.000 Sitzplätzen blieb am 20. Juni mehr als die Hälfte leer - offenbar auch, weil Trump-Gegner mit einer Onlinekampagne den Ticketverkauf sabotierten

Allein auf den oberen Rängen: Von den 19.000 Sitzplätzen blieb am 20. Juni mehr als die Hälfte leer - offenbar auch, weil Trump-Gegner mit einer Onlinekampagne den Ticketverkauf sabotierten

Foto: Leah Millis/ REUTERS

Der US-Präsident hatte zu Beginn der Pandemie die Gefahr durch das Virus Sars-CoV-2 heruntergespielt. Trump ist Gegner der Maskenpflicht und verweigert auch bei Firmenbesuchen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Vor wenigen Tagen irritierte er mit der Aussage, es solle weniger auf das Virus getestet werden, dann würden auch die Fallzahlen sinken. Er nahm - entgegen dem Rat von Medizinern - das Malariamedikament Hydroxychloroquin ein und legte nahe, womöglich könnten Injektion oder das Trinken von Desinfektionsmittel gegen das Coronavirus helfen.

Trumps Team erklärt, alle Besucher hätten eine Maske erhalten, zumindest auf den Fotos der Veranstaltung hat fast niemand eine auf

Trumps Team erklärt, alle Besucher hätten eine Maske erhalten, zumindest auf den Fotos der Veranstaltung hat fast niemand eine auf

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Sarah Phipps/ Bryan Terry/The Oklahoman-USA TO/Sipa USA

Inzwischen machen die galoppierenden Covid-19-Zahlen in den USA - 2,5 Millionen Erkrankte, rund 40.000 Neuansteckungen täglich – auch der US-Regierung größere Sorgen. Aus einem "Übermaß an Vorsicht" sagte daraufhin Trump-Vize Mike Pence Wahlkampfauftritte in den besonders schwer vom Virus betroffenen US-Bundesstaaten Arizona und Florida ab.

cht
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