Auftritt in Ohio Trump spielt musikalische Hommage an QAnon-Verschwörer

Donald Trump buhlt um die Unterstützung der QAnon-Anhänger. Bei einer Rede in Ohio lief ein Musikstück, das frappierend an die »Hymne« der Verschwörungsgruppe erinnert. Die Reaktion des Publikums war eindeutig.
Trump bei Auftritt in Ohio

Trump bei Auftritt in Ohio

Foto: DAVID MAXWELL / EPA

Schon lange ist das Verhältnis von Donald Trump und den Anhängern der kruden QAnon-Verschwörungsmythologie von gegenseitiger Sympathie geprägt. So offen wie am Wochenende bei einem Auftritt im Bundesstaat Ohio, allerdings hat der ehemalige US-Präsident kaum jemals um die Stimmen dieses Personenkreises geworben.

In der Stadt Youngstown war Trump aufgetreten, um Wahlkampf für den republikanischen Senatskandidaten J.D. Vance zu machen. Dabei hielt Trump eine Rede, die musikalisch untermalt war. Und bei der Auswahl des Musikstücks wurden politische Beobachter hellhörig. Wie unter anderem die »New York Times« berichtet , war der Track praktisch nicht von der sogenannten »QAnon-Hymne« zu unterscheiden.

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Zu den Musikklängen und Trumps Worten reckten zahlreiche Personen im Publikum den Arm in die Höhe – mutmaßlich, weil sie den Fingerzeig des ehemaligen Präsidenten verstanden hatten.

Anhänger der rechten QAnon-Verschwörungstheorie sind davon überzeugt, dass eine einflussreiche Gruppe satanistischer Kinderschänder Jungen und Mädchen entführt und gefangen hält, um aus ihrem Blut eine Droge zu gewinnen. Sie glauben, dass das Coronavirus – womöglich mithilfe von Barack Obama – in einem chinesischen Labor entwickelt wurde, um Trump zu schaden und seine Wiederwahl zu verhindern; auch das ist so absurd wie falsch. Und sie halten Trump für einen Helden, der gegen den »deep state« kämpft und die Welt vor einer bestialischen Clique beschützen will. Das FBI geht davon aus, dass viele Anhänger der Gruppe gewaltbereit und bewaffnet sind.

Angeblich reiner Zufall bei der Musikauswahl

Offiziell weist das Trump-Team jeden Flirt mit dieser Randgruppe zurück. Demnach handele es sich bei dem Instrumental-Track um das Stück »Mirrors« von einer öffentlichen und tantiemenfreien Musikplattform. Jegliche Verbindung zu QAnon sei von den Medien konstruiert, behauptete Trump-Sprecher Taylor Budowich. Er sprach von einem »lächerlichen Versuch, einen Skandal zu provozieren und das Land zu spalten«. Bei den Zuschauerinnen und Zuschauern in Ohio allerdings dürfte Trumps Botschaft sehr klar angekommen sein.

Dazu passt außerdem, dass sich Trump laut der »New York Times« zuletzt in seinem eigenen Truth-Social-Netzwerk mit einem Q-Anstecker zeigte. Unter dem Foto stand demnach der Satz »Der Sturm zieht auf«. Unter QAnon-Anhängern wird dieser »Sturm« als Machtergreifung durch Trump und die Verhaftung und mögliche Hinrichtung seiner politischen Gegner interpretiert.

In der Kontroverse um die Musikwahl in Ohio ging beinahe unter, dass Trump den Senats-Anwärter J. D. Vance auf öffentlicher Bühne bloßstellte. »J. D. küsst mir den Hintern, so dringend will er meine Unterstützung«, sagte der ehemalige Präsident und zeigte dabei auf Vance. Im US-Sender CNN  bezeichnete die ehemalige republikanische Abgeordnete Barbara Comstock den Auftritt als »erniedrigend« für Vance.

jok
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