Erkrankter US-Präsident Mediziner und Politiker kritisieren Trumps Autotour

"Verblüffende Verantwortungslosigkeit": Donald Trumps überraschender Fanbesuch hat scharfe Kritik ausgelöst. Laut einem Arzt des Walter-Reed-Krankenhauses habe der US-Präsident andere Menschen erheblich gefährdet.
Donald Trump im Auto vor dem Walter Reed National Military Medical Center in Bethesda, Bundesstaat Maryland

Donald Trump im Auto vor dem Walter Reed National Military Medical Center in Bethesda, Bundesstaat Maryland

Foto: CHERISS MAY / REUTERS

Eigentlich soll sich der US-Präsident derzeit von seiner Covid-Infektion erholen. Doch es ist Wahlkampf, in weniger als einem Monat wird entschieden, wer die nächsten vier Jahre im Weißen Haus sitzt. Die PR-Wirkung dürfte daher eine wichtige Rolle gespielt haben, als sich Donald Trump am Sonntag überraschend an wartenden Anhängern vorbeifahren ließ. Nun gibt es erhebliche Kritik an der Aktion.

Trump war in einem schwarzen Geländewagen vor dem Krankenhaus herumgefahren worden und hatte durch die geschlossene Scheibe den Fans zugewinkt. Im Fahrzeug befanden sich mindestens zwei weitere Personen. Diese seien einem erheblichen Risiko ausgesetzt worden, schrieb Doktor James Phillips auf Twitter. Er arbeitet unter anderem am Walter Reed National Military Medical Center, wo der US-Präsident derzeit behandelt wird.

Nach seinen Angaben ist der Wagen des Präsidenten nicht nur kugelsicher, sondern wegen der Gefahr einer chemischen Attacke auch hermetisch abgeriegelt. Das Risiko einer Infektion im Innenraum sei riesig. Er denke an die Mitglieder des Secret Service, die zum Schutz des Präsidenten mit dabei waren.

"Jede einzelne Person in diesem Auto muss nun für 14 Tage in Quarantäne. Sie könnten krank werden. Sie könnten sterben. Für politisches Theater. Von Trump dazu befohlen, ihr Leben für ein Schauspiel zu riskieren. Das ist Irrsinn", so Phillips auf Twitter weiter.

DER SPIEGEL

Auch beim politischen Gegner löste die Aktion Unverständnis aus. Der demokratische Senator Brian Schatz erklärte, er bete für das Secret-Service-Personal: "Diese Leute kennen die Risiken ihres Jobs. Aber sie sollten nicht darüber nachdenken müssen, dass die Gefahr von der Person ausgeht, die sie beschützen sollen."

Das Weiße Haus hatte naturgemäß eine etwas andere Sicht auf die möglichen Risiken. Sprecher Judd Deere bezeichnete die Aktion als "kurze, spontane Kolonnenfahrt, um den Anhängern zuzuwinken". Alle nötigen Vorkehrungen seien getroffen und die Ausfahrt mit dem medizinischen Personal abgesprochen gewesen.

Angeblich verschwieg Trump einen ersten Positivtest

Kurz zuvor hatte das "Wall Street Journal"  berichtet, dass Trump offenbar einen ersten positiven Corona-Test verschwiegen hatte. Demnach sei bereits am Donnerstag ein Schnelltest positiv ausgefallen. Trump habe das Testergebnis allerdings nicht öffentlich gemacht. Vielmehr trat er anschließend beim US-Sender Fox News auf.

Dort bestätigte er zwar Berichte, wonach eine seiner engsten Mitarbeiterinnen positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Er erwähnte auch den zweiten Test, den er in der Nacht durchgeführt hatte und auf dessen Ergebnisse er wartete. Dass ein erster Test bereits positiv ausgefallen war, erfuhr die Öffentlichkeit jedoch nicht.

Tatsächlich machte Trump seine Corona-Erkrankung erst nach dem zweiten Test publik. Per Twitter erfuhr die Öffentlichkeit die Nachricht am frühen Freitagmorgen amerikanischer Zeit.

Trump erholt sich seinen Ärzten zufolge von seiner Erkrankung zunehmend und könnte schon am Montag wieder von der Militärklinik ins Weiße Haus zurückkehren. "Dem Patienten geht es zunehmend besser. Er ist seit Freitagmorgen ohne Fieber", sagte Trumps Arzt Sean Conley am Sonntag.

Chaotische Kommunikation zur Verfassung des Präsidenten

Nach zuletzt widersprüchlichen Informationen über seinen Zustand der vergangenen Tage gab Conley am Sonntag zu, dass der Zustand des Präsidenten zeitweise schlechter war als angegeben. Trump habe am Freitag hohes Fieber gehabt. Zudem sei dem 74-Jährigen am Freitag nach schlechten Sauerstoffwerten im Blut Sauerstoff zugeführt worden.

Auch habe er unter anderem das Mittel Dexamethason verabreicht bekommen. Dieses erhöht Studien zufolge die Überlebensrate von klinischen Covid-19-Patienten, die Sauerstoff benötigen. Bei milden Verläufen soll es hingegen nicht verabreicht werden.

Trump selbst hatte am Samstag auf Twitter erklärt, dass ihm bei der Erkrankung die "wahre Prüfung" noch bevorstehe. Zudem sagten die Ärzte am Sonntag, der Zustand von Trumps Lungen werde weiter beobachtet. Ob es dort zuletzt Auffälligkeiten gab, blieb offen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, der Name von Trumps Leibarzt sei Sean Dooley. Er heißt jedoch Sean Conley. Wir haben die Stelle korrigiert.

jok/Reuters
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