Laut Medienbericht Trump soll ein weiteres Mal versucht haben, Wahlausgang zu beeinflussen

Schon Ende Dezember soll US-Präsident Donald Trump im Bundesstaat Georgia angerufen und einen leitenden Beamten unter Druck gesetzt haben. Das berichtet die »Washington Post«.
Noch-US-Präsident Donald Trump bei einer Rede im Dezember

Noch-US-Präsident Donald Trump bei einer Rede im Dezember

Foto: SAUL LOEB / AFP

Der scheidende US-Präsident Donald Trump soll einem Medienbericht zufolge in einem weiteren Fall versucht haben, Einfluss auf das Ergebnis der Präsidentenwahl im Bundesstaat Georgia zu nehmen. Die »Washington Post«  berichtete am Samstag, Trump habe den leitenden Wahlermittler bereits am 23. Dezember in einem Telefonat aufgefordert, »den Betrug zu finden«. Trump habe ihm im Gegenzug in Aussicht gestellt, ein »Nationalheld« zu werden, so die Zeitung.

Der für die Wahlen zuständige Innenminister Brad Raffensperger bestätigte das Telefonat gegenüber der »Washington Post«, sagte aber, er kenne die spezifischen Aussagen Trumps nicht. Er halte es jedoch für unangebracht, dass ein gewählter Politiker sich in eine Untersuchung über Wahlbetrug einschalte: »Ich glaube nicht, dass ein gewählter Beamter in diesen Prozess einbezogen werden sollte«, so Raffensberger.

Auch Anruf bei Raffensperger

Trump hatte auch auf Raffensperger selbst Druck ausgeübt, um Bidens knappen Sieg in Georgia bei der Präsidentenwahl nachträglich zu kippen. In einem Telefonat am 2. Januar forderte Trump den Minister – der ebenfalls ein Republikaner ist – unverblümt auf, das Ergebnis »nachzuberechnen«. Trump sagte laut dem von zahlreichen US-Medien veröffentlichten Mitschnitt des Gesprächs, er wolle, dass 11.780 Stimmen für ihn gefunden würden, damit der Bundesstaat an ihn gehe. »Es kann nicht sein, dass ich Georgia verloren habe.« Tatsächlich lag Biden nach zwei Neuauszählungen in Georgia 11.779 Stimmen vor Trump.

Seit der Präsidentenwahl am 3. November 2020, bei der er gegen den Demokraten Joe Biden verloren hatte, behauptete Trump immer wieder ohne Belege, er sei durch massiven Wahlbetrug in Georgia und anderen Bundesstaaten um den Sieg gebracht worden.

Erst nach dem Sturm seiner Anhänger auf das US-Kapitol kündigte er schließlich an, der Amtsübergabe an Biden nicht länger im Weg zu stehen. Am Mittwoch hatten wütende Anhänger Trumps den Sitz des US-Kongresses erstürmt, in dem die Abgeordneten und Senatoren das Wahlergebnis zertifizieren und Bidens Sieg offiziell machen sollten. Kritiker werfen Trump vor, den Mob bei einer vorhergehenden Kundgebung angestachelt zu haben.

sos/dpa