Nach US-Wahl Trump spricht erstmals von Bidens Sieg – und fügt ein Aber an

Bisher hat Donald Trump seine Wahlniederlage nicht eingestanden. Auf Twitter schreibt er nun erstmals, dass Joe Biden gewonnen habe – ergänzt um eine unbelegte Behauptung.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS

US-Präsident Donald Trump hat die Wahl gegen den Demokraten Joe Biden verloren. Eingestanden hat er das bisher nicht. Stattdessen stellt der Republikaner sich als Opfer eines umfassenden Wahlbetrugs dar. Auf Twitter hat er nun erstmals von einem Wahlsieg Bidens gesprochen – dabei aber auch seine Betrugsvorwürfe wiederholt.

"Er hat gewonnen, weil die Wahl manipuliert war", schrieb Trump in seinem Post. Twitter hat umgehend auf die Äußerung reagiert und sie mit einem Warnhinweis versehen.

Mit seiner Äußerung reagiert Trump auf einen Tweet, in dem sich ein Moderator des TV-Senders Fox News darüber wunderte, wie Biden vorn liegen könne, wenn er einen schwachen Wahlkampf geführt habe. Er wiederholt seine nach wie vor nicht belegten Vorwürfe, dass keine Wahlbeobachter zugelassen worden seien und eine bei der Auszählung verwendete Software die Ergebnisse verfälscht habe.

"Ich gestehe NICHTS ein! "

Wenig später legte Trump dann noch mal nach und relativierte seine erste Aussage etwas. "Er hat nur in den Augen der Fake Medien gewonnen", schrieb der Präsident mit Blick auf Biden in einem weiteren Tweet. "Ich gestehe NICHTS ein! Wir haben noch einen langen Weg vor uns", hieß es in dem Tweet weiter. Die Wahl sei manipuliert worden. Auch dieser Tweet wurde mit einem Warnhinweis versehen.

Trumps Anwälte führen diverse Klagen im mehreren Bundesstaaten. Erst in der Nacht zum Sonntag legte er den rechtlichen Kampf um die Wahlergebnisse in die Hand seines langjährigen Anwalts und Weggefährten Rudy Giuliani.

Nach Berechnungen der US-Medien hat Biden die Wahl klar gewonnen. Am Freitag hatten die Fernsehsender CNN und ABC den früheren Vizepräsidenten auch im umkämpften Südstaat Georgia zum Sieger ausgerufen. Mit den 16 Wahlleuten aus Georgia kommt Biden nun auf 306 der landesweit 538 Wahlleute, für einen Wahlsieg brauchte er 270. Trump, der zum Sieger im ebenfalls umkämpften North Carolina ausgerufen wurde, kommt auf insgesamt 232 Wahlleute. Bidens Vorsprung gilt als ausreichend, um Neuauszählungen und auch einem Teilerfolg bisheriger Trump-Klagen standzuhalten.

DER SPIEGEL

Tausende Trump-Anhänger protestieren gegen angeblichen Wahlbetrug

Ungeachtet dessen sind Tausende Trump-Anhänger für eine zweite Amtszeit des US-Präsidenten auf die Straße gegangen. Die Demonstranten forderten trotz des Wahlsiegs von Biden am Samstag "vier weitere Jahre" für Trump im Weißen Haus und prangerten einen angeblichen Wahlbetrug an. Trump winkte seinen Fans auf dem Weg zum Golfen aus seiner Präsidentenlimousine zu.

Trumps Konvoi fuhr auf dem Weg zu seinem Golfklub außerhalb der US-Hauptstadt an der Freedom Plaza vorbei, wo mindestens 10.000 Unterstützer des Präsidenten aus dem ganzen Land zusammengekommen waren. Trump lächelte und winkte den jubelnden Demonstranten aus dem Auto heraus zu. Am Freitagabend hatte er in Aussicht gestellt, bei den Demonstranten "vorbeizuschauen und Hallo zu sagen".

Seit Tagen spricht Amtsinhaber Trump von angeblichem Wahlbetrug und wirft den Demokraten vor, ihm die Wahl "stehlen" zu wollen. Bislang haben die Wahlbehörden in keinem einzigen Bundesstaat größere Unregelmäßigkeiten gemeldet. Am Donnerstag wiesen hochrangige Vertreter der US-Wahlbehörden Betrugsvorwürfe in einer gemeinsamen Erklärung sogar entschieden zurück: Die Wahl am 3. November sei "die sicherste der amerikanischen Geschichte"  gewesen.

asc/dpa/AFP