Vorwürfe aus den eigenen Reihen Republikaner kritisieren Trump, weil er sich nicht von Rassisten distanziert

Donald Trump wollte Rassisten im TV-Duell mit Joe Biden nicht verurteilen. Dafür setzt es nun Kritik aus der eigenen Partei. Republikanische Senatoren forderten, Trump solle "die Sache aufklären".
Tim Scott kritisiert Trump: "Wenn er es nicht korrigiert, hat er sich wohl nicht versprochen"

Tim Scott kritisiert Trump: "Wenn er es nicht korrigiert, hat er sich wohl nicht versprochen"

Foto: POOL / REUTERS

Donald Trump wollte sich nicht von Rassisten abgrenzen. Als der US-Präsident im TV-Duell gegen Joe Biden gefragt wurde, ob er sich von Rassisten, die an eine "weiße Vorherrschaft" glauben, distanzieren wolle, ließ er diese Chance verstreichen. Ganz im Gegenteil forderte Trump die rechtsradikale, gewaltbereite Gruppe "Proud Boys" auf, sich "bereitzuhalten". Abseits der chaotischen TV-Debatte voller persönlicher Beleidigungen blieb vor allem diese Sequenz in Erinnerung - und sorgt nun für Kritik aus den eigenen Reihen.

DER SPIEGEL

Tim Scott, der einzige schwarze Republikaner im Senat, sagte, der Glaube an eine "weiße Vorherrschaft" sollte "jederzeit angeprangert werden." Scott vermutete, Trump habe sich "falsch ausgedrückt" und sollte das korrigieren: "Wenn er es nicht korrigiert, hat er sich wohl nicht versprochen."

Scott bekam Unterstützung von Mitch McConnell, dem Mehrheitsführer der Republikaner im Senat. McConnell, eigentlich ein Unterstützer Trumps, schloss sich laut "New York Times"  Scotts Worten an. "Er sagte, es sei inakzeptabel, weiße Rassisten nicht zu verurteilen, und das sage ich auch auf die schärfste Art und Weise", so McConnell.

Neben McConnell schlossen sich weitere Senatoren der Kritik an Trump an. Der US-Präsident solle "die Sache aufklären", sagte Senator John Thune. Und Senator Bill Cassidy forderte, Trump solle den Glauben an die "weiße Vorherrschaft unmissverständlich verurteilen". Senatorin Susan Collins sagte ebenfalls, Trump solle dies "absolut" verurteilen.

Trumps zweifelhafte Reaktion

Der US-Präsident reagierte am Mittwoch auf die Kritik. Er kenne die rassistische, gewaltbereite Gruppierung "Proud Boys" nicht, die er noch am Vorabend namentlich erwähnt hatte. "Ich weiß nicht, wer die Proud Boys sind", sagte Trump. Eine Reporterin sprach ihn erneut auf Rechtsextremisten, die von einer Vorherrschaft von Weißen überzeugt sind, an. Trump antwortete: "Ich habe immer jede Form (...), jede Form von so etwas verurteilt." Den Begriff "White Supremacists" erwähnte er nicht.

Am Rande von Anti-Rassismus-Protesten ist es in den USA in den vergangenen Monaten immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen - und zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen rechten Gruppierungen wie den "Proud Boys" und linken Aktivisten, unter anderem der Antifa-Bewegung.

Trump hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder abgelehnt, sich klar von rassistischen Gruppierungen zu distanzieren. Herausforderer Joe Biden hatte den Präsidenten auch deswegen im TV-Duell einen "Rassisten" genannt.

ptz/AP
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