Streit über Trumps künftiges Domizil »Wir wollen nicht, dass Sie unser Nachbar sind«

Donald Trump verbringt gern Zeit auf seinem Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida – zum Leid von Anwohnern. Sie versuchen laut einem Bericht zu verhindern, dass der abgewählte US-Präsident dauerhaft ihr Nachbar wird.
Trumps Club Mar-a-Lago in Palm Bach, Florida

Trumps Club Mar-a-Lago in Palm Bach, Florida

Foto: Douglas E. Murray / AP

Donald Trump nennt es sein »Weißes Haus für den Winter«: Während seiner Präsidentschaft verbrachte Trump schon reichlich Zeit auf seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida – und könnte nach Ende seiner Amtszeit noch deutlich häufiger dort sein. Einige Anwohner befürchten, Trump könnte dauerhaft einziehen. Nun richten sie eine klare Botschaft an ihn: »Wir wollen nicht, dass Sie unser Nachbar sind«. Das berichtet die »Washington Post «, der das entsprechende Schreiben vorliegt.

Demnach verschickte ein Anwalt der Nachbarn einen entsprechenden Brief an den Secret Service und an die Stadt Palm Beach. Darin schreiben sie, Trump habe kein Recht darauf, dauerhaft in der Anlage, die als Privatklub gilt, zu residieren. Sie beziehen sich dabei auf Regelungen aus den Neunzigerjahren. Damals wandelte Trump das Anwesen von einem Privatsitz in einen Privatklub um.

Die Anwohner fordern von der Stadt Palm Beach, Trump diesen Umstand kenntlich zu machen. Dies würde die »peinliche Situation« vermeiden, dass der scheidende Präsident zuerst dort hinziehe, später aber wieder fortziehen müsse, heißt es in dem Schreiben.

Der Vorstoß der Nachbarsfamilie könnte Palm Beach nun dazu veranlassen, sich öffentlich dazu zu äußern, ob Trump nach der Amtsübergabe an den Demokraten Joe Biden im Januar in Mar-a-Lago wohnen darf. Gleichzeitig offenbart die Auseinandersetzung eine in der US-Geschichte einmalige Konstellation: Ein Ex-Präsident muss darüber streiten, wo er in seiner Zeit nach dem Weißen Haus wohnt.

Genau das wollen einige Nachbarn nicht: Trump-Fans bekunden von Booten aus ihre Unterstützung vor dessen Anwesen Mar-a-Lago (im Wahlkampf im September dieses Jahres)

Genau das wollen einige Nachbarn nicht: Trump-Fans bekunden von Booten aus ihre Unterstützung vor dessen Anwesen Mar-a-Lago (im Wahlkampf im September dieses Jahres)

Foto: Joe Raedle / Getty Images

»Es gibt überhaupt keine rechtliche Grundlage dafür, dass er sein Anwesen als Wohnort und Klub nutzen kann«, zitiert die Zeitung einen benachbarten Hausbesitzer in Palm Beach, der sich schon zuvor über Trump beschwert hatte. Trump könne die Menschen »nicht täuschen und nicht einschüchtern«, so der Anwohner.

Die aktuelle Kontroverse geht auf eine Vereinbarung von 1993 zurück. Damals stand es schlecht um Trumps Finanzen, während die jährlichen Kosten für den Unterhalt von Mar-a-Lago auf Millionen Dollar stiegen. Gemäß der Vereinbarung ist es Klubmitgliedern verboten, mehr als 21 Tage im Jahr dort zu verbringen. Zudem dürfen sie sich nicht länger als an sieben aufeinanderfolgenden Tagen in dem Privatclub aufhalten. So soll der Klub-Charakter der Anlage gewahrt werden.

Trump habe sie ursprünglich in Wohneinheiten für den dauerhaften Gebrauch umwandeln wollen, so die Zeitung. Bevor die Vereinbarung getroffen worden sei, habe ein Anwalt der Stadt in einer öffentlichen Sitzung außerdem versichert, dass Trump nicht in Mar-a-Lago wohnen werde.

Bereits seit Jahren beklagen sich Trumps Nachbarn in Palm Beach über Nachteile durch dessen Anwesenheit. Sie leiden den Berichten zufolge etwa unter dem Stau, der entsteht, wenn Trump vor Ort ist. Doch auch schon vor seiner Wahl zum Präsidenten 2016 sorgte Trump für Unmut, weil er sich nicht an geltende Regeln hielt. So etwa, als er einen riesigen Fahnenmast errichten ließ, der gegen örtliche Vorschriften verstieß.

Außerdem soll Trump im Jahr 2018 versucht haben, ein Verbot aufheben zu lassen, das ihn am Bau eines Bootsanlegers hindert. Nachbarn hatten befürchtet, durch lautstarke Bootstouren gestört zu werden. In Trumps Begründung hieß es damals dem Bericht der »Washington Post« zufolge, der Geheimdienst benötige den Neubau zum Schutz des Präsidenten. Später hieß es, der Anleger sei für den Privatgebrauch des Ehepaars Trump vorgesehen. Anfang dieses Jahres nahm Trump den Antrag zurück, nachdem ein Bericht der »Washington Post« Details der bestehenden Vereinbarungen offengelegt hatte.

Berechnungen der Zeitung zufolge reiste Trump während seiner Präsidentschaft mindestens 30-mal nach Palm Beach und verbrachte in Mar-a-Lago insgesamt mindestens 130 Tage. Das Weiße Haus und der Bürgermeister von Palm Beach reagierten dem Bericht zufolge bislang nicht auf Nachfragen zu den Beschwerden der Nachbarn. Die Stadt hat demnach bislang keine ersichtlichen Versuche unternommen, Trump daran zu hindern, dauerhaft auf seinem Anwesen zu leben.

ire
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